
Luftalarm im ganzen Land, Explosionen in Kiew: Russland hat die Ukraine in der Nacht erneut attackiert – und das kurz vor einem NATO-Gipfel in der Türkei. Den Behörden zufolge gibt es mindestens zwölf Tote.
Am Vortag des NATO-Gipfels in der Türkei hat Russland die nächste schwere Angriffswelle auf ukrainische Städte gestartet. Kurz nach Mitternacht löste die Flugabwehr in fast allen Regionen der Ukraine Luftalarm aus, aus Kiew wurden heftige Explosionen gemeldet.
Die ukrainische Luftwaffe erklärte, Moskau habe in der Nacht 351 Drohnen und 68 Raketen eingesetzt. 29 ballistische Raketen hätten ihre Ziele getroffen. Im Zentrum der Angriffe habe die Hauptstadt Kiew gestanden.
Behörden und Medien berichteten über zahlreiche Einschläge in der Hauptstadt und ihren Vororten. Mehrere Gebäude wurden demnach beschädigt, mindestens zwölf Menschen getötet und 60 verletzt. Tausende seien vor den Angriffen in U-Bahn-Stationen geflohen, berichtete das Nachrichtenportal The Kyiv Independent.
In Kiew wurden den Berichten zufolge Wohngebäude in mehreren Stadtteilen getroffen. Ein Plattenbau stürzte teilweise ein, in der Mitte des Wohnblocks klaffte ein riesiges Loch. Unter den Trümmern werden verschüttete Menschen befürchtet.
„Das entspricht ganz Putins Art“
Staatschef Wolodymyr Selenskyj hatte am Abend in einer Videobotschaft davor gewarnt, dass Russlands Präsident Wladimir Putin noch vor dem Beginn des NATO-Gipfels in der Türkei eine weitere Welle Luftangriffe befehlen dürfte. Dabei berief er sich auf Informationen des ukrainischen Geheimdienstes.
„Das entspricht ganz Putins Art – unmittelbar nach dem amerikanischen Unabhängigkeitstag (am 4. Juli) und vor dem NATO-Gipfel in Ankara (am 6. Juli)“ wolle er „noch mehr Unheil anrichten und Menschen töten“, sagte Selenskyj. Offenbar setzten die Angreifer dann in der Nacht neben zahlreichen Drohnen auch Dutzende Marschflugkörper und Raketen ein.
Blick auf den kommenden NATO-Gipfel
In seiner Videobotschaft appellierte Selenskyj an die Partner der Ukraine, den Abwehrkampf seines Landes entschlossener zu unterstützen. „Jede Verzögerung bei der Lieferung von Raketen für unsere Flugabwehr und für die ‚Patriot‘-Systeme kostet Menschenleben und ermutigt Russland, den Krieg fortzusetzen“, sagte er.
Auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen rief zu weiterer Unterstützung für die Ukraine auf. „Die Ukraine braucht dringend mehr Luftverteidigung“, erklärte sie im Onlinedienst X. Außerdem müsse der Druck auf Moskau steigen, „bis Russland das Blutbad beendet.“
Auch ukrainische Angriffe in Russland gemeldet
Auch die Ukraine griff wieder Ziele in Russland an. Bei einem ukrainischen Drohnenangriff in der russischen Region Jaroslawl sollen zwei Menschen verletzt worden sein. Der Gouverneur der Region, Michail Jewrajew, teilte mit, mehr als 70 ukrainische Drohnen seien bei dem Angriff auf die gleichnamige Regionalhauptstadt abgeschossen worden.
Das unabhängige russische Onlinemedium Astra berichtete, der Angriff habe einer Ölraffinerie in der Stadt gegolten und einen Brand ausgelöst. Jewrajew machte zunächst keine Angaben zu möglichen Schäden an Energieanlagen.