Das Nahverkehrsangebot in der Region könnte in absehbarer Zeit schrumpfen: Im AVV laufen aktuell Untersuchungen, wo es Einsparpotenziale gibt und welche Auswirkungen auf Angebot und Fahrgäste damit verbunden wären. Demnächst sollen Ergebnisse vorgestellt werden, über die die Landkreise und die Stadt Augsburg als AVV-Gesellschafter beraten. Der Augsburger Landrat und AVV-Aufsichtsratsvorsitzende Martin Sailer (CSU) erklärte am Montag überraschend via Pressemitteilung, dass es entweder mehr Geld von Bund und Land brauche, oder dass ein Streichkonzert im Augsburger Nahverkehr droht.

Landrat Martin Sailer: „Bleibt keine andere Wahl, als Einsparungen zu prüfen“

Sailer argumentiert, dass die Zuweisungen des Freistaats an die Kommunen für den Nahverkehr seit 2019 unverändert seien, während die Kosten für Personal und Energie immer weiter nach oben gehen. Die tatsächlichen Kosten seien für die Kommunen, die für den Nahverkehr zuständig sind, immer weniger zu tragen. „Solange der Bund seinen Finanzierungsanteil deckelt und der Freistaat seine Zuweisungen einfriert, bleibt uns keine andere Wahl, als Einsparungen zu prüfen. Die Verantwortung dafür liegt nicht bei den Landkreisen und kreisfreien Städten“, so Sailer. Nötig sei nun ein gemeinsames Signal. „Ohne eine strukturell bessere Finanzierung des ÖPNV werden sich die bestehenden Angebote langfristig nicht aufrechterhalten lassen“, so Sailer.

In Augsburg tragen die Stadtwerke das Defizit selbst

Der AVV versuchte zuletzt schon, durch die Ausdehnung des Rufbussystems Aktivvo Geld zu sparen. Damit reagiert der Verkehrsverbund auf steigende Verluste. Vor allem die Landkreise müssen jährlich ein- bis zweistellige Millionenbeträge an Steuergeld in die Subventionierung des Regionalbusverkehrs stecken, nachdem der Nahverkehr sich nicht über die Ticketpreise refinanziert. In Augsburg ist die Lage etwas anders, nachdem hier die Nahverkehrs-Defizite der Stadtwerke über den Querverbund mit der Energiesparte aufgefangen werden. Allerdings wird auch diese Rechnung schwieriger, weil die Stadtwerke Geld in die Energiewende stecken müssen. Aus dem städtischen Haushalt fließt so gut wie kein Geld in die Nahverkehrs-Bezuschussung.

Während Sailer laut über Streichungen nachdenkt, gab es aus der Stadt zuletzt aber gegenteilige Botschaften. Oberbürgermeister Florian Freund (SPD) will eine Wiedereinführung des Fünf-Minuten-Takts bei der Straßenbahn und auch den Busverkehr wieder enger takten, nachdem es wegen Fahrermangel in den vergangenen Jahren Taktausdünnungen gab. Auch der Nahverkehrsplan sieht zusätzliche Buslinien vor, einen deutlichen Infrastrukturausbau mit neuen Straßenbahnlinien hält aber auch das Strategiepapier für nicht realistisch.