Stand: 04.07.2026 08:22 Uhr
Was als Gartenarbeit begann, entwickelt sich zu einem gruseligen Fall: Eine Familie aus Braunschweig entdeckt bei der Gartenarbeit menschliche Knochen. Die Polizei ermittelt – ein Verbrechen schließt sie aber aus.

Der Garten von Hauseigentümer Felix Chall gleicht einer Kraterlandschaft.
„Es vergeht kaum ein Tag, an dem wir nichts finden“, sagt Felix Chall. Eigentlich wollte der 35-Jährige zusammen mit seiner Frau den Garten für den Sommer schön gestalten. Doch schon bei den ersten Arbeiten im neuen Garten entdeckten sie Knochen. Mal waren es einzelne Knochenfragmente, mal Zähne, manchmal aber auch größere Teile eines Skeletts. Selbst Schädelknochen hat der Familienvater schon gefunden. Was als gewöhnliche Gartenarbeit begann, entwickelte sich für die Familie zu einem gruseligen Unterfangen.
Familie findet Knochen von Kindern und Erwachsenen

Fast täglich gräbt Felix Chall in seinem Garten – er möchte alle Knochen bergen, bevor er die neuen Beete anlegt.
Vor zwei Jahren hatte Felix Chall das Haus zusammen mit seiner Frau im Braunschweiger Ortsteil Dibbesdorf gekauft. Zu Ostern wollten sie mit der Neugestaltung des Gartens beginnen. Beim Entfernen alter Gehwegplatten stießen sie auf einen ersten Knochen. Kurz darauf folgten weitere Funde. Inzwischen haben die Eheleute zusammen mit ihren drei Töchtern weit mehr als 1.000 Knochen und zahlreiche Zähne aus dem Boden geborgen. Darunter befinden sich Überreste von Erwachsenen, aber auch von Kindern.
Polizei rückt mit Großaufgebot an

Auch einen Schädel hat Felix Chall in seinem Garten gefunden.
Nach den ersten Funden informierte die Familie die Polizei. Ein Rechtsmediziner bestätigte noch am selben Tag, dass es sich um menschliche Knochen handelt. Wenige Wochen später rückte die Polizei mit einem größeren Team zur Spurensicherung an. Insgesamt elf Einsatzkräfte durchsuchten das Grundstück und bargen kistenweise Gebeine. Die Funde wurden anschließend von Rechtsmedizinern der Medizinischen Hochschule Hannover untersucht. Dabei fanden die Experten weder Brüche noch andere Verletzungen an den Knochen, die auf ein Gewaltverbrechen hindeuten könnten.
Staatsanwaltschaft sieht keinen Kriminalfall

Alle Fundstücke werden gesammelt.
Für die Staatsanwaltschaft Braunschweig handelt es sich nach derzeitigem Stand nicht um einen Kriminalfall. Die Untersuchungen hätten keine Hinweise auf ein Tötungsdelikt ergeben, sagt Christian Wolters von der Staatsanwaltschaft Braunschweig. Nach Einschätzung der Ermittler sind die Knochen mindestens 50 bis 100 Jahre alt. „Auch persönliche Gegenstände oder Uniformteile, die Rückschlüsse auf die Identität der Toten zulassen könnten, wurden bislang nicht gefunden“, so Wolters weiter. Da es derzeit keine Anhaltspunkte für eine Straftat gibt, dürfte der Fall schon bald zu den Akten gelegt werden.
Viele offene Fragen

Auch für Stadtheimatpfleger Thorsten Wendt sind die Knochenfunde ein Rätsel.
„Das Haus wurde in den 60er-Jahren gebaut“, sagt Stadtheimatpfleger Thorsten Wendt. Davor sei die Fläche als Ackerland genutzt worden, zeitweise sogar für den Gemüseanbau. Dass man Knochen im Garten findet, sei dabei gar nicht so selten, sagt Wendt. „Allerdings kommt das oft in der Nähe von Kirchen vor.“ In der Nähe der Familie Chall gibt es aber keine Kirche. Auch einen Friedhof habe es an dieser Stelle nie gegeben, so Wendt weiter.
Zeitzeuge liefert mögliche Erklärung
Aber jetzt könnte es eine Erklärung für die ungewöhnlichen Funde geben. Nach Angaben der Polizei habe sich ein älterer Mann gemeldet, der sich an Bauarbeiten in Dibbesdorf Anfang der 1960er Jahre erinnert. Seinen Angaben zufolge wurde damals Friedhofserde zum Auffüllen von Grundstücken verwendet. Bereits als Kind habe er auf einer Baustelle Knochen entdeckt. Diese Aussage stützt eine Theorie, nach der die menschlichen Überreste mit aufgeschütteter Erde auf das Grundstück gelangt sein könnten. Was auffällt: Das Grundstück der Challs ist deutlich höher aufgeschüttet, als die umliegenden Häuser.
Familie will alle Knochen bergen
Felix Chall hält die Erklärung mit der aufgeschütteten Friedhofserde zwar für denkbar, sieht aber weiterhin offene Fragen. Nach seinen Angaben lagen einige Knochen anatomisch geordnet im Boden. Das passe nicht ohne Weiteres zu umgelagerter Erde. Deshalb will er die Fundstellen gemeinsam mit Experten erneut untersuchen. Bis dahin gräbt die Familie weiter. Jeder neue Fund wird an die Polizei übergeben. Für Chall steht dabei vor allem ein Ziel im Mittelpunkt: Die Toten sollen eines Tages würdevoll auf dem Hauptfriedhof bestattet werden. „Wenn es meine Angehörigen wären“, sagt er, „würde ich mir das ja auch wünschen, dass mit ihnen gut umgegangen wird.“

An der B213 zwischen Cloppenburg und Ahlhorn hat die Polizei jetzt das Erdreich um den Fundort ausheben und sieben lassen.

Nach dem Fund einer Leiche rätselt die Polizei im Nachbarland, wer der Tote war. Der Mann trug jedoch ein spezielles Trikot.