100 Kilometer. Zu Fuß. An einem Tag. Bei voraussichtlich 30 Grad. Was für viele frappant klingen mag, ist für einen 24-Jährigen aus Wuppertal eine Herzensangelegenheit. An diesem Samstag will er die Ultradistanz bewältigen, um Spenden für das Kinderhospiz Burgholz zu sammeln. Einmal rund um Wuppertal. Verrückt? Vielleicht. Beeindruckend? Ganz sicher.
Die Sonne brennt, der Schweiß rinnt, die Muskeln schmerzen, der Durst wird größer, das Ziel scheint noch unvorstellbar weit weg. Bereits nach einem Marathon sind viele Läuferinnen und Läufer so erschöpft, dass sie mehrere Wochen brauchen, um sich vollständig zu regenerieren. 42,195 Kilometer sind ja auch genug. Doch für Felix Zimmermann beginnt erst dann die eigentliche Herausforderung: Er wird am Samstag fast zweieinhalb Marathons am Stück laufen. Sein Antrieb ist dabei größer als jede sportliche Bestleistung – mit jedem Schritt finanziert er ein Pflegebett für das Kinderhospiz. Und das kostet 12 000 Euro.
Der Weg rund um Wuppertal ist genau geplant und lässt sich gut nachvollziehen – denn die Strecke, die sich der 24-jährige Immobilienmakler ausgesucht hat, ist der Wuppertaler Rundweg – „eine Wanderroute“, sagt Felix Zimmermann mit leicht ironischem Unterton.
Die Internet-Plattform „Komoot“ – spezialisiert auf Routenplanung für Wanderer und Radfahrer – weist darauf hin, dass es sich um eine schwierige Route handle, die sehr gute Kondition erfordere. 2100 Höhenmeter sind zu bewältigen. Als Wandertour liegt die übliche Dauer bei fünf bis neun Tagen. So viel Zeit will sich der Wuppertaler nicht lassen: „Ich möchte die Strecke unter 18 Stunden schaffen.“ Aber weil die Temperaturen am Samstag bei 30 Grad liegen sollen, ergänzt er: „Hauptsache, ich komme ins Ziel, die Zeit ist egal.“
Los geht‘s in Nächstebreck, weiter über Beyenburg und Remscheid
Zimmermann startet – und zwar morgens um vier Uhr – auf dem IKEA-Parkplatz an der Schmiedestraße in Nächstebreck-Ost. Dann geht es runter Richtung Langerfeld, durch Beyenburg und bis nach Remscheid-Lüttringhausen. Weiter geht es entlang der Ronsdorfer Talsperre, durch den Staatsforst Burgholz, bis er in Vohwinkel landet und am Steinbruch Oetelshofen vorbei auf der nördlichen Seite Wuppertals den Weg zurück nach Oberbarmen antritt – vorbei an Hattingen, am Golfclub Felderbach Sprockhövel wieder bis zum Parkplatz. Der Möbelmarkt hat bis 20 Uhr geöffnet, ob Zimmermann es bis dahin schafft, ist nicht sicher…
„Ich habe erst vor einem Jahr mit dem Laufen angefangen“, offenbart der 24-Jährige. Und warum? „Ich esse gern“, nennt er einen Grund, warum er den Sport nun fast täglich ausübt. „Am Anfang konnte ich nur einen Kilometer am Stück laufen, dann war Ende.“ Aber nun ist er fit. Im April lief er einen Marathon auf dem IKEA-Parkplatz. Wie weit wird er nun über seine Grenzen gehen? Seine realistische Einschätzung: „60 Kilometer kann ich abreißen“, sagt er. Und dann? Dann wird aus dem Lauf eine Kopfsache. Motivation und mentale Stärke spielen eine enorme Rolle. Zum Vergleich: Selbst gut trainierte Ultraläufer brauchen für 100 Kilometer meist acht bis zwölf Stunden. Freizeitläufer sind oft deutlich länger unterwegs. Je nach Körpergewicht werden dabei bis zu 10 000 Kalorien verbrannt. Er gibt zu: „Es ist mit Naivität verbunden. Aber wenn ich schon wüsste, dass ich das schaffe, wäre es ja langweilig.“
Doch Felix Zimmermann ist nicht allein: Ein Bekannter läuft mit, Privatleute haben sich gemeldet, um ihn auf einer Teilstrecke zu begleiten, ab Kilometer 25 wird ein Freund ihn auf dem Fahrrad unterstützen. Und er wird nicht ohne Pause durchlaufen. „Ich habe drei Stopps eingeplant.“ Wer ihn sucht: „Den gesamten Weg am 11. Juli dokumentiere ich auf meinem Instagram-Kanal — von der Vorbereitung bis zur Ziellinie.“
Aber wie funktioniert das nun mit den Spenden? „Das Geld überweist man am besten direkt an das Kinderhospiz – samt Stichwort, damit es dem Projekt zugeordnet und das Pflegebett finanziert wird“ (siehe Info). Zimmermann fand Sponsoren, über die bereits 4000 Euro hereinkommen.
Noch liegen 100 Kilometer vor ihm – voller Höhen, Tiefen und vermutlich auch Schmerzen. Doch wenn am Ende eine möglichst hohe Spendensumme erreicht ist, hat sich jeder einzelne Schritt gelohnt. Genau darauf hofft der 24-Jährige, wenn er sich am Wochenende auf den wohl längsten Lauf seines Lebens macht.
Spendenkonto: Kinderhospiz-Stiftung Bergisches Land; Stadtsparkasse Wuppertal,
IBAN: DE42 3305 0000 0000 9799 97
Verwendungszweck: Felix