DFB-Präsident Bernd Neuendorf (r.) mit DFB-Generalsekretär Holger Blask

Stand: 05.07.2026 • 16:10 Uhr

Der Trainerwechsel und das WM-Aus wirken sich für den DFB auch finanziell aus. Die Bilanz stand ohnehin jahrelang unter Druck – doch es gibt auch neuen Spielraum.


Chaled Nahar


Marcus Bark

Am 8. Juni, wenige Tage vor dem Start der WM, veröffentlichte der DFB seinen Finanzbericht 2025 mit der Überschrift „DFB setzt positive finanzielle Entwicklung fort“. Ob in einem Jahr ähnliche Worte im Rückblick auf das Finanzjahr 2026 gewählt werden, bleibt fraglich. Denn der blamable Turnierverlauf und ein Trainerwechsel der höchsten Preisklasse werden die Bilanz belasten.

Hohe Abfindung für Nagelsmann, hohes Gehalt für Klopp

In dem Moment, in dem Paraguays Spieler ihr viertes Tor im Elfmeterschießen und damit den Sieg gegen Deutschland im Sechzehntelfinale feierten, war im Grunde klar, dass es einen neuen Bundestrainer geben wird. Die Frage war nur: Zu welchen Konditionen wird der DFB den Trainer wechseln?

Der Moment der Niederlage: Paraguay jubelt im Elfmeterschießen gegen Deutschland.

Die Preise werden von niemandem bestätigt, nach Informationen der Sportschau liegt die Abfindung für Ex-Bundestrainer Julian Nagelsmann knapp unter sieben Millionen Euro. Jürgen Klopps Gehalt soll bei mindestens zehn Millionen Euro plus möglichen Erfolgsprämien liegen.

Jürgen Klopp soll neuer Bundestrainer werden.

Die Kosten könnten noch steigen, wenn eine Ablösezahlung an den Red-Bull-Konzern fällig werden sollte, bei dem Klopp derzeit noch als weltweiter Fußballchef unter Vertrag steht. 2021 zahlte Bayern München 25 Millionen Euro Ablöse, um Julian Nagelsmann als Trainer von RB Leipzig zu bekommen. Hinzu kommen Assistenztrainer, die bezahlt werden müssen. Verhandlungspartner beim Red-Bull-Konzern ist Geschäftsführer Oliver Mintzlaff, der 2023 nach der Berufung von Andreas Rettig zum DFB-Geschäftsführer eine Task Force des DFB verlassen hatte, die nach der verpatzten WM 2022 ins Leben gerufen worden war.

DFB-Präsident Bernd Neuendorf (l.) mit Oliver Mintzlaff

Die WM lieferte wenig Ertrag …

FIFA-Präsident Gianni Infantino verabschiedete die deutsche Nationalmannschaft mit warmen Worten. Bei Instagram schrieb er, dass sich das deutsche Team in einer „stark besetzten Gruppe“ durchgesetzt und „unvergessliche Leistungen gezeigt“ habe.

Mit diesen wohl tatsächlich „unvergesslichen Leistungen“ erreichte das Team das Sechzehntelfinale und schied dort aus. Das bedeutet auf der Einnahmenseite lediglich elf Millionen US-Dollar von der FIFA plus eine Vorabzahlung zur Vorbereitung von 2,5 Millionen US-Dollar, in Summe also 13,5 Millionen US-Dollar, umgerechnet aktuell fast zwölf Millionen Euro. Der Weltmeister wird dagegen 50 Millionen US-Dollar einstreichen. Hinzu kommen andere Effekte: Denn Erfolg liefert bessere eine bessere Verhandlungsposition gegenüber Sponsoren.

Als das DFB-Team 2022 in Katar in der Gruppenphase ausschied, verzeichnete der DFB ein negatives Finanzergebnis, im Finanzbericht hieß es damals, dass dafür auch „das Abschneiden der A-Nationalmannschaft der Männer bei der FIFA WM 2022 in Katar“ verantwortlich sei.

Joshua Kimmich (r.) mit Florian Wirtz beim Spiel gegen Paraguay

… verursachte aber hohe Kosten

Dieser Betrag war kurzfristig vom FIFA-Rat erhöht worden, nachdem mehrere europäische Verbände die Furcht geäußert hatten, bei der WM ein Zuschussgeschäft zu machen, wenn man nicht die letzten Runden erreicht.

Die Reisekosten in den USA sind hoch. Denn der deutsche Tross musste von Frankfurt am Main erst zum Testspiel gegen die USA nach Chicago und dann ins hochklassige Trainingscamp nach Winston-Salem in North Carolina gebracht werden. Die Flüge und Unterkünfte für die WM-Spiele in Houston, Toronto, New Jersey und Boston kommen dazu. Auf Funktionärsebene war eine relativ kleine Delegation unterwegs, an anderer Stelle wurden dagegen Kosten verursacht. En Beispiel: Zwei Rasenmäher flog der DFB in die USA und zurück.

Training der Nationalmannschaft in Winston-Salem/North-Carolina

Auch die Spieler kosten Geld: In Katar hätte es für einen Gruppensieg 50.000 Euro pro Spieler gegeben. Für das Turnier 2026 hatte der DFB keine konkreten Zahlen genannt, noch während des Turniers liefen die Verhandlungen zwischen Team und Verband. Hinzu kommen Steuern in den USA, und das kann kompliziert werden: Deutschland und die USA haben zwar ein Abkommen, das eine doppelte Besteuerung ausschließen soll, das muss aber nicht jede Steuer betreffen, die die einzelnen Bundesstaaten erheben.

Eine „seelische Rendite“ lieferte das Turnier nicht. Das Aus gegen Paraguay geht als ein peinliches Kapitel in die deutsche Fußballgeschichte ein.

DFB mit neuer Beinfreiheit dank Ausrüsterwechsel

Schwache Leistungen und teure Trainerwechsel drücken also die Bilanz, die jahrelang unter Druck stand. Gründe dafür waren beispielsweise die ausufernden Baukosten für die neue DFB-Zentrale und notwendige Rückstellungen für juristische Niederlagen, falls dem DFB tatsächlich für die Jahre 2006, 2014 und 2015 die steuervergünstigende Gemeinnützigkeit aberkannt werden sollte. Der Vorwurf: Steuerhinterziehung.

Ein Ausrüsterwechsel wird neues Geld bringen.

Das Licht am Ende des Tunnels: Die Eigenkapitalquote wurde in den vergangen Jahren erhöht, Verbindlichkeiten wegen der neuen Verbandszentrale im Vergleich zu 2022 von 72 Millionen auf 56 Millionen abgebaut. Dank eines Ausrüsterwechsels gibt es außerdem neuen Spielraum: Nach der WM wird der Sportartikelhersteller Nike die Trikots der deutschen Nationalmannschaft bereitstellen, die Zusammenarbeit mit Adidas endet. Bis 2034 soll das jährlich 100 Millionen Euro bringen, mit denen man viele Fehler korrigieren kann.

Weitere Sommer der Kategorie 2026 sollte sich der DFB trotzdem sowohl sportlich als auch finanziell sparen.