Stand: 07.07.2026 08:39 Uhr
Die „Nijinsky Gala LI“ bildet wie jedes Jahr den krönenden Abschluss der Hamburger Ballett-Tage. Nun ist die 51. Ausgabe mit einem XXL-Abend auf Spitzenschuhen und Hochleistungsballett zu Ende gegangen.
Bevor der erste Tänzer auf der Bühne stand, gab es erstmal Applaus für den Ex-Chef: John Neumeier setzte sich auf seinen Ehrenplatz, rechts in der ersten Reihe. Man spüre, wenn er da sei, raunte der ein oder andere seinem Gegenüber in der Pause zu. Ob er will oder nicht: die Verehrung ist riesig – wenigstens ein „Zunicken“ will man haben – wenn er schon nicht mal kurz auf die Bühne kommt. Natürlich gab es viel Neumeier an diesem Abend, der aber auch mit einer enormen Bandbreite Einblicke in das internationale tänzerische Erbe und die Zukunft bot.
Auftakt der Gala mit der Ballettschule
Zum fröhlichen Aufwärmen kam zum Start die Ballettschule des Hamburg Ballett zum Zug – mit Neumeiers ikonischem Stück „Yondering“ über jugendlichen Aufbruch. Es gehört zum festen Repertoire der Schule und wird jetzt 30 Jahre alt. Damit begann ein tänzerisch abwechslungsreicher Abend mit Rückblicken auf die Spielzeit und einigen Überraschungen. Immer wieder beeindruckten besondere Pas de deux bei dieser Gala: So fanden etwa Anna Laudere und Edvin Revazov noch einmal bei Neumeiers „Anna Karenina“ zusammen. Sie sind die Originalbesetzung von 2017.
Tief, ungewöhnlich und modern war auch das Stück einer Neuentdeckung: Neshama Nashman. Die junge Tänzerin und Choreografin hat es für zwei Tänzerinnen kreiert – „And So Am I“ heißt es. Silvia Azzoni und Emilie Mazoń, die das Hamburg Ballett nach dieser Saison verlässt, tanzten voller Hingabe dieses zeitgenössische Duett zwischen Konfrontation und Miteinander. Der neue Shootingstar unter den jungen Choreografinnen ist die Kanadierin Emma Portner, Anfang 30. Auch für ihr Pas de deux „Islands“ gab es großen Jubel.

Die Compagnie probt Neumeiers „Die Möwe“ mit Lloyd Riggins als neuer Leitung. Am Sonntagabend ist Wiederaufnahme.
Gleich zwei Stücke einer Tanz-Legende
„Es gab viele Highlights“, gestand eine Besucherin im Anschluss. „Das Opus 1 war überragend.“ Für sie war Neumeiers zwar schon oft gezeigte, aber sehr bewegende Hommage an Maurice Béjart für zwei Tänzer nicht zu toppen: „Da kann man eigentlich wenig zu sagen. Um mich herum hat alles geweint.“
Eine große Rolle spielte bei dieser Gala noch eine andere Choreografin: Martha Graham. Gleich zwei Stücke dieser US-amerikanischen Pionierin des Modern Dance aus den 1930er-Jahren gab es zu sehen. Die Martha Graham Dance Company feiert in diesem Jahr ihr 100. Jubiläum und hat ein legendäres Repertoire. Und so urteilte eine Besucherin im Anschluss: „Das fand ich viel schöner als diese älteren Spitzentanzsachen, sehr einfallsreich.“
Beförderungen zum Abschluss
Das Hamburg Ballett und seine Gäste präsentierten sich in guter Form. Ihr aktueller künstlerischer Direktor, Lloyd Riggins, ebenfalls. Er hat sich eingearbeitet, könnte man sachlich sagen, das Hamburg Ballett stabilisiert sich nach der großen Krise um die gescheiterte Neumeier-Nachfolge. Auch wenn er sich vielleicht ein bisschen zu oft für das beispiellose Neumeier’sche Fundament bedankt hat – Riggins führte gut gelaunt, und sehr entspannt führte er durch das Programm.
Nicht vergessen werden diese Gala ganz bestimmt Olivia Betteridge, Charlotte Larzelere und der absolute Publikumsliebling Louis Musin. Ihnen allen teilte Lloyd Riggins nämlich mit, dass sie zu Ersten Solisten befördert seien. Das Hamburg Ballett habe seinen Spirit wieder, sagte eine der Zuschauerinnen nach der Gala. Das sieht nach diesem fünfstündigen Ballettabend wirklich ganz so aus.

Das Team der Oper hat das Programm für die Spielzeit 2026/2027 an der Ausweichspielstätte in Bahrenfeld vorgestellt.

Immer im Herbst präsentiert das Ballett in Hamburg seine neue Generation des Tanznachwuchses in der Reihe „Im Aufschwung“.

Nach der Krise am Hamburg Ballett und seinem Weggang vor einem Jahr ist es um Volpi still geworden. Nun soll er in Stuttgart choreografieren.