Am 5. Juli 1951 explodierte das Ausflugsschiff „Heimatland“ auf der Spree. Bei dem Unglück starben 30 Menschen, darunter 28 Kinder. Es war der schwerste Unfall der Berliner Fahrgastschifffahrt und der schwerste bekannte Unfall der Binnenschifffahrt der DDR.

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Die „Heimatland“ sollte an diesem Tag im Rahmen der staatlich organisierten Ferienspiele Kinder aus Prenzlauer Berg nach Hessenwinkel bringen. An Bord waren 127 Kinder und ihre Betreuer. Die Fahrt begann im Hafenbereich von Alt-Treptow.

DDR-Unglück: Ein altes Schiff mit Vorgeschichte

Die spätere „Heimatland“ war 1905 auf der Berliner Werft Larsen & Hanne gebaut worden. Das Schiff war 17 Meter lang und für 130 Fahrgäste zugelassen. 1948 wurde es auf der Teltow-Werft neu aufgebaut und trug seitdem seinen letzten Namen.

Wegen Problemen mit dem bisherigen Antrieb wurde 1951 der Motor ausgetauscht. An die Stelle des Dieselmotors trat ein Ottomotor. Später stellte sich heraus, dass dieser Motor alt war und ohne behördliche Genehmigung eingebaut worden war.

Am 12.Juli 1951 fand auf dem Zentralfriedhof in Friedrichsfelde die Trauerfeier für die Opfer des Treptower Schiffsunglücks unter großer Anteilnahme der Berliner Bevölkerung statt.Bild vergrößern

Am 12.Juli 1951 fand auf dem Zentralfriedhof in Friedrichsfelde die Trauerfeier für die Opfer des Treptower Schiffsunglücks unter großer Anteilnahme der Berliner Bevölkerung statt. (Foto: Bundesarchiv)

DDR-Unglück in Berlin: Explosion nach wenigen Minuten

Am Morgen des 5. Juli legte die „Heimatland“ mit den Kindern und ihren Begleitpersonen ab. Nach kurzer Strecke, noch im Hafenbereich, kam es zu einer Stichflamme und zur Explosion. Die spätere Untersuchung nannte einen Vergaserdefekt am Benzinmotor als Ursache.

Das Feuer breitete sich schnell aus. Besonders betroffen waren die Kinder im Unterdeck. Viele von ihnen konnten nicht schwimmen. Nach DDR-Angaben starben 28 Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren sowie zwei Mütter, die als Betreuerinnen an Bord waren.

Unterschiedliche Angaben zu Opfern nach DDR-Unglück auf der Spree in Berlin

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Die offizielle Zahl der Todesopfer lag bei 30. In West-Berlin wurden damals teils höhere Zahlen genannt, bis zu 49. Der Berliner Verkehrshistoriker Tristan Micke hielt diese Angabe später für möglich.

Am Gemeinschaftsgrab auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde sind 30 Opfer namentlich genannt. Spätere Recherchen verweisen darauf, dass nicht alle Toten dort beerdigt wurden. Weitere Opfer wurden auf anderen Berliner Friedhöfen bestattet.

Rettung durch Helfer vor Ort

Zu den ersten Helfern gehörte Bernhard Langwaldt, der das Fahrgastschiff „Elfriede“ steuerte. Er brachte sein Schiff an die brennende „Heimatland“ heran und nahm zusammen mit seinem Bootsmann zahlreiche Kinder auf. Auch Arbeiter von der Baustelle der neuen Stralauer Brücke sowie weitere Freiwillige beteiligten sich an der Rettung.

Später wurde Langwaldts Einsatz besonders gewürdigt. Ihm und seinem Bootsmann wird zugeschrieben, etwa 80 Kinder gerettet zu haben. Noch am Unglücksort wurde Langwaldt jedoch von der Volkspolizei festgenommen. Nach seiner eigenen Aussage hielt man ihn zunächst für den Kapitän des verunglückten Schiffs. Er wurde später wieder freigelassen.

Rettung war politisch zwischen DDR und der BRD umkämpft

Die Rettung wurde danach in Ost und West unterschiedlich dargestellt. Die DDR erklärte, Bereitschaftspolizei, Feuerwehr und Wasserschutzpolizei hätten sofort eingegriffen. Die „Berliner Zeitung“ schrieb, Rettungswagen hätten Umwege fahren müssen, weil sie den amerikanischen Sektor nicht hätten durchfahren dürfen. Außerdem berichtete das Blatt, West-Berliner Kliniken hätten Brandopfer abgewiesen, weil diese nicht westversichert gewesen seien.

West-Berliner Zeitungen schilderten den Ablauf anders. Der „Tagesspiegel“ berichtete von Verzögerungen und davon, dass Hilfe aus dem Westen nicht angenommen worden sei. Zeitzeugen-Aussagen und spätere Recherchen stützen, dass angebotene Hilfe aus dem Westen abgelehnt wurde und die nähere West-Berliner Feuerwache nicht zum Einsatz kam.

DDR-Unglück auf der Spree: Die Ursache war der Motor

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Die offizielle Untersuchung kam zu dem Ergebnis, dass der Schiffseigner und Kapitän Erich Weise den Dieselmotor ohne behördliche Genehmigung gegen einen alten Benzinmotor hatte austauschen lassen. Der Einbau war fehlerhaft, eine technische Abnahme vor der ersten Fahrt erfolgte nicht.

Den Einbau hatte der Autoschlosser Walter Krüger vorgenommen. Nach den Ermittlungen führte ein Vergaserdefekt zu dem Brand, der die Explosion auslöste. In Berichten ist außerdem von einem 400-Liter-Tank die Rede, dessen brennender Inhalt sich nach der Explosion über das Schiffsinnere ergoss.

DDR-Unglück in Berlin: Fragen zur Rolle der DSU

Nicht abschließend geklärt ist die Rolle der Deutschen Schiffs- und Umschlagbetriebe, kurz DSU. Erich Weise fuhr mit der „Heimatland“ in ihrem Auftrag. Spätere Recherchen, unter anderem von Karin und Till Ludwig, verweisen darauf, dass Weise zunächst versucht habe, einen Ersatzdieselmotor zu beschaffen.

Als dies nicht gelang, soll der Einbau des Ottomotors mit Billigung der DSU erfolgt sein. Vertreter der DSU hätten die Arbeiten mehrfach kontrolliert. Nach dem Umbau sei Weise sofort für den nächsten Tag zur Fahrt eingeteilt worden. Für eine technische Abnahme habe damit keine Zeit mehr bestanden.

Urteile nach dem DDR-Unglück in Berlin

Erich Weise wurde vom Landgericht Berlin-Mitte wegen vorsätzlicher Transportgefährdung in einem besonders schweren Fall zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. Walter Krüger erhielt eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren.

Weise kam 1955 im Rahmen einer Amnestie frei. Danach siedelte er mit seiner Familie nach West-Berlin über und arbeitete dort wieder als Binnenschiffer.

Gedenken an die Verunglückten

Die zentrale Grab- und Gedenkanlage befindet sich auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde. Ihre Form erinnert an den Grundriss eines Schiffs. Auf drei Bronzetafeln stehen die Namen und Geburtsdaten von 15 Mädchen, 13 Jungen und zwei Frauen.

Die Gedenkanlage auf dem Zentralfriedhof in Friedrichsfelde, Berlin.Bild vergrößernDie Gedenkanlage auf dem Zentralfriedhof in Friedrichsfelde, Berlin. (Foto: imago/Schöning)

1994 wurden die verwitterten Tafeln erneuert. 2011 kamen eine zusätzliche Informationstafel und restaurierte Grabsteine hinzu.

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Erinnerung am früheren Unglücksort

Am Treptower Hafen wurde am 5. Juli 2005 ein Gedenkstein für die Opfer enthüllt. 2008 kam dort eine Tafel hinzu, die den Einsatz von Bernhard Langwaldt hervorhebt.

Seit 2016 trägt zudem ein Parkweg am S-Bahnhof Treptower Park den Namen Bernhard-Langwaldt-Weg. Damit erinnert heute nicht nur die Grabanlage, sondern auch der frühere Unglücksort an die Ereignisse vom 5. Juli 1951.