Bielefeld-Quelle. Der erste Ausflug war nur eine kleine Runde. Doch für Bartolt Haase reichte sie bereits, um einen ziemlich guten Eindruck davon zu bekommen, worum es bei „Radeln ohne Alter“ geht. „Man hat etwas Wind um die Nase – und man kann sich prima unterhalten“, sagte der Vorstandsvorsitzende der von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel nach seiner Probefahrt. Sein Fazit fiel entsprechend eindeutig aus: „Das ist eine tolle Sache, wir sind begeistert.“

Nach Schildesche und Gellershagen ist nun am von Bethel geführten Pflegezentrum Quelle der dritte Standort des Projekts der Bielefelder Bürgerstiftung entstanden. Ab sofort können die Bewohner regelmäßig zu kleinen Ausfahrten mit der Elektro-Fahrrad-Rikscha starten – bequem vorne in der Rikscha sitzend, während hinten ehrenamtliche „Piloten“ in die Pedale treten.

Das Motto von „Radeln ohne Alter“ lautet: „Das Recht auf Wind im Haar“. Gemeint ist damit mehr als nur eine Spazierfahrt. Die Touren sollen älteren Menschen Mobilität, Abwechslung und Begegnungen ermöglichen. „Man sieht bei den Bewohnern die Freude in den Gesichtern“, sagte Haase und dankte den Ehrenamtlichen, ohne die ein solches Angebot nicht funktionieren würde.

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Von den Randbezirken aus direkt ins Grüne

Möglich wurde der neue Standort durch eine größere Spende. „Wir schauen, dass wir möglichst in die Randbezirke kommen“, sagte Susanne Eickelmann, Geschäftsführerin der Bürgerstiftung. „Da kann man besser mit der Rikscha fahren.“ In Schildesche bietet sich etwa der Obersee für Touren an, in Quelle könnten Ziele etwa der Biohof Bobbert oder die Lutterauen sein. „Das ist alles sehr schön im Grünen gelegen.“


Unterwegs: Vom Pflegezentrum Quelle geht es mit der Rikscha ins Grüne. - © Peter Unger

Unterwegs: Vom Pflegezentrum Quelle geht es mit der Rikscha ins Grüne.
| © Peter Unger

Die Fahrten laufen in der Regel in Kooperation mit Pflegeeinrichtungen. Die Rikscha ist am jeweiligen Standort untergebracht und wird dort auch geladen. Ganz ausgeschlossen sind private Anfragen aber nicht. „Wenn zum Beispiel ein Mann 90 Jahre alt wird und seine Tochter mit ihm eine kleine Tour unternehmen möchte, kann sie sich bei uns melden“, erklärt Eickelmann. Die Fahrt sollte allerdings in der Nähe des Standorts sein, denn der Aktionsradius der Rikschas ist nicht unbegrenzt: „Man kann damit gut eine Stunde fahren – das reicht dann aber oft auch.“

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Damit das Angebot in Quelle wirklich Fahrt aufnehmen kann, braucht die Bürgerstiftung nun weitere Ehrenamtliche. Alle Fahrer werden vor ihrem ersten Einsatz geschult, auf Wunsch gibt es auch eine Erste-Hilfe-Schulung speziell für Senioren. Versichert sind sowohl die Bewohner über die Einrichtung als auch die Fahrer über die Stiftung.

Flexibilität für die Ehrenamtlichen

Wie gut das funktionieren kann, zeigen die beiden ersten Standorte. In Schildesche sind nach Angaben von Projektleiterin Ingeborg Bockstette inzwischen ein gutes Dutzend Fahrer unterwegs, in Gellershagen sind es sogar noch ein paar mehr. „Das ist gut, wenn man mehr Pilotinnen und Piloten hat, dann muss man die Leute nicht so sehr in die Pflicht nehmen“, sagte Bockstette. Denn das Ehrenamt soll flexibel bleiben. Manche fahren drei Touren in der Woche, andere nur zwei im Monat.

Die meisten Fahrer sind selbst bereits Senioren oder Ruheständler. Es gibt aber auch jüngere Freiwillige, die die Rikscha-Fahrten bewusst als Ausgleich zum Beruf sehen. „Das ist für die dann etwas völlig anderes als der Job. Und sie tun etwas Gutes“, sagt Bockstette. Ganz ohne körperlichen Einsatz geht es trotz des Elektromotors allerdings nicht. Mit Rikscha, Fahrer und Fahrgästen kommen schnell 300 bis 400 Kilo zusammen. Ein wenig „Muskelschmalz“ sei also durchaus gefragt.


Geschafft: Die Bewohnerin freut sich über den gelungenen Ausflug. Damit noch mehr Seniorinnen und Senioren fahren können, werden noch weitere Ehrenamtliche gesucht. - © Peter Unger

Geschafft: Die Bewohnerin freut sich über den gelungenen Ausflug. Damit noch mehr Seniorinnen und Senioren fahren können, werden noch weitere Ehrenamtliche gesucht.
| © Peter Unger

Für die Bielefelder Bürgerstiftung ist Quelle nicht der letzte mögliche Standort. Perspektivisch soll „Radeln ohne Alter“ weiter wachsen und auch in anderen Stadtteilen älteren Menschen kleine Auszeiten ermöglichen. Dafür braucht es neben ehrenamtlichen Fahrern auch Geld. Denn Anschaffung, Wartung, Versicherung und Ausbildung kosten. Eine Rikscha schlägt mit rund 15.000 Euro zu Buche.

Der Lohn dafür lässt sich allerdings nicht nur in Kilometern messen. Sondern in Gesprächen, Erinnerungen, kleinen Ausflügen ins Grüne – und in dem Moment, wenn vorne in der Rikscha jemand sitzt, dem der Fahrtwind für einen Moment den Alltag wegbläst und ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

www.bielefelder-buergerstiftung.de