Im Fribbe-Freibad wirkt die Welt noch in Ordnung. Kinder jagen sich unter lautem Lachen über die Wiese, junge und alte Menschen steigen vorsichtig in den Kaufbach und lassen sich treiben. Doch nicht überall ist die Stimmung so harmonisch. In den vergangenen Wochen häuften sich Klagen über zunehmende Respektlosigkeit und unangemessenes Verhalten in den Augsburger Freibädern. Nun äußert sich Sportreferent und 2. Bürgermeister Dirk Wurm zu der Diskussion. Er sieht an ganz anderer Stelle ein Problem.
„Ich gehe seit über 15 Jahren in alle Augsburger Freibäder. Das Betragen im öffentlichen Raum entwickelt sich insgesamt nicht unbedingt zum Vorteil. Dieses Phänomen bezieht sich aber nicht ausschließlich auf die Bäder“, sagt Wurm. Ein „Nutzungskonflikt im Freibad“, wie Wurm es nennt, sei vollkommen alltäglich, das habe es schon immer gegeben. „Es gibt Badegäste, die so tun, als würden sie die Regeln nicht kennen. Auf Ansprachen reagieren sie teils missmutig. Bei Jugendlichen muss man auch mal ein Auge zudrücken, bei Erwachsenen gibt es keine Diskussion“, so Wurm.
Fehlverhalten in Augsburger Freibädern soll der Badeaufsicht gemeldet werden
Wer Fehlverhalten beobachtet, solle sich an die Badeaufsicht wenden. „Die Aufsicht muss dementsprechend maßvoll einschreiten“, so der Sportreferent. „Man muss auch selbst etwas sagen. Ich mache das im Freibad schon immer, etwa wenn Jugendliche im Fribbe einen Salto in den niedrigen Kanal machen.“ Wenn Fehlverhalten angesprochen werde, dann funktioniere das Miteinander im Freibad laut Wurm.
Verändert habe sich laut ihm womöglich die subjektive Wahrnehmung der Situation in Freibädern. Näher darauf eingehen möchte Wurm jedoch nicht – er persönlich nehme diese Veränderung nicht wahr. Dass Menschen teilweise von einer gesellschaftlichen Verrohung sprechen, führt er auf ein subjektives Empfinden zurück. Auch das Thema Migration habe laut ihm keinen objektiv negativen Einfluss auf die Situation in Freibädern. „Ich bin für Fakten zuständig, nicht für Hören-Sagen“, so Wurm.
Zwischen den einzelnen Freibädern gebe es durchaus Unterschiede. „Das liegt an der Anzahl der Besuchenden, der Verfügbarkeit der Wasserfläche und natürlich der Altersverteilung. In Bädern mit vielen Familien ist es entspannter als dort, wo viele junge Erwachsene aufeinandertreffen. Dass einige Menschen das dann als störend oder übergriffig empfinden, kann ich mir gut vorstellen“, sagt Wurm. Für ihn drängt sich daher eine andere Problematik auf: „Die größte Herausforderung ist, dass wir zu wenig Wasserfläche haben. Die Stadt Augsburg wächst und die Wasserfläche hält mit der steigenden Bevölkerungszahl nicht Schritt“, sagt Wurm.
Freibad-Thematik beschäftigt Menschen deutschlandweit
Nicht nur in Augsburg polarisiert das Thema derzeit. Der Betreiber eines Schwimmbads in Halle sorgte zuletzt deutschlandweit für Schlagzeilen, nachdem er angekündigt hatte, nur noch deutschsprachige Gäste hereinzulassen. Die Begründung: Jeder Badegast müsse die Baderegeln verstehen. Inzwischen hat der Betreiber diesen Vorstoß zurückgenommen. Stattdessen möchte er die Baderegeln künftig mehrsprachig im Bad aufstellen. Von solchen Regelungen hält der Augsburger Sportreferent nichts. „Die Sprachfähigkeit entscheidet genauso wenig wie die Herkunft darüber, inwieweit man am gesellschaftlichen Leben teilhaben kann. In einer Demokratie ist so etwas unvorstellbar“, sagt Wurm. Auch die Freien Wähler fielen kürzlich mit ihrem Vorschlag auf, bei Jugendlichen am Eingang zu kontrollieren, ob sie eine Badehose dabei haben, im Stadtrat auf. Die Anregung wurde mit großer Mehrheit abgelehnt. „Der Vorschlag ist in keiner Weise praktikabel“, sagt Wurm.