Kylian Mbappé reagierte kurz vor Schluss ein letztes Mal auf die einzig richtige Weise: mit einem Lächeln und dem Beleg seiner sportlichen Überlegenheit. 1:0 stand es für Frankreich kurz vor dem Ende des Achtelfinalspiels gegen Paraguay, dank eines verwandelten Elfmeters von Mbappé (70. Minute). Frankreichs Torjäger, der nun 19 Tore in ebensovielen WM-Spielen auf dem Konto hat, wurde von Juan Caceres an der Eckfahne gefoult. Den anschließenden Freistoß dribbelte der Kapitän der Equipe in Richtung der Grundlinie. Paraguays Matias Galarza tat in dieser Szene, was seine Mitspieler und vor allem er während der vorangehenden Spielzeit auch getan hatten – und setzte zur kraftvollen Grätsche an. Statt eines Ballgewinns oder eines Treffers am Knöchel Mbappés, was für Galarza wohl ein gleichbedeutender Erfolg gewesen wäre, beförderte der Verteidiger den Ball aber an die Eckfahne. Von dort aus ging der Ball ins Aus zur Ecke für Frankreich.
Der Frust bei Galarza saß tief in der Szene. Danach rempelte er Mbappé immer wieder an, schickte ihm noch sichtlich wenig freundliche Worte hinterher. Und Mbappé? Lächelte, lachte seinen Gegenspieler sogar aus. Kurz danach ertönte der Schlusspfiff, Frankreich steht nun im Viertelfinale – und das Spiel bei dieser Weltmeisterschaft, das mehr ein Boxkampf als ein Fußballspiel war, ist zu Ende. Die Fassungslosigkeit über das Geschehene entfaltete sich bei so manchem Beobachter aber erst nach Schlusspfiff.
Ex-Schiedsrichter Ittrich bei MagentaTV: „Schlechteste Schiedsrichter-Leistung dieser WM“
Der ehemalige Bundesliga-Schiri Patrick Ittrich, der als Experte bei MagentaTV im Einsatz war, sagte in der Spielanalyse, „das ganze Spiel über mit dem Kopf geschüttelt“ zu haben ob der Leistung des usbekischen Referees Ilgiz Tantashev. Dieser habe es fertiggebracht, trotz teilweise massiver Fouls der Südamerikaner keine einzige Gelbe Karte gegen einen Spieler Paraguays zu verhängen, dafür aber zwei Verwarnungen an Frankreich auszusprechen. Eine davon gegen Michael Olise resultierte daraus, dass Galarza diesen zuerst provozierte und danach theatralisch zu Boden ging, obwohl ihn der Bayern-Spieler nicht mal berührt hatte. Das Fazit Ittrichs: „Für mich war das die schlechteste Schiedsrichter-Leistung bei dieser WM.“
Moderator Jan Henkel sprach, sichtlich angefasst, von „widerlichem Fußball“ des Deutschland-Bezwingers Paraguay und führte exemplarisch die Belege dazu vor: Ein Ellbogenschlag gegen Dayot Upamecano, mehrere überharte Einsteigen, sogar ein Faustschlag von Galarza gegen Mbappé während eines Laufduells. Nichts davon wurde geahndet. Sogar beim Elfmeter erlaubte sich Galarza, der zu diesem Zeitpunkt eigentlich gar nicht mehr auf dem Platz hätte stehen dürfen, eine Unsportlichkeit, mit der er davonkam und beschädigte absichtlich den Elfmeterpunkt. Dass die Videoschiedsrichter oder der Assistent den Haupt-Referee nicht auf Szenen wie diese aufmerksam gemacht hätten, konnte auch Ittrich nicht verstehen.
Provokateur Galarza stellte einen unrühmlichen sportlichen Rekord der WM auf
Die Franzosen machten kein gutes Spiel, aber zeigten in dieser Partie eine andere Facette ihrer Klasse: Sie schafften es, sich nicht von Paraguay provozieren zu lassen. Mbappé sagte nach Spielende lapidar: „Wenn wir uns die Hände schmutzig machen müssen, dann machen wir uns die Hände schmutzig.“ Sein Dauergegenspieler Galarza stellte mit seinen letzten 90 WM-Minuten einen unrühmlichen Rekord auf: Insgesamt wurde er 16 Mal von seinen Gegenspielern im Dribbling ausgespielt, so oft wie kein anderer Profi bei diesem Turnier.