„Wenn der ganze Spuk vorbei ist, gründen wir eine Waldorfschule“, da war sich schon 1943 mitten im 2. Weltkrieg eine Gruppe von Wuppertaler Bürgerinnen und Bürgern bei ihren geheimen Treffen (die Anthroposophie war den Nazi-Herrschern suspekt und verboten) einig. Doch Gymnasiallehrer Wilhelm Rauthe, Zahnarzt Fritz Hinnenberg, Barbara Esch, die Inhaberin eines Hutsalons, und etliche Pädagoginnen und Pädagogen mussten bis 1946 warten, ehe sie ihr Vorhaben in die Tat umsetzen konnten und am 1. Juni 1946 die Rudolf-Steiner-Schule, eine der ersten Waldorf-Schulen in Deutschland, gründeten.
An der wurden an der Haderslebener Straße ab 17. Juni 1946 72 Kinder im Schichtmodell abwechselnd vormittags und nachmittags unterrichtet. Ein Modell der Ganzheitsmethode mit Wachstumspotenzial, denn im September desselben Jahres waren es schon 200 Schülerinnen und Schüler, deren Eltern bereit waren, die damals 35 D-Mark Schulgeld zu bezahlen. Schon 1950 waren es fünf Absolventen der neuen, so völlig anderen Schule, die die Abiturprüfung bestanden und studieren durften.
Dinge, an die man sich vornehmlich am vergangenen Samstag auf anschaulichen großen Schauwänden erinnerte. Das stattliche Jubiläum wurde auf vielfältige Weise auf dem großzügigen Schulgelände an der Schluchtstraße gefeiert, wo das Lehrinstitut seit 1974 residiert. Und mit ihm ein in Wuppertal praktiziertes Schulmodell, beruhend auf der Lehre des Anthroposophen Rudolf Steiner, dem Begründer der Waldorf-Pädagogik, nach der die Schülerinnen und Schüler handwerklich, künstlerisch und forschend tätig werden.
Hierbei gibt es die Besonderheit, dass die Kinder bis zum jungen Erwachsenenalter vom selben Lehrer unterrichtet und begleitet werden. „Dadurch entsteht ein besonderes Vertrauensverhältnis“, heißt es in der Begründung. „Die Art, wie jedes Kind die Vielfalt des Unterrichts aufgreift und daran wächst, wird von den Lehrern begleitet und im Unterricht gefördert.“
Ein Forst-Praktikum und eines auf einem Bauernhof
Dass daraus auch eine Verbundenheit resultiert, wurde auch dadurch klar, dass diverse „Ehemalige“ gern an der Jubelfeier teilnahmen. Dazu gehörten Klaus Georg Becher und Bernhard Heck, die nach ihrer Schulzeit und dem folgenden Studium auch als Lehrer an ihrer Schule tätig waren.
Engagierte Lehrerinnen und Lehrer waren immer wieder bemüht, auf den Prinzipien der Waldorf-Pädagogik weiterführende Ideen zu entwickeln, und so die Schülerinnen und Schüler mit der Realität, vor allem draußen in der Natur, vertraut zu machen und bei der Persönlichkeitsbildung zu helfen. Das geschieht unter anderem durch ein Forst-Praktikum für Kinder der siebten Klasse und durch das Landwirtschaftspraktikum auf einem Demeter-Hof, wo die Stadtkinder in den bäuerlichen Alltag eingebunden werden. „Die Kinder kommen nach dem Kennenlernen der Wirklichkeit auf dem Bauernhof völlig verändert und gereift zurück“, so Christof Wand, Vater einer Schülerin der Rudolf-Steiner-Schule.
Ein Schulfest, ein Sommerfest und die Präsentation einiger Dinge, die in der Schule zum Alltag gehören. So wie der Zirkus Krümel, der am Samstag auf den Schulhof gastierte und vor den Augen der zum Grußwort gekommenen Oberbürgermeisterin Miriam Scherff imponierend Bodenakrobatik zeigte. Später turnten die Schülerinnen noch auf und an aufgebauten Leitergerüsten und zeigten damit, dass auch der Sport bei der Waldorfschule den Platz hat, der ihm gebührt. Begleitet wurden die gekonnten turnerischen Bewegungen musikalisch und klangvoll durch Streicherinnen und Streicher aus dem Schulorchester.
Die Oberbürgermeisterin war zusammen mit dem Stadtverordneten Till Sörensen (Die Linke) zur Jubiläumsfeier gekommen und war voller Respekt für die Philosophie der Schule, die Lernen ohne Leistungsdruck praktiziert und die ganzheitliche Entwicklung und Naturverbundenheit im Auge hat: „Seit 80 Jahren bereichert die Rudolf-Steiner-Schule die Wuppertaler Bildungslandschaft.“