Das einzige Foto, das Hans-Hermann Dirxen, Leiter des Heimatarchivs Benrath, von der alten, historischen Mühle in Garath gefunden hat, war das von 1955 in einer kopierten alten Schulchronik der früheren Garather Fritz-Henkel-Hauptschule, die sich noch im Stadtarchiv befindet. Die Abbildung war jedoch so verpixelt, dass man vieles darin hätte erkennen können, aber nicht, dass das Motiv die Garather Mühle zeigt.

Dirxen schickte es einmal durch die KI, und das von der Künstlichen Intelligenz ausgeworfene Ergebnis lässt nicht nur ihn staunen: Denn dieses sieht aus wie die Mühle, die Jürgen Dühring noch aus seiner Kindheit kennt. Damals, Anfang der 1960er-Jahre, arbeiteten seine Eltern im benachbarten Schlosshof und er spielte gerne in dem verfallenen Gebäude, von dem nicht mehr viel übrig geblieben ist. Oder sie spielten Eishockey auf dem gefrorenen aufgestauten Teich, den man einst für die Mühle und die für ihren Betrieb benötigte Wasserkraft angelegt hatte.

Weil Dühring und seine Freunde damals versuchten – übrigens vergeblich – eine Fensterscheibe der Mühle einzuschmeißen, gab es anschließend zu Hause Senge von seinem Vater, das erste und einzige Mal in seinem Leben. So hat die Mühle einen bleibenden Eindruck bei dem Garather hinterlassen. Ein Anwohner hatte die Jungs damals verpfiffen, berichtete Dühring bei der Enthüllung einer Stele am Dienstagvormittag als Erinnerungsort für dieses besondere Stück Garather Historie, die bis ins Jahr 1597 zurückreicht.

Auf den beiden Seiten der Stele ist die wechselvolle Geschichte der Mühle samt des KI-generierten Farbbildes aufgebracht: 1597 ließ Bernhard von Velbrück die Garather Mühle erbauen. Die Getreidemühle wurde mit Wasser betrieben und lag an einem aufgestauten Becken des Mühlenbachs. Aus dem 18. Jahrhundert stammende Abgabenlisten belegen, dass die Mühle auch noch zu jener Zeit bewirtschaftet wurde. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde sie von Landwirt Paul Poensgen in ein Sägewerk mit Schreinerei umgebaut. In den 1960er-Jahren schloss das Sägewerk, und ein Teil der Gebäude wurde abgerissen, der Rest rottete vor sich hin. Das Gelände, auf dem die Ruine steht, befindet sich im Privatbesitz.

Bislang stand im Garather Schlosspark, an dessen Rand die Mühlenruine liegt, ein grünes, versteckt aufgestelltes Schild, das auf die Mühle verweist. Doch bislang erfuhren die Spaziergänger darüber hinaus nicht mehr über die Geschichte. Genau das hatte Anwohner Werner Wille ändern wollen, der seit 35 Jahren in Garath lebt. Auch seine Kinder hätten damals in der Ruine gespielt, erzählte er bei der Veranstaltung.

Aber ihn interessierten nicht nur die Steine, sondern auch die Geschichten, die sich hinter den Mauern der Mühle abgespielt haben. Er findet es wichtig, dass die Menschen vor Ort erfahren, dass Garath mehr ist als ein in den 1960er-Jahren am Reißbrett entstandener Stadtteil im südlichsten Zipfel der Stadt Düsseldorf. Deswegen betrat Wille vor gut einem Jahr das Büro des Garather Stadtteilteams, das in der S-Bahnunterführung liegt, und fand dort in Quartiersmanager Max Bilov jemanden, der mit ihm das Projekt „Erinnerungsstele für die Garather Mühle“ voranbrachte.

Mit Hans-Hermann Dirxen kam dann noch jemand hinzu, der wusste, wo man nach historischem Material suchen müsste. Bilov hingegen wusste, wie man an die finanziellen Mittel zur Umsetzung kommt. Denn für solche Maßnahmen gibt es den Verfügungsfonds aus Garath 2.0. Ein Beirat, in dem auch Bürger sitzen, kann dann bestimmen, wohin Fördermittel gehen.

Jürgen Dühring ist mit der Stele vollauf zufrieden. Denn seine Verbindung zum Garather Schlosspark und dessen historischen Bauten ist nach wie vor eng. Kein Wunder, heiratete er doch vor 41 Jahren in der Kapelle von Schloss Garath. Und auf die schaut man, wenn man vor der Stele für die Mühle steht.