Moskau – Berlin – Liedberg. Nicht ohne Stolz auf diese geografische Reihung stellte Simone Schmitt, Chefin des Liedberger Landgasthofes, den Gästen die Pianistin Dina Ivanova vor. Die 1994 geborene Pianistin gab in der Reihe „Weltklassik am Klavier“ ein mitreißendes Konzert.
Überschrieben war es mit dem Titel „Im Rausch der Romantik“. Dina Ivanova hatte für den ersten Teil zwei Komponisten ausgewählt, die mit der Stadt Wien in Verbindung gebracht werden: Franz Joseph Haydn, einen der großen Wiener Klassiker mit der ausdrucksstarken Sonate Nr. 6 G-Dur, und Robert Schumann, der der Stadt mit seinem „Faschingsschwank aus Wien op. 26“ ein Denkmal setzte. Seine Musik, präsentiert mit Ivanovas überzeugendem musikalischen Talent, lässt Bilder vor dem inneren Auge entstehen.
In einem steten Zwiegespräch mit der Musik
Der Charme des Veranstaltungssaals des Landgasthofes: Es ist kein klassischer Konzertsaal mit frontal ausgerichtetem Publikum. Stattdessen gibt eine lockere Sitzordnung mit großer Nähe zur Pianistin: Die Gäste sitzen an großen, runden Tischen, haben eine Tasse Kaffee, ein Glas Wein oder Wasser vor sich. Von jedem Platz aus konnten sie Dina Ivanova bei ihrem Spiel beobachten. Sie sahen, wie sie lächelnd den Kopf hob, wie sie in ihrer nicht nachlassenden Konzentration auch mal die Stirn runzelte und wie sie – ihre Lippen bewegend – in einem steten Zwiegespräch mit ihrer Musik zu stehen schien.
Jede Note hatte sie wie selbstverständlich im Kopf. Vom ersten warmen Ton des Flügels an nahm Dina Ivanova die Zuhörerinnen und Zuhörer in ihren Bann. Ebenso kraftvoll wie zart und einfühlsam interpretierte sie die Werke. Der „Rausch der Romantik“ fand seinen unmittelbaren Weg in die Herzen der Zuhörer.
Die Pianistin wurde 1994 in Russland geboren, studierte in Moskau, Weimar und Berlin. Dina Ivanova erhielt zahlreiche internationale Auszeichnungen, 2024 den ersten Preis des Chopin Prize in Rome. Schon mit vier Jahren begann sie mit dem Klavierunterricht, nur zwei Jahre später trat sie in dem Konzert eines Kammerorchesters auf. Beim Hören wurde die Leidenschaft der Pianistin für die von ihr ausgewählte Musik ganz offenkundig.
Nach einer Pause stand ein weiterer bekannter Komponist auf dem Programm mit einem Werk, das eher seltener aufgeführt wird: die „Grand Sonata op. 37“ von Peter Tschaikowski. Ein erstaunliches Werk, lässt es doch vergessen, dass es nur ein Instrument ist, das da gespielt wird – man vermutet ein halbes Orchester. Was für eine Leistung der Pianistin!
Mit viel Applaus drückten die Konzertbesucherinnen und Besucher ihre Anerkennung für die Musikerin aus. Diese schenkte ihnen lächelnd ein Stück von Tschaikowskys „Nussknackers“ als Zugabe.