In Duisburg wird kein neues Rathaus gebaut. Eine „finanziell wirtschaftliche Vorteilhaftigkeit“ sei inzwischen nicht mehr gegeben, heißt es in der entsprechenden Verwaltungsvorlage. Das heißt: Das Vorhaben rechnet sich nicht, es ist schlichtweg zu teuer. Der Rat der Stadt schloss sich nun mehrheitlich dieser Auffassung an und stoppte damit das 140-Millionen-Euro-Projekt.
Ein Grund für den geplanten Neubau war die Zersplitterung der Büros der Stadtverwaltung auf zahlreiche Standorte in der Innenstadt, die meist angemietet wurden. In der jahrelangen Planungszeit haben sich aber inzwischen die Gegebenheiten grundlegend geändert. Durch den Trend zum Homeoffice ist Büroraum in der Innenstadt nicht mehr so sehr gefragt wie vor der Pandemie. Die schrumpfende Nachfrage führt zu niedrigeren Mietpreisen – und ein Hauptargument für den Bau eines neuen Verwaltungsgebäudes fiel weg.
Die Einschätzung der Verwaltung: „Ein Ende dieser Entwicklung ist zudem nicht absehbar.“ Gerade im Hinblick auf langfristige Anmietungen seien nun deutliche günstigere Mietkonditionen auch für städtische Büros zu erzielen. Für Eigentümer ist die Stadt Duisburg als bonitätsstarker und langfristiger Mieter sehr interessant.
Nach Angaben der Verwaltung ist bei einem zehnjährigen Mietvertrag eine Nettokaltmiete von 13,53 Euro pro Quadratmeter realistisch. Bei den bisherigen Berechnungen war man noch von einer Miete von 15,97 Euro pro Quadratmeter ausgegangen. Dazu kommen die in der Zwischenzeit deutlich gestiegenen Baukosten. Das Ergebnis: Die weitere Anmietung von Bürofläche stellt nun die günstigere Variante im Vergleich zu einem Rathaus-Neubau dar.
„Aus diesem Grund wird die Planung eines Neubaus an der Steinschen Gasse nicht weiterverfolgt“, heißt es in der Verwaltungsvorlage. Weitere Konsequenzen: Bereits laufende europaweite Vergabeverfahren werden aufgehoben, die Begleitkommission wird aufgelöst.
Ideen und Investoren für das vermeintliche „Filetgrundstück“ am Eingang zur City gab es in den vergangenen Jahren reichlich – verwirklicht wurde auf der Fläche, die jahrelang als Schotterparkplatz diente, bis her noch gar nichts. Zurzeit finden dort archäologische Ausgrabungen statt, weil im Untergrund noch Relikte aus der früheren Stadtgeschichte gefunden wurden.
Letztlich waren Vorhaben wie das Gesundheitszentrum „Marientor Carrée“ genau so gescheitert wie das Projekt „Duo“ (Büros, Ärztepraxen, Einzelhandel, Hotel) oder der Neubau einer Firmenzentrale der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Gebag. Nun ist die Stadt erneut auf der Suche nach Investoren für das Areal.
Die Nutzung soll im Groben künftig so aussehen, wie sich schon seit Jahren angedacht ist. Das heißt, nach wie vor soll hier eine Mischung aus Wohnen, Dienstleistung/Büro und Gastronomie entstehen – Einzelhandel soll nur eine untergeordnete Rolle spielen. Dazu gehören:
Angestrebt werden soll eine „hochwertige architektonische Gestaltung mit kompakten Baustrukturen“. Primäres Ziel dabei soll eine attraktivere Gestaltung des Stadtviertels einschließlich der angrenzenden Straßenräume sein.
Die Grünen hatten in der Bezirksvertretung Mitte beantragt, die Fläche als Zwischenlösung zu begrünen. Durch Pflanzen sollte nach ihren Vorstellungen ein üppig bewachsenes Areal entstehen, das Tieren in der zugebauten Innenstadt Lebensraum bietet. Ein Teil der Fläche sollte zudem als Erholungsraum für Bürgerinnen und Bürgern dienen, damit auch sie den natürlichen Raum mit all seinen Vorteilen genießen könnten. Der Vorschlag wurde indes mehrheitlich abgelehnt.