Auch der treueste Autobahntunnel-Fan gibt jetzt auf. „Ein A1-Tunnel wird nicht kommen“, sagt Leverkusens Bundestagsabgeordneter Karl Lauterbach. Er hatte früher zunächst einen langen A1-Tunnel befürwortet, dann eben zumindest die kleine Lösung. Die ist längst nicht mehr in Sicht, das hat Berlin klar gemacht. Auch unter dem neuen Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) – aus Rheinland-Pfalz, nicht aus Bayern wie viele seiner Vorgänger, denen man nachsagte, wenn’s um eine Autobahn in Bayern ginge, wäre der Tunnel längst genehmigt – hatte sich in Berlin das Fähnchen zugunsten einer Tunnellösung für Küppersteg nicht gedreht. Lauterbach sagt: „Es geht nun um Schadensbegrenzung. Wir brauchen keine Los-Angeles-ähnlichen Überflieger.“ Das haben viele Leverkusener mittlerweile offenbar längst begriffen, denn Anfragen im Wahlkreisbüro oder dem Büro Lauterbach in Berlin zum Thema Tunnellösung und generell Autobahnbau in Leverkusen seien deutlich zurückgegangen.

Zurückgehen, findet der SPD-Politiker, der seit 2005 ununterbrochen für Leverkusen im Bundestag sitzt, müsste die Autobahn GmbH auch bei den vorgesehenen Dimensionen für die Stelze und den oberirdischen Ausbau der A3. „Die Verkehrsplanung ist so, als würde der Autoverkehr zukünftig zunehmen. Dem ist nicht so“, sagt der Sozialdemokrat mit fester Stimme. Das liege vor allem daran, dass es eine Industrieproduktion, „wie wir sie von früher her kennen, längst nicht mehr gibt. Und die werden wir samt dem damit einhergehenden Gütertransport auch nie wieder so bekommen“, prognostiziert Lauterbach und fasst in einem klaren Satz zusammen: „Deutschland ist längst nicht mehr Exportweltmeister. Und das werden wir auch nicht mehr werden.“ Die Schwellenländer hätten aufgeholt. „Wir produzieren nicht mehr für die ganze Welt.“ Allein dadurch schrumpfe der Verkehr. Der Bundestagsabgeordnete findet ohnehin, dass mehr Schwerlastverkehr auf die Schiene gehört. „Wir transportieren wer weiß was alles über die Autobahn. Wir müssen mehr Güter wieder auf die Schiene bringen.“

Dazu komme auch ein verändertes Verhalten von Arbeitnehmern. Stichwort: viel Homeoffice. Wenn er – wie aktuell – von Berlin in den Wahlkreis Leverkusen – Köln IV fahre und so natürlich viel auf der Autobahn unterwegs sei, „stehe ich zwar noch im Stau, aber längst nicht mehr so viel wie vor ein paar Jahren“. Dementsprechend müsse die Autobahn GmbH ihre Planungen zurückfahren. „Wenn der Verkehr zurückgeht, muss sich das in der Mehrspurigkeit der A3 wiederfinden“, betont Karl Lauterbach. Und das gelte auch bei der neuen A1-Stelze im Bereich Küppersteg. Es dürfe nicht breiter gebaut werden als unbedingt notwendig. Und das Ganze müsse zügig geschehen, um Leverkusen nicht länger als unbedingt notwendig mit dem Bau zu belasten. Vor allem für die Nutzung der neuen Stelze, betont der Sozialdemokrat, müsse es guten Lärm- und guten Sichtschutz geben „und eine Tempobegrenzung in dem Bereich“.

Rein theoretisch, ergänzt der Bundespolitiker, müsste der aktuelle Verkehr neu bewertet werden, weil sich seit den ersten Planungen für den Ausbau in Leverkusen Grundlegendes geändert habe. „Mit diesen Zahlen müsste man dann arbeiten. Aber irgendwie sind die Würfel bereits gefallen. Jetzt bauen wir für einen Verkehr, den wir niemals haben werden.“