Werther. Am PAB-Standort in Werther heißt es Abschied nehmen. 80 Schülerinnen und Schüler haben die zehnte Klasse abgeschlossen. Jetzt werden sie sich neuen Herausforderungen stellen. Vier Schüler haben den Ersten Schulabschluss erlangt, 13 den Erweiterten Ersten Schulabschluss. 25 Schüler haben außerdem die mittlere Reife erlangt. Weitere 38 haben zusätzlich einen Qualifikationsvermerk für die gymnasiale Oberstufe erhalten.

Bei der Entlassfeier (Donnerstag, 2. Juli) in der schuleigenen Aula schwelgten Lehrkräfte, Pädagogen und Eltern in Erinnerung an die bisherige Schulzeit ihrer Schützlinge und Kinder.

Ein wiederkehrendes Thema bei den Rednern waren die widrigen Umstände, unter denen die Kinder ihre Zeit an der PAB-Gesamtschule beginnen mussten. Stichwort: Corona. Aber auch die merkwürdige und gewöhnungsbedürftige Zeit, in der die Zehntklässler nun ihre Abschlüsse gemacht haben. So eröffnete Michael Strangmann, stellvertretender Schulleiter, die Eröffnungsrede der Feier mit einem Überraschungseffekt. Im Dunkeln ertönte aus dem Off plötzlich die Stimme des Lehrers, und einige drehten sich verwundert von links nach rechts, um herauszufinden, von wo Strangmann wohl zu ihnen sprach.

Urteilsfähigkeit wichtiger denn je

Nach ein paar einleitenden Worten trat er dann auf die Bühne und brachte – buchstäblich – Licht ins Dunkel. „Was Sie gehört haben, war eine künstliche Intelligenz“, sagte Strangmann. Diese hatte er vorab mit seiner Stimme einen vorgefertigten Text aufsagen lassen. „Willkommen im Jahr 2026“, fügte er trocken hinzu.

Strangmann ist nicht der Erste, der den rasanten Fortschritt der KI bei einer schulischen Entlassfeier zum Thema macht – und wird wohl kaum der Letzte gewesen sein. Das Thema beschäftigt die ganze Welt – und Bildungseinrichtungen ganz besonders. „Heute reicht ein Computer, um die Wirklichkeit komplett zu verändern“, fuhr Strangmann fort. „Heute fragt man sich, ob es überhaupt echt ist, was man sieht, liest und hört.“

Die eigentliche Kunst sei es heutzutage nicht mehr, an Informationen zu kommen, sondern zu entscheiden, ob das Gefundene denn überhaupt verlässlich ist. Das Internet und künstliche Intelligenz hätten Schule bei der Wissensvermittlung schon abgehängt, gibt er zu. Vielmehr sei es die Aufgabe von Schule, Urteilsfähigkeit und kritisches Denken zu fördern. Die richtigen Fragen zu stellen und ob der Masse an verfügbaren Fehlinformationen die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Schwieriger Anfang während Corona

Die Elternvertreterinnen Nicole Austmann und Tina Wannke erinnerten sich vor allem an die Zeit des Distanzunterrichtes während der Corona-Pandemie. Schließlich mussten ihre Kinder währenddessen im häuslichen Umfeld vor Bildschirmen lernen – meist nur wenige Meter von ihrem Schlafplatz entfernt, der verlockend zum Liegenbleiben einlud und dem Lernfortschritt nicht unbedingt dienlich war. Demnach seien die Kinder in dieser Zeit ziemlich findig im Suchen von Ausreden gewesen. Verschwundene Dateien und streikende Technik sind da nur zwei vieler genannter Beispiele.

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Nicole Austermann bedankte sich vor diesem Hintergrund bei den Lehrkräften: „Ihr habt unseren Kindern in dieser Zeit Orientierung gegeben.“ Dann wandte sie sich abschließend nochmals den Schülern zu. „Ihr geht jetzt unterschiedliche Wege. Egal, welchen – es gibt nicht den einen perfekten.“ Wannke ergänzte: „Auch Erwachsene machen Fehler, nennen sie dann aber Erfahrungen. Die Welt braucht nicht nur gute Noten und Abschlüsse.“


Oliver Cannova und Onur Adigüzel sangen ihren eigenen Song "Die Zeit fliegt" und ließen sich auch von Tonproblemen nicht aus der Ruhe bringen. - © Tobias Barrelmeyer

Oliver Cannova und Onur Adigüzel sangen ihren eigenen Song „Die Zeit fliegt“ und ließen sich auch von Tonproblemen nicht aus der Ruhe bringen.
| © Tobias Barrelmeyer

Emotional und auch lustig wurde es, als Silke Andres, die als Integrationsfachkraft eine Schülerin durch ihren Schulalltag begleitet hatte, von ihren Erlebnissen in der Klasse „Aqua“ erzählte. Die Klassen erhalten auf der PAB-Gesamtschule Namen, die sich mit verschiedenen Farben assoziieren lassen – Blau im Fall des Abschlussjahrgangs.

Aufregende Fünf-Minuten-Pausen

Pointen – und gestenreich berichtete sie von Fünf-Minuten-Pausen, in denen sie Blut und Wasser geschwitzt habe. Als etwa ein Schüler aus dem Fenster auf ein Vordach springen wollte, um einen Fußball wieder heraufzuholen, mit dem eben noch im Klassenzimmer gebolzt worden war. Mit Überzeugungsarbeit und der Mithilfe eines weiteren Schülers habe sie dieses Vorhaben schließlich noch abwenden können.

Außerdem habe die Pädagogin oft mit nützlichen Alltagsgegenständen aushelfen müssen. Ihr Top-fünf-Ranking: Handcreme, Nagelfeile, Haargummis, Taschentücher und – auf Platz eins – Traubenzucker. Für den Stress nach, vor und während der Prüfungen.

Schließlich verabschiedeten sich auch die Lehrkräfte von den Schülern – und das kreativ mit einem Videobeitrag im Stile eines überdrehten Influencers, gespielt von Lehrer Felix Rinke. Auf die Fragen von Rinke hin rekapitulierten die Klassenlehrer im Videobeitrag ihre peinlichsten und schönsten Erinnerungen mit den Absolventen.

Lehrer vergeben besondere Auszeichnungen

Nach der Zeugnisvergabe wurden einige Schüler noch mit besonderen Auszeichnungen versehen. Geehrt wurde Marielle Fast für besondere Kraft und Disziplin trotz widriger Lernumstände. Oliver Cannova erhielt eine Ehrung für den bestmöglichen Abschluss. Für eine enorme Leistungsentwicklung während der Schulzeit wurden Luis Spilker und Henrik Sokoll ausgezeichnet. Besonderes Engagement im Schulalltag und darüber hinaus hatten nach Ansicht der Lehrer Jannick Habermann und Leandra Strate an den Tag gelegt.


Marielle Fast, Oliver Cannova, Luis Spilker, Jannick Habermann, Leandra Strate und Henrik Sokoll erhielten besondere Auszeichnungen für Engangement, Durchhaltevermögen oder eine besonders beeindruckende Leistungsentwicklung. - © Tobias Barrelmeyer

Marielle Fast, Oliver Cannova, Luis Spilker, Jannick Habermann, Leandra Strate und Henrik Sokoll erhielten besondere Auszeichnungen für Engangement, Durchhaltevermögen oder eine besonders beeindruckende Leistungsentwicklung.
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INFORMATION

Die Absolventen- und Absolventinnen

Klasse Marlin:

Onur Adigüzel, Elenia Attimonelli, Simon Blank, Jean Büteröwe, Oliver Cannova, Liliana Eveline Dittrich, Shuajb Dullovi, Marielle-Mailys Fast, Selina Gasi, Pari Vash Ghafori, Parniyan Ghafori, Justus Hardieck, Martti Jungclaus, Maximilian Kadziszewski, Dian Kanisicak, Kalle Jonathan Kunze, Lennja Kurginski, Colin Jayden Metauge, Neo Sky Bennet Moldenhauer, Tayron Van Preston Moldenhauer, David Neitsel, Felix Nestripke, Katharina Shvets, Maja Lotta Storck, Konstantin Walz

Klasse Alecedo:

Rojin Aboush, Emma Sophie Austmann, Jonas Bach, Enrico Carlile, Andrej Evert, Laura Marie Feibig, Meryem Görmez, Lisa Marie Grobel, Isabel Gußmann, Jannick Habermann, John Hartwig, Jannis Hillebrand, Leefke Hoffmann, Felix Lennart Höltmann, Kateryna Ivanchenko, Lia Kamp, Ole Quentin Meyer zur Müdehorst, Louisa Niestrath, Blessed Omoibolo Eronmonsele Okosun, Hlieb Paskal, Louis Nemo Raab, Sophia Schöttelndreier, Ole Janus Schroeder, Moritz Maximilan Schwarze, Linus Luis Spilker Nunes, Torben Stoll, Joel Voß, Lars Oliver Zacharias

Klasse Aqua:

Kian Sherhat Acar, Shawn Bergmann, Ole Jona Blanke, David Aiden Dostál, Semra-Selin Güngör, Diego Haß, Hannah Heier, Leni Kellermann, Tamina Kreft, Yannick Lindemann, Malvina Meziu, Hannes Oehl, Mac-Anthony Okosun, Lukas Potthoff, Louis Mika Prasse, Sophie Ribeiro dos Santos, Silas Sasikumar, Lukas Schäfer, Maya Katharina Schröder, Henrik Sokoll, Leandra Strate, Philipp Thörner, Julia Beatrice Voth, Lia Wannke, Finn Wiegand, Callie-Majell Wolf, Moritz Wömpener