Die Galerie Wertheim füllte sich schnell am Samstagnachmittag und schon nach kurzer Zeit war klar, dass die Ausstellung des besonderen Ehepaars auf großes Interesse stieß: Zahlreiche Besucher waren zur Vernissage gekommen, darunter viele Künstlerkollegen, Wegbegleiter und auch Vertreter von Kunst.Neuss.

Die beiden ausstellenden Künstler, Hilla Baecker und Ernst Neugebauer, hatten ihre Arbeiten bereits zum dritten Mal gemeinsam präsentiert. Dass ihre Werke dennoch keineswegs gleich wirkten, war Teil des Konzepts. Vielmehr ging es ihnen darum, unterschiedliche fotografische Herangehensweisen nebeneinander zu zeigen und so einen Austausch anzustoßen, untereinander ebenso wie mit dem Publikum. Hilla Baecker arbeitet vor allem mit Collagen, die aus eigenen Fotografien entstehen und am Computer weiterentwickelt werden. Dabei kombiniert sie verschiedene Motive, überlagert Strukturen und verändert Bildausschnitte so lange, bis sich eine neue, eigenständige Bildsprache ergibt. „Mir ist wichtig, dass ich nicht einfach nur abbilde, sondern etwas Neues entstehen lasse“, sagte sie im Gespräch und beschrieb ihre Arbeiten als Versuch, „Verborgenes sichtbar zu machen“. In ihren Werken finden sich häufig Spuren von Vergänglichkeit, etwa in Form von bröckelnden Mauern, alten Plakatflächen oder scheinbar beiläufigen Oberflächenstrukturen. Diese werden in den Collagen neu zusammengesetzt und entfalten so eine ganz eigene Wirkung. Für die Künstlerin war dabei entscheidend, dass alle Bildelemente aus eigenen Fotografien stammten, die sie anschließend weiterverarbeitete. Ernst Neugebauer hingegen verfolgte einen deutlich reduzierteren Ansatz. Seine Fotografien sind überwiegend dokumentarisch und wurden nur behutsam nachbearbeitet. Im Mittelpunkt stehen Details des Alltags, die häufig erst auf den zweiten Blick ihre Wirkung entfalteten. „Mich interessieren vor allem Strukturen und Formen, die man im Alltag oft übersieht“, erklärte er und ergänzte: „Es geht mir darum, Dinge so zu zeigen, dass man genauer hinschaut.“ Als Diplom-Ingenieur der Elektrotechnik brachte Neugebauer dabei auch eine technische Perspektive in seine Arbeit ein. Gerade geometrische Linien, klare Flächen und präzise Kompositionen prägen seine Bilder. „Technische Geräte oder Bauwerke haben oft eine ganz eigene Ästhetik, die man erst entdeckt, wenn man sich darauf einlässt“, sagte er.

Rena Wertheim, Gastgeberin der Galerie, sah in dem Zusammenspiel und Dialog des Paars den zentralen Punkt der Ausstellung. „Die Galerie soll ein Ort sein, an dem Kunst nicht nur gezeigt, sondern auch besprochen wird“, erklärte sie. Gerade die persönliche Atmosphäre habe es möglich gemacht, dass Besucher mit den Künstlern ins Gespräch kamen und ihre eigenen Eindrücke teilten.