Was passiert, wenn plötzlich der Strom ausfällt und das gleich großflächig? Genau dieses Szenario haben die Ortsverbände des Technischen Hilfswerks (THW) aus Neuss und Grevenbroich unter realistischen Bedingungen geprobt. Über das gesamte Wochenende hinweg waren hunderte ehrenamtliche Helfer im Einsatz. Im Mittelpunkt stand die Vorbereitung auf einen großflächigen Stromausfall. Die Einsatzkräfte arbeiteten dabei unter möglichst realitätsnahen Bedingungen. Schon am Freitagabend begann die Übung. Innerhalb kurzer Zeit errichteten die Helfer ein Feldlager als zentrale Basis. Von dort aus wurden die einzelnen Einsatzabschnitte koordiniert. „Wir werden im Ernstfall auf Anforderung tätig, da muss jeder Handgriff sitzen“, berichtet der Pressesprecher der THW Neuss Jan Sperling.

Ein Schwerpunkt lag auf der Sicherstellung kritischer Infrastruktur. So wurde unter anderem eine Netzersatzanlage aufgebaut und in eine Ortsnetzstation eingespeist. Unterstützt wurde das THW dabei von der Westnetz GmbH, die ein geeignetes Übungsgelände zur Verfügung stellte und die Maßnahmen fachlich begleitete. Parallel dazu arbeiteten weitere Einheiten an unterschiedlichen Szenarien. An einer Wassergewinnungsanlage wurde die Notversorgung aufgebaut. Ziel war es, die Trinkwasserversorgung auch im Notfall sicherzustellen. Mehrere Stunden lief die Anlage autark, ein realistisches Szenario für den Ernstfall. Auch die Versorgung mit Lebensmitteln spielte eine Rolle. Ein Großhandelsbetrieb auf der Hardt in Willich wurde gesichert, um Lieferketten aufrechtzuerhalten. Die Bergungsgruppe errichtete dafür spezielle Abstützungen. Gleichzeitig überwachten Einsatzkräfte die Gewässer im Kreisgebiet. Mobile Hochwasserpegel sorgten dafür, dass Wasserstände auch ohne Strom gemessen werden konnten. Besonders gefordert waren die Helfer durch kurzfristige Zusatzaufgaben. Diese wurden bewusst während der Übung eingespielt, denn genau das entspricht der Realität. „Im Einsatz weiß man nie, was als Nächstes kommt. Deshalb trainieren wir auch spontane Entscheidungen“, so Sperling.

Doch neben Technik und Abläufen geht es dem THW um noch etwas anderes. Eine klare Botschaft an die Bevölkerung. „Die Bürger müssen ihre eigene Resilienz wieder stärken“, betont Sperling. Das bedeutet: Vorsorge treffen, sich informieren, vorbereitet sein, denn im Ernstfall stoßen auch Einsatzkräfte an Grenzen. „Jeder, der sich im Notfall selbst helfen kann, entlastet uns und das ist extrem wichtig“, so Sperling weiter. Das Ziel sei nicht, alles alleine zu schaffen, aber grundlegende Vorbereitung könne entscheidend sein. Ob Notvorräte, Taschenlampen oder ein Plan für den Ernstfall. „Wenn weniger Menschen akut Hilfe brauchen, können wir uns auf die wirklich kritischen Fälle konzentrieren.“

Die Ortsverbände bestehen hauptsächlich aus Ehrenamtlichen. Mitmachen kann grundsätzlich jeder ab 17 Jahren. Viele engagieren sich über Jahre hinweg. „Das THW lebt vom Ehrenamt. Wer sich engagieren möchte, findet alle Informationen dazu auf unserer Webseite. Wir freuen uns über jeden Neuzugang“, so Sperling. Neben den Übungen engagiert sich das THW auch in der Aufklärung. So sind Vorträge geplant, etwa bei der Volkshochschule. Thema: „Was tun im Katastrophenfall?“ Denn nicht nur die Einsatzkräfte müssen vorbereitet sein. Auch die Bevölkerung spielt eine entscheidende Rolle. Die Übung im Rhein-Kreis Neuss zeigte eindrucksvoll, wie komplex solche Lagen sein können und wie wichtig Zusammenarbeit auch über Ortsgrenzen hinaus ist. Das THW arbeitet bundesweit nach einheitlichen Strukturen. „Egal wo man eingesetzt wird, die Abläufe sind überall gleich“, erklärt Sperling. Unterstützt wurde die Übung von mehreren Partnern aus der Region. Nach dem Wochenende fiel die Bilanz positiv aus.

Alle Szenarien konnten erfolgreich abgearbeitet werden. Am Sonntag stand schließlich der Rückbau an. Danach wurde die Einsatzbereitschaft wiederhergestellt.