In den kommenden Tagen fliegen Beamte der Bundespolizei und des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) mit Hubschraubern über die Region. Dabei messen die Einsatzkräfte radioaktive Strahlung. Zwar soll es sich um eine Übung der Einsatzkräfte handeln, wie das BfS mitteilt, dahinter steckt allerdings ein ernster Grund.
Hubschrauber messen Radioaktivität bei Augsburg nach Tschernobyl-Unfall
Mit der Abschaltung der letzten Atomkraftwerke in Deutschland, dürfte die Angst vor einem Nuklearunfall gesunken sein, ganz auszuschließen ist ein solcher Fall aber nicht. Für diesen Ernstfall trainieren die Kräfte des BfS und der Bundespolizei von Dienstag, 7. Juli, bis Donnerstag, 9. Juli. Über Mindelheim, Schwabmünchen und am Forggensee ermitteln sie von Hubschraubern aus die am Boden vorhandene Radioaktivität.
Für den Fall, dass radioaktive Stoffe in die Umwelt gelangen, müssen die Einsatzkräfte gut vorbereitet sein und schnell reagieren können. Die Messung aus Hubschraubern könne laut BfS einen wichtigen Beitrag leisten. Innerhalb kürzester Zeit ließen sich Gebiete darauf untersuchen, ob radioaktive Stoffe abgelagert wurden, welche Stoffe das sind und in welcher Menge. Die Behörden können dann die erforderlichen Schutzmaßnahmen einleiten.
Einsatzkräfte starten ihre Messungen am Fliegerhorst Kaufbeuren
Die Hubschrauber sind dafür mit einer speziellen Messtechnik ausgestattet und werden von Spezialistinnen und Spezialisten der Behörden geflogen. Eine Zusammenarbeit wie diese sei auch für Polizei- und Strahlenschutz-Kräfte nicht alltäglich und brauche Übung. Die Teams wählten je ein Gebiet um Mindelheim und Schwabmünchen aus. Auf einer Fläche von 14 mal 21 Kilometern führen sie ihre Messungen durch. Über dem Forggensee bei Füssen werden die Messsysteme zusätzlich getestet. Im Ernstfall können die Expertinnen und Experten eine Fläche von rund 100 Quadratkilometern innerhalb von drei Stunden überfliegen und kartieren. Schon kurz nach der Landung liegen die Ergebnisse der Messungen vor.
An den Übungstagen fliegen die Einsatzkräfte jeweils von 8 bis 17 Uhr über die Region. Die Flüge erfolgen in einer Höhe von etwa 90 Metern. Sie starten und enden auf dem Fliegerhorst Kaufbeuren. Die Region wählten die Kräfte aus einem besonderen Grund: Nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl vor 40 Jahren war die Region südwestlich von Augsburg mit am stärksten betroffen. Voraussichtlich können die Fachleute bei ihren Übungen auch den radioaktiven Stoff Cäsium-137 nachweisen, das aus diesem Reaktor austrat.