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Washington/Berlin – Seit einem Vierteljahrtausend sind die USA jetzt unabhängig. Ein Anlass, groß zu feiern. Eine Gruppe sorgte am heutigen 4. Juli in den Morgenstunden in Washington aber für gruselige Szenen. Die Männer, die sich zu einem Aufmarsch in der Hauptstadt verabredet haben sollen, gehören offenbar der „Patriot Front“ an.
Die Organisation entstand 2017 nach den rechtsextremen Ausschreitungen in Charlottesville (Bundesstaat Virginia) und wird als extremistische beziehungsweise rassistische Gruppe eingestuft. Typisch für ihre Auftritte sind einheitliche Kleidung, Gesichtsbedeckungen, Schilder in den Farben Rot, Weiß und Blau sowie marschartige Formationen – es sind genau diese Bilder, die auch am Samstag überall in der Stadt zu sehen waren. Laut „Washington Post“ marschierten Hunderte uniformierte Mitglieder der Gruppierung in Richtung des Kapitols.

Bedrohliche Kulisse: Eine schwarze Frau sitzt zwischen den Vermummten der „Patriot Front“
Foto: Cheney Orr/REUTERS
Die Gruppe verwendet außerdem häufig weitere Symbole wie die Zahl 76 (als Anspielung auf das Jahr 1776 und die amerikanische Unabhängigkeit) sowie die US-Farben Rot, Weiß und Blau. Ziel ist es, sich optisch an traditionelle patriotische Symbolik anzulehnen, obwohl die Organisation eine rechtsextreme und weiße nationalistische Ideologie vertritt.

Einheitlich uniformiert: Mitglieder der Gruppe stehen in einer U-Bahn-Station in Washington. Dazwischen: Eine Frau, die auf ihre Bahn wartet
Foto: Nathan Howard/REUTERS

Die Patriot Front ist nach Angaben der Anti-Diskriminierung-Organisation (ADL) und des gemeinnützigen Southern Poverty Law Centers (SPLC) eine rechtsextreme und neonazistische Gruppierung
Foto: Nathan Howard/REUTERS
„Patriot Front“ nutzt Großereignisse
Fakt ist: Mit den offiziellen Feierlichkeiten zum amerikanischen Unabhängigkeitstag haben die Aufmärsche nichts zu tun. Doch die Extremistengruppe nutzt Großereignisse wie den 4. Juli oder andere nationale Veranstaltungen regelmäßig, um öffentliche Aufmerksamkeit zu erzeugen. Sie tritt dabei eigenständig auf und ist weder Teil des offiziellen Festprogramms noch von staatlichen Stellen eingeladen.

Das Emblem der Patriot Front ist in der Regel bewusst schlicht gehalten und soll patriotisch wirken, ohne offen faschistische Symbole zu verwenden. Hier zeigt das Abzeichen allerdings einen blauen Schild und eine Fasces (Rutenbündel mit Beil), ein Symbol, welches schon Benito Mussolini, der „Führer des Faschismus“, verwendet hat
Foto: Nathan Howard/REUTERS
BILD überträgt Trump-Rede live
Der diesjährige Independence Day steht ganz im Zeichen des 250. Geburtstags der Vereinigten Staaten. Landesweit sind Paraden, Konzerte, Militärvorführungen und große Feuerwerke geplant. Höhepunkt in Washington ist am Abend (Ortszeit) die „Salute to America“-Veranstaltung mit einer Rede von US-Präsident Donald Trump (80). Trump wird voraussichtlich erst um 21.45 Uhr Ortszeit sprechen – das entspricht 3.45 Uhr in der Nacht zu Sonntag deutscher Zeit. Im Anschluss ist ein großes Feuerwerk geplant. BILD überträgt die Rede live.
Hintergrund: Die Patriot Front entstand im August 2017 nach rechtsextremen Ausschreitungen in Charlottesville. Damals hatten sich Hunderte Rechtsextremisten, Neonazis, Angehörige der sogenannten „Alt-Right“ und Mitglieder weiterer extremistischer Gruppen zu der Demonstration „Unite the Right“ versammelt. Auslöser war der geplante Abbau einer Statue des konföderierten Generals Robert E. Lee.

Die rechtsradikale Gruppe wurde 2017 von dem damaligen Teenager Thomas Rousseau gegründet
Foto: Cheney Orr/REUTERS
Es kam zu schweren Straßenschlachten zwischen Rechtsextremisten und Gegendemonstranten. Am 12. August steuerte der Rechtsextremist James Alex Fields Jr. sein Auto gezielt in eine Menschenmenge von Gegendemonstranten. Dabei wurde die 32-jährige Heather Heyer getötet, Dutzende weitere Menschen wurden verletzt. Die Tat gilt als einer der schwersten rechtsextremen Terrorakte der jüngeren US-Geschichte.
Nach den Ereignissen zerfiel die damalige Neonazi-Gruppe „Vanguard America“. Ein Teil ihrer Mitglieder um Thomas Rousseau (27) gründete anschließend die „Patriot Front“, die sich äußerlich moderner präsentiert, ideologisch aber ebenfalls einen weißen Nationalismus vertritt.