Segeln

Stand: 06.07.2026 09:39 Uhr

Boris Herrmanns neue Superyacht ist in Lorient vom Stapel gelaufen. Mit der Malizia 4 will der Hamburger das Ocean Race gewinnen und bei der Vendée Globe 2028 um den Sieg mitsegeln. Der Bau des neuen Bootes hat zwei Jahre gedauert und es stand vor allem ein Aspekt im Mittelpunkt: schneller sein!

von Matthias Heidrich

Dritter und Vierter beim Ocean Race World 2023 und Ocean Race Europe 2025, ein bittersüßer fünfter Platz bei der Vendée Globe 2020/21 nach dem Crash kurz vor dem Ziel und ein unterm Strich enttäuschender zwölfter Rang bei der Solo-Weltumseglung 2024/25: Mit dem Platz ganz oben auf dem Podium klappte es für das ambitionierte Malizia-Team von Skipper Boris Herrmann in den vergangenen Jahren nicht.

Mit der Malizia 4 soll sich das ändern. Seit 2023 arbeiten der Hamburger und sein Team an der neuen Kampagne – unter der Überschrift: „An Imoca designed to win“. Gebaut, um zu gewinnen! Forsche Ansagen hört die Segel-Welt eher selten vom überlegten Weltumsegler. Doch beim Millionen-Projekt Malizia 4 ist das anders.

Skipper Boris Herrmann vor der neuen "Malizia 4"

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Nach zwei Jahren Bauzeit ist die „Malizia 4“ von Weltumsegler Boris Herrmann in Lorient vom Stapel gelaufen. Mit der neuen Superyacht will der Hamburger das Ocean Race gewinnen.

Herrmann will das Ocean Race World gewinnen

„Mein Ziel ist es, mit diesem Boot das Ocean Race zu gewinnen und eine großartige Vendée Globe zu segeln“, sagt der 45-Jährige. Die Crew-Regatta rund um den Globus startet am 17. Januar 2027 im spanischen Alicante. Gegen ein Plätzchen ganz oben auf dem Treppchen beim Ocean Race Atlantic von New York nach Lorient, das die Malizia als ersten Härtestest Anfang September in Angriff nimmt, hätte der Hamburger natürlich nichts einzuwenden.

Was es dafür vor allem braucht? Geschwindigkeit! „Das Boot muss einfach das schnellste sein, das ist das Wichtigste“, erklärt der Malizia-Skipper. Klingt simpel, ist es im Hightech-Sport Offshore-Segeln aber nicht – schon gar nicht in der Königsklasse Imoca.

„Das Boot muss einfach das schnellste sein, das ist das Wichtigste.“

Boris Herrmann über die Malizia 4

„Es entwickelt sich auf allen technologischen Ebenen extrem schnell weiter, es wird immer mehr zu einer Art Formel 1 der Meere“, so Herrmann. „Die Entwicklung der Geschwindigkeit der letzten zehn Jahre ist wie die beim Auto in den letzten 100.“

Dabei geht es im Schnitt um 0,1 oder 0,2 Knoten mehr Tempo unter allen Bedingungen. Bei einer Atlantik-Übequerung oder gar einem Rennen rund um den Globus eine Welt. „Es gibt nichts Frustrierenderes, als da draußen sagen zu müssen: Gut, die anderen sind jetzt einfach einen halben Knoten schneller“, sagt Herrmann. „Wenn das zwei Tage so geht, dann sind die 100 Meilen weg und in einem anderen Wettersystem. Dann kann ich mich noch so sehr anstrengen.“

Die neue Malizia 4 von Skipper Boris Herrmann im Bau

Die neue Malizia 4 von Boris Herrmann hat eine schlankere Rumpfform als zuvor.

Bei den vergangenen Regatten war es immer wieder so gekommen und die Malizia – Seaexplorer hinterhergesegelt. Bei extremen Bedingungen war die bullig gebaute Malizia 3 sehr schnell, bei leichten und mittleren Winden aber schwerfällig. Der Hauptgrund, warum die Malizia 4 von Herrmann schnittiger daherkommen wird.

„Wir haben eine sehr spitze, schlanke Rumpfform, bei der ich hoffe, dass das Boot gut durch die See geht. Durch die Form sorgen wir für weniger Widerstand im Wasser.“ Mit dem veränderten Design soll auch das „unangenehme Abstoppen oder Aufschlagen auf den Wellen“ ein Ende haben.

Das Ziel: Früher losfoilen

„Das Ziel ist, dass man schon früher losfoilen kann, als man das mit der Malizia 3 könnte, auch bei leichteren und mittleren Winden“, so Herrmann. Foilen gleich Geschwindigkeit, so geht die Rechnung bei den Imocas. Wer nicht oft und lange auf den beiden am Rumpf angebrachten Flügeln regelrecht über das Wasser fliegt, hat keine Chance auf vordere Platzierungen. „Ohne Foils gewinnst du keine Punkte, sondern bringst nur das Boot nach Hause“, unterstreicht Herrmann.

Ruyants Imoca liefert einen Vorgeschmack

Thomas Ruyants neue Imoca, die bereits das Licht der Welt in Lorient erblickt hat, verrät schon viel darüber, wie Herrmanns neue Malizia aussehen wird. Es ist das erste Boot einer neuen Generation, die gemeinsam von den Teams TR Racing, Banque Populaire mit Skipper Loïs Berrehar und dem Team Malizia entwickelt wurde, quasi baugleiche Schwesterschiffe.

Wie bei Ruyants Imoca bereits zu erkennen ist, wird auch bei der Malizia 4 das Cockpit weitaus kleiner ausfallen als zuvor. Es bietet in seiner stromlinienförmigen Bauweise nur etwa ein Viertel von dem Platz, was die Malizia 3 hergab. Eine große Umstellung, vor allem im Crew-Modus. Herrmann zum Beispiel wird im Cockpit nicht mehr aufrecht stehen können.

Möglich ist das aber in den beiden neuen, seitlich positionierten Steuerständen mit Steuerrrad. Dort steht der Skipper bis zur Brust geschützt drin und steuert mit Blick in Fahrtrichtung. „Hoffentlich auch länger, weil es körperlich angenehmer ist als schräg mit einer Pinne“, so Herrmann.

Das Cockpit der neuen Malizia 4 von Skipper Boris Herrmann im Bau

Das Cockpit des Neubaus fällt weitaus kleiner aus.

Der Autopilot übernimmt viel für die Segler, doch die Erfahrung aus den vergangenen Rennen hat gezeigt, dass die Steuerung von Hand vor allem beim Foilen immens wichtig ist, um mit den Hochgeschwindigkeitsbooten sauber und schnell durch die Wellen zu kommen. Größere Ruder bei der neuen Imoca-Generation tragen diesem Gedanken ebenfalls Rechnung.

Gewichtseinsparung bei den Segeln

Schnittigere Konstruktionen zielen darauf ab, den Wasser- und Windwiderstand zu reduzieren, die zweite große Baustelle für ein schnelleres Boot ist das Gewicht. Ein kleineres Cockpit zahlt darauf ein, aber auch Nuancen wie die Lackierung mit lediglich rund 50 Kilogramm Farbe haben in der Summe einen entscheidenden Effekt.

Auch bei der Segelgarderobe geht das Team Malizia radikal vor und nur noch mit sieben anstatt acht Segeln ins Rennen. Sie wiegen zwischen 60 und 80 Kilogramm, wo zuvor die Großsegel mit über 100 Kilogramm zu Buche schlugen.

Ocean Race Atlantic startet am 1. September

Die Zeit zum Testen und Trainieren auf dem Wasser wird für Herrmann und seine Crew indes knapp, denn schon am 1. September fällt vor New York der Startschuss zum Ocean Race Atlantic (Bootsparade und Leinen los im Livestream bei NDR.de). Die rund einwöchige Hatz über den großen Teich nach Lorient wird somit vor allem zum „Testlauf unter Rennbedingungen“.

Herrmann bei Route du Rhum dabei

Anschließend stellt der gebürtige Oldenburger auf Solo-Bedingungen um und segelt mit seinem neuen Boot bei der legendären Route du Rhum mit. Die Einhand-Regatta startet am 1. November im französischen Saint-Malo und endet nach rund 3.500 Seemeilen (rund 6.500 Kilometer) in Pointe-à-Pitre auf Guadeloupe – ein erster Testlauf für die Vendée Globe 2028.

Skipper Boris Herrmann vor der neuen "Malizia 4"

Solo-Segelregatta über den Atlantik

Das legendäre Einhand-Transatlantikrennen startet am 1. November im französischen Saint-Malo und endet nach rund 6.500 Kilometern in Guadeloupe.

„Sieht aus wie eine echte Rennmaschine“

Bevor die größte Herausforderung des Offshore-Segelsports zum dritten Mal auf den sechsmalige Weltumsegler wartet, geht es allerdings zurück in den Crew-Modus für das Ocean Race World im kommenden Jahr. Ob die schnittigere – oder wie es Herrmann formuliert – „sportlichere“ Malizia 4 der große Wurf ist, wird sich spätestens dann erweisen.

„Sie sieht schneller aus, wie eine echte Rennmaschine“, sagt Co-Skipper Will Harris. Ab Montag nach dem Stapellauf sollen sich ihre Fähigkeiten nun auch im Wasser zeigen.

Boris Herrmann auf der Malizia - Seaexplorer

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Mit Cole Brauer, Justine Mettraux und Julien Villion geht der Hamburger Weltumsegler mit seiner neuen Malizia den ersten Härtestest im September an.

Segler Boris Herrmann im Hamburger Rathaus

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Seine Themen sind der Ozean und der Klimawandel. Der Wahl-Hamburger hat als Meeresbotschafter in diesem Jahr auf den ganz großen Bühnen gestanden.

Charlie Dalin

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Der Franzose hat den Kampf gegen den Krebs verloren. Im vergangenen Jahr hatte er die Weltumseglung Vendée Globe gewonnen.