Stand: 06.07.2026 19:34 Uhr

Der Handelsverband Nord spricht sich dafür aus, dass Geschäfte in ganz Schleswig-Holstein auch sonntags öffnen dürfen. Unterstützung kommt von Wirtschaftsexperten. Kritik dagegen gibt es von Gewerkschafts- und Kirchenvertretern.

Sonntags durch die Geschäfte in der Fußgängerzone bummeln oder auch fürs Abendessen noch mal schnell in den Supermarkt springen – das sollte nach Vorstellung des Handelsverbandes Nord künftig in ganz Schleswig-Holstein möglich sein. Bisher geht das begrenzt nur in den Orten, in denen die Bäderregelung gilt.

Forderung knüpft an Bundesverband an

Mit seiner Forderung schließt sich der Handelsverband Nord einem Anliegen des eigenen Bundesverbandes an. Hintergrund war, dass die Bundesregierung angekündigt hatte, die Öffnungszeiten für Bäckereien und Konditoreien an Sonntagen zu verlängern.

Die Bäderregelung in Schleswig-Holstein erlaubt Geschäften in 95 touristisch geprägten Orten, an Sonn- und Feiertagen für sechs Stunden zu öffnen. Sie gilt laut Land für etwa acht Monate. Verkauft werden dürfen Waren des täglichen Ge- und Verbrauchs. Möbelhäuser, Autohäuser, Baumärkte und Fachmärkte für Elektrogeräte dürfen ausdrücklich nicht öffnen.

Die Gesellschaft habe sich verändert, so der Geschäftsführer des Handelsverbandes Nord Dierk Böckenholt auf Anfrage von NDR Schleswig-Holstein. „Verbraucher kaufen ohnehin sonntags ein“, ergänzt er mit Blick auf den Onlinehandel. Dabei spricht sich der Handelsverband vor allem dafür aus, dass die Geschäfte selbst entscheiden können, ob sie sonntags öffnen möchten oder nicht. Es sei schon lange Zeit, dass man diese Entscheidung ins Ermessen der Kaufleute lege, so Böckenholt.

Handelsverband hofft auf sichere Rechtsgrundlage

Aus seiner Sicht sollte die Rechtsgrundlage deshalb überprüft werden. Sonn- und Feiertage sind bisher im Grundgesetz als „Tage der Arbeitsruhe“ und der „seelischen Erhebung“ geschützt. „In erster Linie geht es darum, dass wir eine gesetzliche Regelung bekommen, die den Geschäften eine einfache, unbürokratische und vor allen Dingen rechtssichere Öffnungsmöglichkeit gibt“, so Böckenholt.

Ein Mann blickt in die Kamera, es ist Dierk Böckenholt Geschäftsführer Handelsverband Nord

Für Handelsverbandschef Dierk Böckholt ist klar, dass Geschäfte selbst darüber entscheiden können sollten, ob sie sonntags öffnen oder nicht.

Außerdem würde die Möglichkeit zu öffnen noch nicht bedeuten, dass sich auch alle Unternehmen beteiligen, ist Böckenholt überzeugt. „Geöffnet wird in der Regel dort, wo es ausreichend Frequenz gibt“, erklärt er.

Auch ohne Wachstumseffekte: IfW bewertet Idee positiv

Auch Konjunkturexperte Prof. Stefan Kooths vom Kieler Institut für Weltwirtschaft befürwortet die Möglichkeit für Geschäfte, sonntags zu öffnen. Auch wenn er dadurch „keine spürbaren Wachstumseffekte“ erwartet. Aber: „Es wäre ein Zeichen, dass der Staat dem Wirtschaftsablauf weniger regulatorische Steine in den Weg legt“, so Kooths.

Deutliche Ablehnung der Vorschläge kommt von der Gewerkschaft ver.di. „Wir wollen, dass Menschen was mit der Familie machen können, wir wollen, dass sie zum Sport gehen können“, zählt Gewerkschaftssprecher Frank Schischefsky auf. Er befürchtet zudem, dass wenn der Sonntag zum Regelarbeitstag werden sollte, Zuschläge entfallen könnten. Wenn jeder am Sonntag arbeiten könne, verliere man das gemeinsame Frei am Sonntag“, so der Gewerkschaftler.

Da soll sich jeder die Frage stellen, ob der das wirklich will, nur damit er ab und zu mal sonntags vielleicht noch ein Schwarzbrot kaufen kann.

Frank Schischefsky, ver.di Landesbezirk Nord

Gewerkschaft sieht Bäderregelung in Gefahr

Ein Mann blickt frontal in die Kamera, es ist Frank Schischefsky, Gewerkschaftssprecher ver.di Nord

Ver.di-Sprecher Frank Schischefsky kritisiert den Vorstoß zu Sonntagsöffnungen scharf.

Schischefsky sieht außerdem den geschlossenen Kompromiss zur Bäderregelung in Gefahr. Damit bezieht er sich auf ein Urteil im Nachbarland Mecklenburg-Vorpommern. Dort hatte das Oberverwaltungsgericht die Bäderregelung im März gekippt und war damit den Argumenten der Gewerkschaft gefolgt. „Die Bäderregelung in Schleswig-Holstein war bisher ein Konsens“, so Schischefsky. „Aber den kann man jetzt auch auflösen, wenn es hier Bestrebungen gibt, rund um die Uhr aufmachen zu wollen.“

Bäderregelung Schild für Sonntag geöffnet!

Nach dem OVG-Urteil zur Bäderregelung prüft die Landesregierung MV ihre Rechtsmittel. Wirtschaft und Gewerkschaften sind alarmiert.

Die Einkaufsstraße in Zinnowitz auf Usedom.

Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di hatte geklagt, weil an zu vielen Sonntagen in zu vielen Orten Geschäfte öffnen dürfen.

Nordkirche: Bäderregelung soll Ausnahme bleiben

Auch für die Nordkirche ist der Sonntag als gemeinsamer Ruhetag besonders schützenswert – sie sieht sonntägliche Öffnungen ebenfalls kritisch. „Der freie Sonntag ermöglicht gemeinsames Innehalten, Zeit für Familie, für Gemeinschaft und für den Gottesdienst“, so Pastor Wilko Teifke von der Nordkirche.

Die Bäderregelung bezeichnete er als Kompromiss mit dem man die besonderen Bedingungen Schleswig-Holsteins als Tourismusland anerkenne. „Entscheidend bleibt jedoch, dass der Charakter des Sonntags gewahrt wird und Ausnahmen Ausnahmen bleiben“, so Teifke weiter.

Handelsverband sieht kein Problem mit Bäderregelung

Den Konflikt mit der Bäderregelung sieht der Handelsverband Nord nicht. Im Gegenteil. „Im Endeffekt wäre dann etwas auch rechtssicher und dauerhaft möglich, was ohnehin stattfindet“, so Handelsverbands-Chef Böckenholt.

Citti Park reagiert zurückhaltend auf Vorstoß

Ob es sich lohnen würde, sonntags zu öffnen, konnte Sascha Warnken Centermanager des Citti Parks Kiel noch nicht sagen. „Wir brauchen verlässliche Öffnungszeiten für unsere Kunden und müssen ja auch berücksichtigen, dass wir an Sonntagen höhere Personalkosten haben“, so Warnken. Ob es Sinn mache oder nicht, müsse man einmal durchrechnen.

Bäderregelung Schild für Sonntag geöffnet!

In fast 100 Orten in Schleswig-Holstein dürfen Geschäfte des täglichen Bedarfs seit dem 15. März auch an Ruhetagen wieder öffnen. Ein Überblick.

Ein gelbes Schild mit der Aufschrift "Sonntags geöffnet".

Kleinstsupermärkte dürfen nun auch sonn- und feiertags öffnen. Dies gilt aber nur für Orte mit maximal 2.500 Einwohnern.

Ein Mann scannt ein Produkt an der SB Kasse.

Die Landesregierung will, dass automatisierte Kleinstsupermärkte in SH in kleinen Orten künftig auch sonntags öffnen dürfen.