Altkreis Halle. Wie heiß war es bitte am vergangenen Samstag? Sogar in der Nacht herrschten durchgängig noch Temperaturen um die 30 Grad – und dabei wehte nicht mal ein Lüftchen. Die Füße geschwollen, Sorgen um eine torkelnde Oma-Katze, ein brummender Kopf. Und dann las ich morgens diese Zeile eines renommierten NASA-Klimaforschers: „Gehen Sie davon aus, dass dieser Sommer ab jetzt der kühlste war, den Sie in Erinnerung behalten werden.“ Das saß!
Ein paar Tage zuvor war unser Hitze-Newsblog auf haller-kreisblatt.de online gegangen; dort informieren wir mehrmals täglich über aktuelle Wetterwarnungen, Tipps gegen Gluthitze oder abgesagte Veranstaltungen. Wir posten kurzweilige Fotos von bunten Wasserschalen für tierische Gartenbewohner, erfrischenden Freibadbesuchen oder schreiben Geschichten über Menschen mit Berufen, die es gerade besonders schwer haben. Ein ganzes Paket voller „Symptom“-Beiträge also. Denn bislang ging es erst mal nur um die Auswirkungen dieses Extremwetters.
Doch allein, weil die Temperaturen zuletzt auch wieder um zehn Grad gefallen sind, dürfen wir uns nicht einen Moment zurücklehnen und das Thema beiseiteschieben. Im Gegenteil. Die Frage, die wir uns alle miteinander stellen müssen: Wie gut ist unsere Infrastruktur auf diese klimatischen Veränderungen ausgelegt? Die Antworten darauf sind besorgniserregend. Und mehr noch die Folgen.
Haller Willem fällt aus, Kühlanlagen im Supermarkt versagen ihren Dienst
Im Haller Marktkauf Speicher kam das Kühlsystem am vergangenen Wochenende an seine Grenzen und funktioniert auch weiterhin nur auf Sparflamme.
| © Florian Gontek
Nehmen wir einfach mal den Haller Willem: Sogar noch unterhalb der 40-Grad-Marke fiel die so wichtige Verbindung zwischen Bielefeld und Osnabrück am Freitag (26. Juni) aus. Der Grund: Wegen der hohen Temperaturen versagt bei vielen älteren Zugmodellen die Technik. Die Nordwestbahn hatte daraufhin ihren noch einsetzbaren Fuhrpark sortiert und festgestellt: Für Halle ist nichts dabei. Aber was wird hier jetzt unternommen, wenn wir nun dauerhaft mit Phasen von Gluthitze in dieser Intensität (oder krasser) rechnen müssen? Wie soll verhindert werden, dass als nächstes Schienen sich verformen, Oberleitungen durchhängen und Züge dauerhaft zum Erliegen kommen? Eine unmögliche Aufgabe! Wir haben einfach viel zu lange gewartet, als dass man nun in der gebotenen Eile und mit den erforderlichen Ressourcen dieses realistische Szenario noch abwenden könnte. Die Folgen indes sind nicht auszudenken.
Dabei ist das ja nur ein Beispiel. Die Feuerwehren im Kreis Gütersloh mussten vergangenes Wochenende zu zahlreichen Bränden ausrücken, obendrein lösten diverse Brandmeldeanlagen ohne konkreten Anlass aus, Aufzüge blieben stecken, überlastete Rettungskräfte kümmerten sich um zahlreiche Hitzeopfer, im Haller Marktkauf Speicher versagten die Kühltruhen ihren Dienst, Veranstaltungen wurden reihenweise abgesagt und, und, und. Und das alles noch im Juni.
Für die Zukunft muss sich auch der Altkreis Halle anders aufstellen
Yasin Steinbrinker misst die Temperatur in Versmolds Parkbad regelmäßig. Das Wasser ist angenehm – doch mit steigender Hitze steigt auch die Wassertemperatur.
| © Andre Schneider
Doch während viele Gestrige tönen: „Früher nannte sich das einfach Sommer!“, die Klimakrise sogar durch Regierungen marginalisiert und Klima weiterhin gerne mit Wetter verwechselt wird, fließt stattdessen so viel Geld in Aufrüstungen und Kriegsgeschehen. Wir machen uns weiter abhängig von fossilen Brennstoffen. Und brauchen stattdessen doch so dringend Lösungen für die Aufgabe, wie wir Land und Wasser retten und damit Nahrung und Energie sicherstellen. Denn genau das ist am Ende existenziell und noch deutlich wichtiger als preiswerte E-Autos oder kostenlose Zugänge zu KI-Tools.
Vor allem zeigt die Gegenüberstellung von Klimaschutz und den wirtschaftlichen Schäden durch den Klimawandel eindeutig: Präventiver Klimaschutz ist volkswirtschaftlich um ein Vielfaches günstiger als die Untätigkeit. Der wirtschaftliche Schaden entsteht nicht durch die Transformation, sondern durch den fortgesetzten Ausstoß von Treibhausgasen. Also worauf warten wir noch?
Nicht nur die Symptome der Gluthitze bekämpfen, sondern Ideen entwickeln
Abkühlung ist schön und gut und bleibt auch wichtig – aber letztlich muss es auch darum gehen, nicht nur die Symptome für die Hitze zu bekämpfen.
| © picture alliance / dpa
Lauter und krasser als jetzt könnten die Zeichen, die Wissenschaftler und Forschungsinstitute schon vor Jahrzehnten mindestens genauso prognostiziert haben, nicht sein. Selbst hier vor Ort ist die Klimakrise längst sichtbar und besorgniserregend. Die Zahl der Naturkatastrophen steigt weiter massiv und damit sogar das Risiko einer neuen Pandemie. Die Schlussfolgerung kann daher nur die eine sein: Wir alle, auch in Halle, Werther, Steinhagen, Versmold und Borgholzhausen, müssen endlich ins Handeln kommen.
Eckart von Hirschhausen hat dazu einmal trefflich festgestellt: Es ist schwer, die Welt ehrenamtlich zu retten, wenn andere sie hauptberuflich zerstören. Stimmt! Und trotzdem, oder gerade deshalb, dürfen wir nicht aufgeben – auch nicht im Kleinen. Es braucht Hitzeschutzpläne für alle Kommunen, klar. Vielleicht können wir aber bereits in den eigenen Familien festlegen, worauf wir ab jetzt verzichten. An welchen Stellen schränken wir uns bewusst ein? Wie viel Grünschutz können wir wo schaffen? Um dann, wenn man bestimmte Ziele erreicht hat, neue zu setzen – weiterreichende.
Deutschland wird heißer – öfter und länger. Und wir dürfen nicht aufhören, in der Klimakrise Gegenpunkte zu setzen.
| © Pixabay
Während ich diese Zeilen schreibe, rollt die nächste Hitzewelle übrigens bereits heran – mit den nächsten Opfern und neuen Schäden. Schreiben Sie mir also gerne, welchen Beitrag Sie leisten werden, um Ihren Teil inmitten der Klimakrise beizusteuern. Vielleicht lassen sich davon wiederum andere Menschen inspirieren, und aus einzelnen Beiträgen werden viele. Meine Adresse lautet nicole.donath@haller-kreisblatt.de.
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