Es ist immer wieder interessant, wie junge Leute die Welt wahrnehmen. Sie sind es schließlich, die die Zukunft gestalten werden. Das dachten sich wohl auch die Galeristen Günter Hesse, dessen Frau Isolde, und Günter Hornung, die seit 2020 ihre „Galerie für Gegenwartskunst“ in Bad Dürkheim betreiben. In Kooperation mit dem Institut für Kunstwissenschaft und Bildende Kunst in Landau sowie der dort lehrenden Professorin Tina Stolt haben sie nun den „Art2-go Award“ ins Leben gerufen. Er ist mit 1000 Euro dotiert und wird von Sponsoren finanziert.
Bilder zum Wohlfühlen
37 aktuelle, für den Preis nominierte Kunstwerke – 30 Bilder und sieben Skulpturen von 38 Künstlerinnen und Künstlern – sind nun in der Galerie zu sehen. Die Galeristen stellen die Räume kostenlos zur Verfügung, um Studierenden die Möglichkeit zu geben, erste Erfahrungen mit einem professionellen Ausstellungs- und Verkaufsumfeld zu sammeln. Die Kriterien des Kunstmarktes seien andere als die der Universität, sagen Hesse und Hornung. Ein Käufer wolle sich in der Regel mit den Bildern, die er erwirbt, wohlfühlen, so die Galeristen.
Ein Rundgang zeigt: Die Bilder der Landauer Studierenden können sich sehen lassen; das Thema „Gegenwart“ wird vielseitig interpretiert. Das Bild „Taucher“ von Jakob Okunik zeigt etwa den Moment des Abtauchens: Im blauen Wasser erkennt man gerade noch, wie der Körper untertaucht. Hidayet Peynir fängt mit einem Selbstporträt, für das sie den dritten Preis erhalten hat, einen Augenblick der Freude ein – keine laut herausgeschriene, sondern ein kurzes Lächeln, wenn man gerade eine positive Nachricht erhalten hat und dabei unbewusst die Mundwinkel nach oben zieht. Auf dem Bild von Zeinab Hodeib sitzt ein Vogel auf dem Finger eines Mädchens. „Bleib doch noch, Herr Distelfink“ ist der Titel des Gemäldes, das diesen fragilen Moment festhält. Es erinnert in Stil und Farbgestaltung an Pablo Picassos „Kind mit einer Taube“ von 1901.
Emilia Baders »… fürs Gedankenkarussell« (Ausschnitt), Mixed Media auf LeinwandFoto: Art Gallery / Cosima Schade
Den „Augen-Blick“, wenn sich in einer Menschenmenge Blicke treffen, hält Lena Dietze fest: Ein älterer Mann sitzt in einer Kunstausstellung auf einer Bank. Er blickt in Richtung der Betrachtenden; durch die Lichtführung ist sein Gesicht hell erleuchtet, während die anderen Menschen nur schemenhaft vorbeilaufen. „Rückblick“ lautet der Titel. Emilia Bader verbildlicht in „Gedankenkarussell“ das Gefühl, wenn sich Gedanken immer im Kreis drehen. Auch stilistisch ist ihr Werk interessant: Es erinnert an die Zeichnungen einer Graphic Novel. Neben Acryl nutzt sie Kreide und Pastellkreide. Sie hat am Freitag den Hauptpreis gewonnen; der zweite ging an Carolin Durmann, der Sonderpreis Skulptur an Lena Gräber.
Lena Dietzes »Der Blick zurück«, Acryl auf Leinwand, fängt einen flüchtigen Moment ein (Ausschnitt).Fotos: Art Gallery
Andere gehen das Thema sozialkritischer an: Caroline Baeck malt ein modernes Stillleben mit unter anderem einem Labubu, einem grinsenden Plüschtier aus China mit „hässlich-süßem“ Design, das gerade sehr angesagt ist, sowie einem Smartphone, auf dessen Display das ChatGPT-Logo zu sehen ist. „Stillleben mit weniger Stille im Leben“ ist der ironische Titel. Auf einem Gemälde von Julia Redinger, das stilistisch an die Neue Sachlichkeit erinnert, sieht man ein trauriges Kind, das einen großen Tausendfüßler auf dem Schoß wie einen Teddybären hält. Es trägt den Titel „I lost my best friend“ und klagt Insektensterben und Speziesismus an: Warum hat man zu Insekten oder anderen Gliederfüßern nicht denselben Bezug wie zu einem Säugetier? Elena Redslob reflektiert die Frauenrolle mit einem Selbstbildnis, auf dem sie barbusig und breitbeinig auf einer Bank sitzt. Männer sitzen oft so – bei Frauen gilt das als unschicklich, als „öffentliches Ärgernis“. So lautet auch der Titel.
Bei Männern normal, bei Frauen unschicklich Elena Redslobs »Öffentliches Ärgernis« (Ausschnitt), Acryl auf Holz.Foto: Art Gallery
Die Skulpturen sind abstrakter; sie experimentieren mit Formen und Materialien. Konkreter hält es Vincent Koch: Aus Plastikabfällen hat er einen Zierfisch und blaue Wasserpflanzen gestaltet. Er nennt das Werk „Falterfisch mit Habitat“. Vielleicht bezieht es sich auf Plastikmüll in den Weltmeeren.
Besetzt war die Jury mit Tina Stolt und Rainer Steve Kaufmann (Universität Landau), Henning Bauer (Kunstverein Bad Dürkheim) sowie Susanne Edinger und Georg Khutan.
Die Ausstellung
„Art2-go“ ist bis 25. Juli in der Art Gallery am Stadtplatz in Bad Dürkheim zu sehen: Do/Fr 14-18.30 Uhr, Sa 10-16 Uhr und nach Vereinbarung unter Telefon 06322 6054618.