Schon im Flug hatte Phil Janitz dieses besondere Gefühl. Der Absprung passte, die Geschwindigkeit stimmte – und irgendwo am Rand der Anlage hörte er seinen Trainer Ralf Jaros laut aufschreien. Verstanden habe er den Ruf in diesem Moment zwar nicht, erzählt der 17-Jährige später. „Aber ich wusste sofort: Das war ein richtig guter Sprung.“

Dann begann das Warten. Die Kampfrichter konnten den Absprung zunächst nicht eindeutig bestimmen. „Ich war richtig sauer, dass das so lange gedauert hat“, sagt Phil Janitz. Erst als Trainer Jaros das Video des Versuchs zur Hilfe nahm, ließ sich der Absprung nachvollziehen. Wenige Augenblicke später erschien die Weite auf der Anzeigetafel: 7,50 Meter. Persönliche Bestleistung, Deutscher U18-Meister – und gleichzeitig das Ticket für die U18-Europameisterschaften vom 16. bis 19. Juli im italienischen Rieti.

Mit einem einzigen Sprung veränderte sich für den Athleten von Düsseldorf Athletics alles. Aus einem der Medaillenkandidaten wurde der herausragende Sportler aus Düsseldorfer Sicht bei den Deutschen Jugendmeisterschaften in Bochum-Wattenscheid. Erstmals wird Phil Janitz nun das Nationaltrikot tragen.

„Am Anfang des Jahres hätte ich davon nicht einmal zu träumen gewagt“, sagt der Schüler des Lessing-Gymnasiums.

Dabei kommt dieser Erfolg nicht aus dem Nichts. Bereits 2024 gewann Phil Janitz als Mehrkämpfer die Silbermedaille bei den Deutschen Meisterschaften im Neunkampf. Im vergangenen Winter war er mit drei Landestiteln und insgesamt vier Medaillen der dominierende Athlet der NRW-Meisterschaften. Inzwischen hat er sich bewusst auf den Weitsprung spezialisiert. „Ich habe gemerkt, dass dort mein größtes Potenzial liegt“, sagt er. Von seiner Zeit als Mehrkämpfer profitiert er bis heute. Schnelligkeit, Sprungkraft und Koordination bilden das Fundament seines Erfolgs.

Der Weg an die deutsche Spitze verlangt Disziplin. Sechs Tage in der Woche trainiert der 17-Jährige, im Sommer bleibt kaum Zeit für Freizeit. Technik, Sprint, Krafttraining und Sprungkraft bestimmen seinen Alltag, an den Wochenenden folgen meist Wettkämpfe. Dass sich Schule und Leistungssport trotzdem vereinbaren lassen, verdankt er auch dem Lessing-Gymnasium, das als Sportschule entsprechende Freiräume ermöglicht. Wenn doch einmal Zeit bleibt, trifft sich der Unterrather mit Freunden in der Stadt.

Mindestens genauso wichtig wie das Training ist für Phil Janitz das Umfeld. Als die 7,50 Meter schließlich auf der Anzeigetafel aufleuchteten, jubelten nicht nur Trainer und Vereinskollegen. Eltern, Onkel, Freunde und seine Freundin fieberten in Bochum mit. „Das war ein großartiger Support“, sagt der Deutsche Meister. Zur Europameisterschaft werden ihn seine Eltern begleiten, seine Freundin muss wegen der Schule diesmal zu Hause bleiben.

Eine Schlüsselrolle spielt dabei sein Trainer Ralf Jaros. Der ehemalige Weltklasse-Dreispringer hält noch immer den deutschen Rekord seiner Disziplin und wird Phil Janitz auch zur Europameisterschaft begleiten. „Ohne ihn wäre ich nicht Deutscher Meister geworden. Nicht einmal eine Medaille wäre möglich gewesen“, sagt sein Schützling. Dass ihm ein Trainer mit eigener Weltklasse-Erfahrung zur Seite steht, sei „sehr wertvoll“.

Trotz des Titels ist Phil Janitz keiner, der große Töne spuckt. Vor Wettkämpfen ist er nach wie vor nervös, sagt er. Allerdings habe er in den vergangenen Monaten deutlich an Selbstvertrauen gewonnen. Für die Europameisterschaft setzt er sich deshalb bewusst realistische Ziele. Zunächst möchte er die Qualifikation überstehen und das Finale erreichen. Ein Platz unter den besten Acht Europas wäre für ihn ein riesiger Erfolg.

Und danach? Auf diese Frage muss der 17-Jährige nicht lange überlegen. Sein großer Traum heißt Olympia. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Der Sprung von Bochum über 7,50 Meter war aber ein erster großer Satz in diese Richtung.