Nicht nur der Sparverein Kriegshaber gerät unter Druck, sondern auch einige der rund 1200 Mitglieder. Seit der Vorstand deren Ersparnisse in Höhe von 17 Millionen Euro bei der katholischen Liga Bank unglücklich angelegt hat, kommen sie nicht mehr an ihr Geld. Es steckt in Zertifikaten mit langjährigen Laufzeiten. Manche Mitglieder, wie die 91-jährige Maria F., geraten dadurch in finanzielle Not. Wegen der Misere haben einige Mitglieder dem Sparverein gekündigt und klagen auf Herausgabe ihrer Spareinlagen. Auch Maria F. klagt. Ihr Enkel Matthias F. (Namen geändert) erzählt, wie seine Oma unter dem Sparverein-Desaster leidet.

Der 48-Jährige wurde hellhörig, als das Seniorenheim seiner Großmutter sich bei ihm meldete. Die monatlichen Heimkosten hätten nicht mehr abgebucht werden können. „Ich musste 10.000 Euro vorschießen, damit ihr Konto wieder gedeckt war“, berichtet F. Um zu schildern, wie Maria F. in die finanzielle Bredouille geraten ist, muss man beim Tod ihres Mannes beginnen.

Desaster um Sparverein: Augsburger Seniorin bräuchte das Geld dringend für ihr Altersheim

Als der Maurer starb, verkaufte sie die gemeinsame Eigentumswohnung. Maria F. wollte finanziell vorsorgen, falls sie in ein Heim ziehen müsste. Das Geld legte sie beim Sparverein Kriegshaber an – wie viele Familien in Augsburg in den vergangenen Jahrzehnten. Einen kleineren Teil ihrer Ersparnisse behielt sie bei der Bank.

„Meine Oma bezahlt für das Heim monatlich 2500 Euro. Ihre Rente deckt die Kosten nicht vollständig. Sie griff zusätzlich auf ihr Erspartes bei der Bank zurück. Dieses Geld wurde nach und nach aufgebraucht“, berichtet der Enkel. Jetzt bräuchte sie dringend das Geld, das sie beim Sparverein angelegt hat. „120.000 Euro wären dort vorhanden“, sagt Matthias F. Doch seine Oma kann nicht darauf zugreifen – wie alle anderen Mitglieder. Manche Ex-Mitglieder gehen rechtlich gegen den Verein vor – und haben Aussicht auf Erfolg.

Anwalt Bernd Paschek vertritt den Sparverein Kriegshaber vor Gericht.

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Anwalt Bernd Paschek vertritt den Sparverein Kriegshaber vor Gericht.
Foto: Klaus Rainer Krieger

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Anwalt Bernd Paschek vertritt den Sparverein Kriegshaber vor Gericht.
Foto: Klaus Rainer Krieger

Wie berichtet, hatte das Landgericht einem ersten Kläger Recht gegeben. Der Verein muss ihm seine Ersparnisse auszahlen. Der Anwalt des Vereins, Bernd Paschek, hat Berufung eingelegt. Eine endgültige Entscheidung gibt es noch nicht. Das Oberlandesgericht hat in einem Hinweisbeschluss jedoch angedeutet, dass das Urteil des Augsburger Landgerichts bestätigt werden könnte.

Die Klägerinnen und Kläger müssten dann ausgezahlt werden. Doch wie, wenn der Verein nicht an die fest angelegten Gelder kommt? Der Verein prozessiert selbst gegen die katholische Liga Bank, weil er sich falsch beraten fühlt. Bei der letzten Verhandlung empfahl das Gericht den Streitparteien, sich zum Wohl der Sparer auf einen Vergleichsvorschlag zu einigen.

Dann bliebe für den Sparverein Kriegshaber nur die Insolvenz

Dieser sieht eine sofortige Auszahlung einer ersten Tranche von sechs Millionen Euro vor. Die übrigen Zertifikate würden – teils bis 2035 – weiterlaufen. Mit dem Geld könnten unter anderem Forderungen ehemaliger Mitglieder bedient werden. Die Liga Bank hat dazu Bereitschaft signalisiert. Doch Sparverein-Anwalt Bernd Paschek ist kritisch.

„Es ist wahrscheinlich, dass dann noch mehr Forderungen auf den Verein zukommen.“ Wie er berichtet, soll im Juli in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung über den Vergleich entschieden werden. Anfang August soll der Prozess zwischen Verein und Bank weitergehen.

In der Mitgliederversammlung wird laut Paschek auch ein möglicher Insolvenzantrag Thema sein. Wird die Berufung zurückgewiesen und der Verein zur Auszahlung seiner ehemaligen Mitglieder verpflichtet, bliebe nur die Insolvenz.

Anwalt Hilmar Pickartz versteht nicht, warum sich der Sparverein bislang nicht mit der katholischen Liga Bank einigen will. Das gehe auf Kosten der Mitglieder, kritisiert er.

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Anwalt Hilmar Pickartz versteht nicht, warum sich der Sparverein bislang nicht mit der katholischen Liga Bank einigen will. Das gehe auf Kosten der Mitglieder, kritisiert er.
Foto: Marcus Merk

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Anwalt Hilmar Pickartz versteht nicht, warum sich der Sparverein bislang nicht mit der katholischen Liga Bank einigen will. Das gehe auf Kosten der Mitglieder, kritisiert er.
Foto: Marcus Merk

„Der Insolvenzverwalter würde wohl die Wertpapiere verkaufen und gegebenenfalls den Verlust realisieren. Nach Abzug der Kosten der Insolvenzverwaltung würde es dann wohl zu einer Ausschüttung kommen“, sagt Paschek. „Das Verfahren ist die teuerste Variante. Deshalb haben der Vorstand und ich die Mitglieder immer auf diese Konsequenzen hingewiesen.“ So weit müsste es aber gar nicht kommen, findet Hilmar Pickartz, auch Augsburger Anwalt. Er vertritt die klagenden Ex-Mitglieder und versteht nicht, warum der Verein bislang nicht auf den Vergleichsvorschlag eingeht.

„Man könnte die Sache längst vom Tisch bekommen. Der Verein hat bereits mehr als eine halbe Million Euro für Gerichtskosten aufgewendet.“ Er plädiere für eine Einigung, um Prozesse zu verkürzen. „Sonst dauern sie zu lange und werden zu teuer.“ Für betagte Sparer, wie Maria F., drängt aber die Zeit.

„Meine Oma sitzt im Altenheim und macht sich große Sorgen“, sagt Enkel Matthias. Das Pflegeheim habe sich inzwischen an das Sozialamt gewandt. „Sie schämt sich sehr dafür. Meine Oma hat gearbeitet und war in ihrem Leben nie von jemandem abhängig.“ Ob das Sozialamt helfen wird, ist fraglich. Schließlich verfügt Maria F. über Ersparnisse von 120.000 Euro – zumindest theoretisch.