Liebe Leserin, lieber Leser,
im März bekam ich eine
Mail: »Hallo Yannick, mein Name ist Joschi und ich betreibe einen
kleinen Eisladen am Neuen Kamp 19, gegenüber der Rindermarkthalle.«
Georg Dedes, wie Joschi mit vollem Namen heißt, schrieb, er würde
sich freuen, wenn ich mal bei ihm reinschauen und sein Eis testen
würde. Logisch, dass ich nicht nur Dedes’
kleinen Finger nahm, sondern die ganze Hand.
Gestern
stand ich dann im leisen Surren seines Eisladens und ließ mir
zeigen, wie man Spaghettieis zubereitet. Dedes
drückte mir eine vorgekühlte Schale in die Hand, in die ich etwas
frisch zubereitete Sahne gab. Dann öffnete er die Eisauslage vor
mir, ich sah Mohn, Joghurt, Pistazie und andere Sorten, alle von
Dedes selbst
hergestellt. Mit dem Eisportionierer schabte ich zwei Kugeln Vanille
aus der Truhe und gab sie in eine Art XXL-Siebträger, ebenfalls
eisgekühlt, und hakte ihn, wie bei der Espresso-Zubereitung, in die
Spaghettieismaschine – während die Eis-Pioniere früher nur
manuelle Nudelpressen nutzen konnten, gibt es heute automatische
Lösungen.
Dedes
war früher Tischler und kam über den Patenonkel seiner Exfreundin,
der eine Eisdiele besaß, zum Eismachen. Vor zehn Jahren öffnete er
sein eigenes Eisgeschäft. Der saisonale Rhythmus gefalle ihm, er hat
sieben Monate geöffnet und macht fünf Monate Pause. 100 Portionen
Spaghettieis verkaufe er an guten Tagen im Sommer. Zwei Drittel davon
an Erwachsene. Für viele sei es ein Highlight in der Mittagspause;
manche, glaubt Dedes,
kauften es auch aus Nostalgie.
In der Eisdiele
passierten viele erste Male, sagt Dedes. Jugendliche, die ihren
ersten Job haben. Kinder, die sich zum ersten Mal etwas kaufen. In
meinem Kopf fügte ich hinzu: Journalisten, die ihr erstes
Spaghettieis machen.
Ich
ließ Dedes’
pürierte Erdbeeren über das Eis laufen und streuselte die weiße
Schokolade darüber. Prego! Das Ergebnis war sehr lecker, an Dedes’
Vorarbeit kann ich rein gar nichts aussetzen. Aber: Ich hätte die
Sahne dichter mit Eis umschließen müssen. So war sie nur an wenigen
Stellen gefroren. Ich muss also wohl noch mal wiederkommen.
© Pia Bublies für die ZEIT/DIE ZEIT
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Ihr Yannick
Ramsel
Was heute wichtig ist
Im ersten Halbjahr 2026
hat Hamburg mit 212 Neugründungen von Start-ups
in absoluten Zahlen den stärksten Zuwachs unter den größten
deutschen Städten verzeichnet. Das zeigt eine Studie des
Start-up-Verbands aus Berlin. Bundesweit wurden demnach von Januar
bis Juni 3.053 Jungunternehmen gegründet – mehr als im gesamten
Jahr 2024. Jedes dritte Start-up
setzt dabei auf KI.
2025 wurden in
Hamburg 5.365 Ehen geschlossen – so viele wie seit 2019 nicht
mehr. Die meisten Hochzeiten gab es dem Statistikamt Nord zufolge im
Mai (596); die wenigsten im Februar (257). Die Zahl der Scheidungen
stieg im Vergleich zu 2024 um 2,9 Prozent auf 2.688.
© Ulrich Perrey/dpa
Unter anderem wegen des
unerwartet schlechten Baugrunds verzögern sich die Bauarbeiten an
der Sternbrücke um zwei Wochen. Die Deutsche Bahn kündigte an,
dass die Brücke am 31. August wieder freigegeben werde. Autofahrer
sollen die angrenzenden Straßen ab dem 2. September wieder befahren
können.
Ab Dezember 2027 wird
die Bahngesellschaft Metronom den Bahnverkehr der Linie RE 5
zwischen Hamburg und Cuxhaven betreiben. Sie habe nach einer
EU-weiten Ausschreibung den Zuschlag für das sogenannte Teilnetz
Unterelbe erhalten, teilte die Landesnahverkehrsgesellschaft
Niedersachsen mit. Für Mitarbeitende und Reisende soll sich nicht
viel ändern.
Auch in Norddeutschland
lohnt es sich, zum Tanken von der Autobahn abzufahren. Das
zeigt eine Untersuchung des ADAC, die die Preise für alle 360
Autobahn-Tankstellen und die rund 14.000 Tankstellen in Deutschland
verglichen hat. In Hamburg lassen sich demnach durchschnittlich 35
Cent je Liter Super E10 und 34 Cent je Liter Diesel sparen.
Nachricht des Tages
© Jens Kalaene/dpa
Heute
ist in den Schulen der letzte Tag vor den Sommerferien, das heißt:
Es gibt Zeugnisse! Bildungssenatorin
Ksenija Bekeris (SPD) gewährte gestern einen ersten Einblick, wie
das Schuljahr gelaufen ist. Demnach haben 9.576 Schülerinnen und
Schüler das Abitur geschafft, rund 30 Prozent mit einer Eins vor dem
Komma, 252 sogar mit der Bestnote 1,0. Der Jahrgangsschnitt liegt im
Abitur bei 2,3. Den ersten allgemeinbildenden Schulabschluss (kurz:
ESA) schafften 4.373, den mittleren Schulabschluss (MSA) 5.032
Jugendliche. ESA und MSA entsprechen den früheren Hauptschul- und
Realschulabschlüssen.
Ihrer
Behörde stellte Bekeris ein eher durchwachsenes Zeugnis aus: Die
Statistik zeige, dass es den Schulen besser als im Vorjahr gelungen
sei, die Jugendlichen auf die Abschlussprüfungen vorzubereiten.
Sorgen bereite ihr aber, dass die Prüflinge des ESA im Fach Deutsch
auf einen Jahrgangsschnitt von 4,2 kämen. »Das heißt: Wir haben
viele, die auch mit 5 oder 6 abschließen«, sagte die Senatorin.
Betroffen seien vor allem Jugendliche aus schwierigen
Familienverhältnissen und in ökonomisch benachteiligten
Stadtteilen. Eine Linderung verspreche das Startchancen-Programm der
Bundesregierung, das zusätzliches Geld an 91 Brennpunktschulen
bringe. Zudem setze die Bildungsbehörde einen Fokus auf den Erwerb
von Grundlagen beim Sprechen, Schreiben und Rechnen.
Ebenfalls
auffällig: Beim Abitur seien viele Prüflinge mit sehr guten
Abschlüssen weiblich, viele mit schlechten männlich. Mädchen
könnten sich vor Prüfungen oft besser motivieren, sagte die
Senatorin, doch das erkläre es nur zum Teil. In der Behörde wolle
man nun überlegen, wie Jungen ab der Grundschule besser unterstützt
werden können.
Von
Oskar Piegsa
Aus Hamburg
© Axel Heimken/dpa
Dann biss Haix zu
In
Hamburg steht eine Polizistin vor Gericht, die ihren Diensthund auf
einen Mann losgelassen hat. Der saß auf der Rückbank eines Autos.
Kann das verhältnismäßig sein? Lesen Sie hier einen Auszug aus dem
Artikel von ZEIT-Autorin Elke Spanner.
Zwischen
fünf und acht Schäferhunde werden jedes Jahr bei der Hamburger
Polizei zu Diensthunden ausgebildet. 18 Monate dauert es, bis der
Hund voll einsatzbereit ist. Einer dieser Hunde war vor wenigen
Jahren Haix. Ein sehr guter Diensthund, sagt sein Ausbilder am Morgen
des 7. Juli vor dem Hamburger Amtsgericht: wesenssicher und
selbstbewusst. So ein Polizeihund, fährt er fort, müsse auf Befehle
horchen und dann im Einsatz stark agieren.
Haix
ist der Diensthund von Jennifer S. Es ist schon der zweite Hund, für
den die Polizistin verantwortlich ist. Über fünf Jahre war er im
Einsatz an ihrer Seite. Auch in der Nacht des 28. Januar 2023 führte
sie Haix an der Leine mit sich, ums Maul trug er als Beißschutz
einen Korb.
Es
war gegen 0.50 Uhr, als es mit Haix dann zu einem folgenschweren
Einsatz kam. Der Polizei war ein Auto aufgefallen, das von Hamburg
aus Richtung Wedel fuhr. Am Auto habe vorn das Kennzeichen gefehlt,
sie vermuteten, es könnte der Wagen sein, der wenige Stunden zuvor
in einen Unfall verwickelt und von der Unfallstelle geflohen war. Die
Polizisten folgten dem Wagen und brachten ihn zum Anhalten.
Was
dann geschah, muss jetzt das Amtsgericht aufklären, denn der Einsatz
endete blutig: Ein Insasse des Autos kam im Rettungswagen verletzt
ins Krankenhaus, zweimal wurde der heute 40-Jährige operiert, die
Ärztinnen und Ärzte mussten Haut von einer Stelle auf eine schwer
verwundete andere transplantieren. Haix hatte den Mann an Armen und
Beinen gebissen und ihm tiefe Bisswunden zugefügt.
Was
ein Polizeihundeausbilder zu alldem sagt und welche Rolle
Sprachprobleme bei dem Vorfall gespielt haben könnten,
lesen Sie weiter in der ungekürzten
Fassung. →
Zum Artikel (Z+)
Schon gelesen?
© Darren Calabrese/AP/dpa
Ein Signal an Donald Trump
Kanada bestellt
zwölf U-Boote bei einer ThyssenKrupp-Tochter, es ist der größte
Auftrag in der Unternehmensgeschichte. Die Bedeutung des Deals geht
weit darüber hinaus. ZEIT-Auslandskorrespondent John
F. Jungclaussen hat den Rüstungsdeal analysiert. →
Zum Artikel (Z+)
Darauf können Sie sich freuen
Die
künstlerischen Abschlussarbeiten der mehr als 200 HFBK-AbsolventInnen des
Studienjahres 2025/2026 sind in
einer umfassenden Graduate-Show an diesem Wochenende in der HFBK zu sehen. Neben der Ausstellung
gibt es Performances, Vorträge und Führungen, auch auf Englisch,
das Programm
finden Sie hier. Bei »FinalCut« werden im Filmhaus an der Finkenau 42 die
Abschlussfilme gezeigt.
Graduate-Show,
10.– 12.; HFBK, Lerchenfeld 2+2a, Finkenau 42, Wartenau 15; 14
– 20 Uhr; Eintritt frei.
Meine Stadt
Hier wird Wasser gerettet! (Harvestehuder Weg) © Rüdiger Stellfeld
Hamburger Schnack
Vor
Kurzem auf der Fahrt von Hamburg nach Stuttgart im ICE, die Durchsage
des Bahn-Mitarbeiters: »Herzlich willkommen auf der Fahrt von den
Fischbrötchen zu den Maultaschen über die Würstchen!«
Gehört
von Anke Ridder
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