Johann braucht Zuspruch und Orientierung, die neun Jahre alte Sara aus Marzahn benötigt einiges mehr. Sie kam mit dem seltenen Gendefekt Glut1DS auf die Welt, deswegen wird ihr Gehirn nicht mit genug Energie versorgt [glut1.de]. Sara kann nur mit Unterstützung laufen und wenige Worte sprechen. „Saras Zwillingsbruder ist altersgerecht entwickelt. Uns war wichtig, dass beide auf dieselbe Schule gehen – wir haben nicht verstanden, warum das eine Kind dahin und das andere Kind woanders hin soll“, sagt die Mutter Maria Barthel. In einer bundesweiten Befragung von Eltern von Kindern mit Behinderung sprachen sich fast 82 Prozent für ein gemeinsames Lernen von Kindern mit und ohne Behinderung aus [institut-fuer-menschenrechte.de].

Sara und ihr Bruder gehen auf den Grünen Campus Malchow, eine Schule in Lichtenberg. Ihre Begleiterin hilft Sara zum Beispiel beim An- und Ausziehen, beim Essen, auf der Toilette – und unterstützt sie beim Training mit ihrem Talker, einer Art Tablet, das Symbole auf Tasten als hörbare Wörter ausgibt. „Es geht weniger um Noten, sondern darum, in einer Welt klarzukommen, die nicht nur aus Menschen mit Behinderung und geschultem Personal besteht“, sagt Saras Mutter.

Das Schulamt bewilligte Sara aus dem verfügbaren Pool erstmal nur vier von gut 42 nötigen Wochenstunden – den Rest musste die Familie zusätzlich beim Jugendamt beantragen. „Bei Kindern wie Sara, bei denen klar ist, dass sich der Zustand nicht ändern wird, ist es absurd, dass ich jedes Jahr wieder einen neuen Antrag stellen muss. Sie wird die nächsten zehn Jahre zur Schule gehen, weil sie schulpflichtig ist“, sagt Maria Barthel.