
AUDIO: Clara-Zetkin-Haus in Wiederau bekommt neue Dauerausstellung (5 Min)
Wiederau
Stand: 04.07.2026 03:00 Uhr
Clara Zetkin gilt als Vorkämpferin der Frauenrechte. Während sie in der alten Bundesrepublik als „rote Emanze“ abgetan worden ist, hat die DDR ihr Geldscheine und Briefmarken gewidmet – und zahlreiche Straßen nach ihr benannt. Ihr Elternhaus in Wiederau wird nun als Ort der Demokratiegeschichte ausgezeichnet. Dazu zeigt eine neue Ausstellung Clara Zetkin nicht nur als politische Aktivistin, sondern auch als Mensch.
Der Weg nach Wiederau führt entlang alter Kirschbaum-Alleen, deren Äste voller leuchtend roter Früchte hängen. Die Alte Dorfschule liegt eingebettet zwischen hohen Bäumen, Kirche und Pfarrhaus. Ein Ort, der zum Verweilen einlädt. Genau hier begann das Leben einer Frau, die später Geschichte schreiben sollte: Die Lehrerstochter Clara Zetkin.

Helga Steinert und Ingrid Müller sind beide Mitglieder im örtlichen Heimatverein und für die Ausstellung verantwortlich.
Zu DDR-Zeiten war die alte Schule eine staatliche Gedenkstätte, erzählt Helga Steinert vom örtlichen Heimatverein: „Da wurde sie auf den Sockel gestellt, als eine Frau, die nie Fehler machte. Wir wollten mehr die Frau sehen mit all ihren Facetten, die sie hatte.“
Wir wollten mehr die Frau sehen mit all ihren Facetten.
Helga Steinert, Mitglied im Heimat und Natur Ortsverein Königshain-Wiederau e.V.
Die Leidenschaft der Rentnerin für Clara Zetkin treibt sie seit 2013 an, sich für eine Erneuerung des Museums einzusetzen. Als später Ingrid Müller ebenfalls dem Heimatverein beitrat und unermüdlich Fördermittel einwarb, nahm das Projekt an Fahrt auf. So konnten sie schließlich ein modernes Ausstellungskonzept entwickeln und zwei neue Räume gestalten.
Ausstellung thematisiert Familiengeschichte
Ingrid Müller zieht verschiedene Schubladen einer neu erworbenen Vitrine auf und zeigt persönliche Dokumente und Briefe. Darunter seien auch zahlreiche Originale, sagt sie. Briefe, die Clara Zetkin an ihre Mutter und Schwiegertochter schrieb. Einige dieser Briefe habe eine Großnichte Zetkins dem Museum 2008 aus Amerika mitgebracht.

In Wiederau sind unter anderem Briefe von Clara Zetkin ausgestellt.
Im zweiten Raum der kleinen Ausstellung illustriert ein bürgerliches Wohnzimmer, wie die Familie damals lebte. Die historischen Möbel hat ein Dorfbewohner zur Verfügung gestellt. Darunter ein alter Bücherschrank mit Werken von Goethe, Schiller und einer Ausgabe von Meyers Lexikon von 1864. Das alles habe Zetkin gelesen, erklärt Ingrid Müller.
Clara Zetkin als Vorkämpferin der Frauenbewegung
Später wurde Clara Zetkin zu einer der wichtigsten Stimmen der Frauen- und Arbeiterbewegung. Ihr Einsatz trug mit dazu bei, dass Frauen 1918 das Wahlrecht erhielten.
Das Wahlrecht der Frauen sei ein Meilenstein gewesen, ebenso wie Zetkins Wirken für die Bildung von Frauen, sagt Müller. Nun werde ihr vielfältiges Wirken noch einmal gewürdigt: „Sie hat ja damals schon erkannt, dass die Frauen mit arbeiten müssen, um das Einkommen einer Familie zu sichern. Und dafür braucht es Kindereinrichtungen. Da hatte sie einen Weitblick!“

Die Ausstellung zeigt auch ein bürgerlich eingerichtetes Wohnzimmer.
Geschichte: Neuer Blick auf das Exil in Moskau
Doch Clara Zetkins Biografie hat auch eine andere Seite. Als überzeugte Kommunistin lebte sie zuletzt im sowjetischen Exil und wurde nach ihrem Tod 1933 an der Kremlmauer in Moskau beigesetzt. Diese vermeintliche Nähe zur Sowjetunion werde in der jüngsten Forschung relativiert, sagt Vereinsmitglied Ingrid Müller.
Ihr wurde das Leben von Stalin schwer gemacht.
Ingrid Müller, Mitglied im Heimat und Natur Ortsverein Königshain-Wiederau e.V.
Es habe Differenzen gegeben. Clara Zetkin sei in den 20er-Jahren, in denen sie immer wieder in der Sowjetununion war, das Telefon gekappt worden. Auch habe sie Schwierigkeiten gehabt, ihre Post zu verschicken. „Ihr wurde das Leben von Stalin eigentlich schwer gemacht“, so Müller.
Auszeichnung als „Ort der Demokratiegeschichte“
Dass Clara Zetkins Elternhaus in Wiederau nun als „Ort der Demokratiegeschichte“ ausgezeichnet wird, freut Ingrid Müller sehr. Die Ehrung wird von der Bundesstiftung Orte der deutschen Demokratiegeschichte vergeben. Neben den zahlreichen Demokratieorten in den Großstädten Leipzig und Dresden ist das Museum in Wiederau einer von drei Orten der Demokratiegeschichte in Sachsens ländlicher Region.
Die Auszeichnung versteht Ingrid Müller auch als Einladung, sich mit den Themen Demokratie und Gleichberechtigung, aber auch der Lebensleistung von Clara Zetkin auseinanderzusetzen.
Museum „Alte Dorfschule“ Wiederau
Rochlitzer Straße 14
Ortsteil Wiederau
09306 Königshain-Wiederau
Die Ausstellung wird am Samstag (04.07.26) feierlich eröffnet – mit einem Tag der offenen Tür von 11 bis 17 Uhr.
Weitere Öffnungszeiten auf Anfrage.
Quelle: MDR KULTUR (Elvira Speer), Museum „Alte Dorfschule“ Wiederau, Landesbildungsserver Baden-Württemberg
Redaktionelle Bearbeitung: aw, td