161 Millionen Euro soll das neue Pina Bausch Zentrum insgesamt einmal kosten. Ein stolzer Preis, zumal ein Haushaltssicherungskonzept, wie es Wuppertal sich verordnet hat, ein sehr enges finanztechnisches Korsett bedeutet, in dem man normalerweise keine großen Sprünge macht. Umso bemerkenswerter ist die Einhelligkeit, mit der die Stadtpolitik das Projekt befürwortet, für das im September der entscheidende Ratsbeschluss ansteht. Wobei die Kostenentwicklung einigen Stadtverordneten durchaus schwer im Magen liegt, wie die WZ erfahren hat.
Die Ratsfraktionen von SPD und CDU bezeichnen das geplante Pina Bausch Zentrum unisono als „ein Kulturprojekt mit Strahlkraft und Mehrwert für die ganze Stadt“ und bekräftigen damit ihre „grundsätzliche Unterstützung für die Umsetzung“, wie sie betonen. Das Projekt biete die Chance, das künstlerische Erbe von Pina Bausch dauerhaft zu sichern, weiterzuentwickeln und für kommende Generationen zugänglich zu machen. „Mit dem Tanztheater, dem Archiv, den internationalen Produktionen und dem Forum Wupperbogen vereint das Pina Bausch Zentrum unterschiedliche Bausteine, die Kunst, kulturelle Bildung und gesellschaftlichen Austausch miteinander verbinden.“
„Ein offener und barrierefreier Ort für alle soll es werden“
So könne ein Ort entstehen, der weit über ein klassisches Kulturgebäude hinausreicht und neue Möglichkeiten für Begegnung, kreative Entwicklung und kulturelle Teilhabe eröffnet. „Für uns ist dabei besonders wichtig, dass das es ein offener und barrierefreier Ort für alle Wuppertalerinnen und Wuppertaler wird. Kulturelle Teilhabe muss unabhängig von Herkunft, Alter oder Einkommen möglich sein“, betonen die CDU-Fraktionsvorsitzenden Anja Vesper und Michael Wessel im Schulterschluss mit SPD-Fraktionschef Benjamin Thunecke.
Deshalb setzen sich beide Fraktionen für den weiteren Ausbau von Bildungs- und Vermittlungsangeboten ein – etwa in Form dauerhafter Kooperationen mit Schulen, Kindertagesstätten, Integrations- und Sozialeinrichtungen, so die Vorstellung. Zugleich versprechen sich Sozial- und Christdemokraten von dem Zentrum wichtige Impulse für die gesamte Wuppertaler Kulturlandschaft: „Die Freie Szene soll ihre Ideen und Kompetenzen bereits während der weiteren Entwicklungsphase einbringen und das Projekt aktiv mitgestalten.“ Ziel sei ein lebendiges Zentrum, das die kulturelle Vielfalt der Stadt stärkt und unterschiedliche Akteure miteinander vernetzt.
Der Ratsbeschluss im September ist demnach von entscheidender Bedeutung für die Zukunft des Projekts. Bund und Land Nordrhein-Westfalen hätten erhebliche Fördermittel für das Projekt in Aussicht gestellt, betonen SPD und CDU. „Diese Unterstützung setzt jedoch die Erneuerung des klaren Bekenntnisses der Stadt Wuppertal voraus. Mit einer positiven Entscheidung kann Wuppertal die einmalige Chance nutzen, ein Kulturprojekt von nationaler und internationaler Bedeutung zu verwirklichen.“
Die Grünen-Fraktion blickt kritisch auf die Kosten, sieht aber ebenso die Möglichkeiten, die damit verbunden sind, wie Dagmar Liste sagt. „Ich war Vorsitzende der Ratskommission Pina Bausch Zentrum. Wir sehen auch die Betriebskosten, die auf uns zukommen. Das ist schon beachtlich. Aber wann bekommt man schon mal die Chance auf solche Fördermittel?“
Der Name Pina Bausch sei weltweit anerkannt. „Sicher, man könnte sagen, das interessiert nur eine bestimmte Klientel, die solch ein Kulturangebot nutzt. Aber es gehen eben auch nicht alle Menschen in die Oper und nicht alle fahren mit der Schwebebahn. Sollen wir die deshalb nicht mehr betreiben? Wir sind eben nicht nur Schwebebahnstadt“, meint die Grüne. Sie erinnert sich an die Diskussion über den Bau einer Seilbahn in den 2010er-Jahren und zitiert eine Frau, die wohl sagte, sie brauche keine Seilbahn, weil sie Höhenangst habe. „Was ist das für eine Argumentation?“, fragt Dagmar Liste kopfschüttelnd. Das Zentrum bringe Wuppertal jedenfalls noch mehr nach vorne.
„Wann wird schon mal eine Frau mit einem solchen Bau geehrt?“
„Und die Vielfalt ist es, sie macht Wuppertal aus.“ Außerdem merkt die grüne Bürgermeisterin an: „Wann wird schon mal eine Frau mit einem solchen Bau geehrt? In den allermeisten Fällen sind es doch Männer, zu deren Gedenken gebaut wird. Das jetzt ist eine tolle und wichtige Aussage.“
Auch die Linken-Fraktion ist weiterhin davon überzeugt, dass das Pina Bausch Zentrum eine notwendige zentrale Investition in die kulturelle und damit auch soziale Infrastruktur der Stadt für die nächsten Jahrzehnte ist. „Nach aktuellen Berechnungen trägt die Stadt mit 112 Millionen Euro den Löwenanteil der Baukosten und setzt damit eine richtige Priorität in der Stadtentwicklung“, sagt Salvador Oberhaus und wiederholt die Forderung der Linken, stattdessen auf die geplante Bundesgartenschau 2031 zu verzichten. „Das PBZ ist viel mehr ist als die Probe- und Spielstätte des Tanztheaters und wir hoffen auf eine baldige Intensivierung des Austausches zu Konzept und Charakter des Zentrums als offener und inklusiver Kulturort.“
Auch die FDP/WfW-Fraktion steht zum kulturellen Erbe von Pina Bausch. Fraktionschefin Karin van der Most warnt aber mit Blick auf die laufenden Betriebskosten, von denen rund 3,4 Millionen Euro pro Jahr bei der Stadt hängen bleiben: „Ein Projekt dieser Größenordnung darf nicht zulasten anderer kommunaler Aufgaben wie Schulen, Straßen, Sicherheit, Digitalisierung und der Sanierung der städtischen Infrastruktur gehen.“ Ihre Fraktion erwarte vollständige Transparenz sämtlicher Kosten, eine belastbare Finanzierungsplanung sowie eine konsequente Kostenkontrolle. „Wir unterstützen kulturelle Leuchtturmprojekte – aber nicht um den Preis einer dauerhaften Überforderung des städtischen Haushalts.“
Letzteren Punkt sieht Susanne Herhaus (BSW) ähnlich. Sie sagt aber klar: „Mit der Sanierung des ehemaligen Schauspielhauses erhält eines der prägendsten Gebäude Wuppertals endlich wieder eine sinnvolle Nutzung.“ Gleichzeitig biete das Projekt die Chance, die Talachse aufzuwerten und die Attraktivität der Innenstadt weiter zu steigern.