Miriam Koch, städtische Spitzenbeamtin für Integration und Kultur, schickte am Sonntag aus dem Düsseldorfer Schauspielhaus eine Botschaft nach Erfurt, also an den Ort, an dem zur gleichen Zeit der AfD-Bundesparteitag abgehalten wurde. Dafür zitierte sie aus dem Hit „Schrei nach Liebe“ der Ärzte, in dem es unter anderem um Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz geht.
Anlass war die Feierstunde zur Verleihung des Integrationspreises 2026. „Ich war beim zweiten Konzert der Toten Hosen in der Arena“, berichtete die Dezernentin mit angeschlagener Stimme. „Die Toten Hosen stehen seit Jahrzehnten ein gegen Rechtsextremismus, Menschenfeindlichkeit und Rassismus. Bei den beiden Konzerten waren jeweils 50.000 Menschen zugegen und die kamen nicht nur aus Düsseldorf. Wenn diese 100.000 Hosen-Fans die Botschaft der Band mitnehmen und in die Welt hinaustragen, bleibt noch Hoffnung.“
Man erlebe derzeit gesellschaftliche Entwicklungen, die viele Menschen mit Sorge betrachteten. Demokratische Institutionen gerieten unter Druck, Desinformationen verbreiteten sich rasant und menschenfeindliche Positionen würden wieder lauter und sichtbarer, führte Koch aus. „Gerade deshalb ist es so wichtig, dass Menschen Haltung zeigen für Humanität, Solidarität, Respekt und demokratische Grundwerte.“ Haltung bedeute, nicht wegzuschauen, wenn andere ausgegrenzt würden, für demokratische Werte einzustehen – im Beruf, im Verein, in der Nachbarschaft, in der Schule und im Ehrenamt. Und Haltung bedeute, auch dann für Respekt und Menschenwürde einzutreten, wenn es unbequem werde.
Eine Haltung, die der Lions Club Düsseldorf-Carlstadt seit vielen Jahren zeigt. Der Club lobte den Integrationspreis aus, der in diesem Jahr zum neunten Mal vergeben wurde. „Wir stehen dafür ein, demokratische Werte zu fördern, Brücken zwischen Menschen zu bauen und Verantwortung für unser demokratisches Gemeinwesen zu übernehmen“, sagte Lions-Präsident Walter Blum anlässlich der Verleihung. „Freiheit, Menschenwürde, Respekt und Solidarität sind die Grundlagen unseres Handelns“, betonte der Präsident. Integration sei nicht nur eine soziale Aufgabe, sondern ein wesentlicher Beitrag zur Stärkung unserer Demokratie. Ein demokratisches Miteinander entstehe dort, wo Menschen unabhängig von Herkunft, Kultur, Religion oder Lebensgeschichte gleiche Chancen erhielten, sich in die Gemeinschaft einzubringen.
Mehr als 40 Prozent aller Düsseldorfer haben eine zumindest in Teilen internationale Familiengeschichte. Menschen aus 180 Nationen leben und arbeiten in der NRW-Landeshauptstadt. „Diese Vielfalt ist eine große Stärke unserer Stadt. Sie bereichert unsere Gesellschaft, unsere Kultur, unsere Wirtschaft“, sagte Koch. „Zusammenhalt entsteht aber nicht von allein. Eine vielfältige Stadtgesellschaft braucht Menschen, die Verantwortung übernehmen, die Brücken bauen und die sich für Respekt und gegenseitige Anerkennung einsetzen.“ So wie es die Preisträger und die 28 weiteren Projekte, die sich um den Integrationspreis beworben hätten, tagtäglich tun.
Unter dem diesjährigen Motto „Zusammenhalt durch Haltung! Engagement für ein demokratisches Miteinander“ wurden in diesem Jahr fünf Projekte ausgezeichnet, die sich in besonderer Weise für Demokratiebildung, gesellschaftliche Teilhabe und den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Düsseldorf einsetzen. Die Jury aus Vertretern der Stadt, des Carlstädter Lions Clubs sowie aus Vertretern von Wissenschaft und Medien hat dieses Mal zwei gleichrangige erste Preise vergeben.
Um den Integrationspreis hatten sich dieses Mal insgesamt 33 Projekte beworben und damit so viele wie nie zuvor. Die fünf ausgezeichneten Projekte erhielten insgesamt ein Preisgeld von 15.000 Euro, das entsprechend der Platzierungen aufgeteilt wurde (s. Infobox).