Steinhagen. Die Gemeinde Steinhagen plant die Einführung eines Gutscheinsystems. Dadurch soll die lokale Kaufkraft gebunden werden, um heimische Geschäfte, Dienstleister und Gastronomiebetriebe zu unterstützen. Anders als bei klassischen Gutscheinen wie etwa von Amazon oder MediaMarkt könnten Bürgerinnen und Bürger diese Gutscheine ausschließlich bei teilnehmenden Betrieben in Steinhagen einlösen.
„Das Gutscheinsystem stärkt die Bindung an die Kommune, fördert das Bewusstsein für lokales Einkaufen und kann zur Kundenbindung beitragen“, schreiben Wirtschaftsförderer Benjamin Schulz und Marketingbeauftragter Dominic Rudek. Im Steinhagener Rathaus betreuen sie das Projekt.
Erhältlich sein sollen die Gutscheine über eine App oder an Verkaufsstellen. Sie können von Bürgerinnen und Bürgern erworben werden. Für Arbeitgeber stellt der Stadtgutschein eine steuerfreie Alternative zu einer direkten Lohnerhöhung dar (Corporate Benefits). „Der Stadtgutschein ist damit ein einfaches Instrument, das mehreren Zielgruppen zugleich nutzt: dem lokalen Gewerbe, den Beschäftigten und den Unternehmen sowie der Kommune insgesamt“, sehen Schulz und Rudek einen Mehrwert für alle Beteiligten.
Halle hat bereits seit 2020 einen Stadtgutschein
Wirtschaftsförderer Benjamin Schulz sieht in dem Gutscheinsystem ein Mittel zur Stärkung des Einzelhandels in Steinhagen.
| © Frank Jasper
Für eine mögliche praktische Umsetzung schlagen sie das Stadtgutschein-System „zmyle“ vor. Die Stadt Halle etwa nutzt diesen Anbieter bereits seit 2020. Aktuell beteiligen sich in der Lindenstadt rund 50 Geschäfte und Gastronomiebetriebe an dem Gutscheinsystem. Darunter große Betriebe wie der Marktkauf Speicher und Holz-Speckmann. Wie Wirtschaftsförderer Benjamin Schulz am Mittwoch im Haupt- und Finanzausschuss mitteilte, besteht auch bei Steinhagener Geschäftsleuten Interesse an so einem Gutscheinsystem. Dies sei beim vergangenen Ortskern-Treffen deutlich geworden.
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Grundsätzlich begrüßen alle Fraktionen die Idee, dennoch wurde der Stadt-Gutschein für Steinhagen in dieser Woche noch nicht beschlossen. „Ich bin davon überzeugt, dass dieses System dazu beitragen kann, die Kaufkraft im Ort zu halten. Gastronomie und Einzelhandel würden profitieren“, sagte etwa SPD-Fraktionsvorsitzende Maida Ntinos – und fügte hinzu: „Angesichts der angespannten Haushaltslage sollten wir die erwartbare Akzeptanz und vor allem die Kosten genau prüfen.“ Denn die technische Umsetzung und Werbung für das neue Angebot durch den Anbieter „zmyle“ ist natürlich nicht kostenlos zu haben.
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Die Kosten sind vom durch die Gutscheine erzeugten Umsatz abhängig. Nimmt man für Steinhagen einen Umsatz von 100.000 Euro an – laut „zmyle“-Geschäftsführer Alexander Arend eine realistische Summe für das erste Jahr -, so würden sich die Kosten für die Gemeinde auf rund 1.600 Euro belaufen. Für die beteiligten Geschäfte und Gastrobetriebe sowie Arbeitgeber, die einen Gutschein ausstellen, entständen hingegen keine Kosten.
Handel in Steinhagen soll vom Stadtgutschein profitieren
„Aber was passiert in den Jahren danach? Und was, wenn nicht ausreichend Teilnehmer mitmachen?“, fragte FDP-Fraktionsvorsitzende Silke Wehmeier. Es gebe noch zu viele offene Fragen. Zweifel meldete auch Chantal Kichler von der CDU an. Viele Firmen hätten bereits Corporate Benefits, die sie ihren Mitarbeitern anböten. Darüber hinaus könne das ortsgebundene System für größere Unternehmen, deren Mitarbeiter gar nicht aus Steinhagen kommen, unattraktiv sein.
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Valerie Augustin von den Grünen lobte die Stadtgutschein-Idee hingegen uneingeschränkt: „Wir haben uns gefreut, denn von diesem System profitiert nicht Amazon, es profitieren vielmehr die Anbieter bei uns im Ort.“ Ginge es nach den Grünen, dann hätte die Politik bereits am Mittwoch der Einführung zustimmen können. Das hätte auch Bürgermeisterin Sarah Süß befürwortet. „Es wäre strategisch klug, zeitnah eine Entscheidung herbeizuführen, um bereits das nächste Weihnachtsgeschäft mitnehmen zu können“, so die Bürgermeisterin. In der Ratssitzung am 15. Juli geht es erneut um den Stadtgutschein.
