Werther. Lesen regt an. Wer etwa wissen will, wie man eine Melonenschlacht mit Piraten erfolgreich bestreitet, der sollte in das Buch „Die unglaubliche Geschichte von der Riesenbirne“ eintauchen. „Das ist superwitzig geschrieben“, sagt Julia Sandmann, stellvertretende Stadtbibliotheksleiterin in Werther. Sie empfiehlt das illustrierte Werk des dänischen Cartoonisten Jacob Martin Strid für ein Lesealter zwischen „4 und 99 Jahren“.
Die unglaubliche Geschichte von der Riesenbirne ist nur eines von insgesamt 70 neuen Büchern der Stadtbibliothek Werther, die zur Teilnahme am diesjährigen Sommerleseclub anregen sollen. Ein anderer Buchtitel lautet „Generation glücklich“. Laut Julia Sandmann bringt das Sachbuch von Jonathan Haidt den Kindern bei, sich nicht in einer Welt von Social Media zu verlieren.
Sandmanns neue Kollegin Johanna Meyer indes empfiehlt ein älteres Werk aus dem Bestand. Ihr Lieblingsbuch trägt den Titel: „Vilja und die Räuber“: Geschrieben hat es die finnische Literaturwissenschaftlerin Siri Kolu. Darin lernt ein Mädchen, eine echte Räuberin zu sein. „Das macht richtig Spaß zu lesen“, sagt Johanna Meyer. Es eignet sich für Kinder ab acht Jahren.
Lesen als Antwort auf das Smartphone – auch Werther macht mit
„Ich glaube, man sollte überhaupt nur solche Bücher lesen, die einen beißen und stechen“, hat der deutsche Schriftsteller Franz Kafka einmal gesagt. Beißendes und Stechendes erweitert demnach den Horizont. Kurzum: Lesen bildet. Goethe zeigte sich selbst im hohen Alter noch demütig gegenüber dem Vorgang des Lesens: „Ich habe achtzig Jahre dazu gebraucht und kann noch jetzt nicht sagen, dass ich am Ziele wäre.“
Beiträge auf TikTok und Social Media konkurrieren mit dem Lesen. Wen wundert’s, dass das Land 2008 als Antwort auf das Smartphone die landesweite Veranstaltungsreihe Sommerleseclub einführte. Das vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes geförderte Projekt fördert das Lesen. Mehr als 150 Städte machen mit, darunter Werther.
Der Sommerleseclub in Werther startet am Donnerstag, 9. Juli, kurz vor Beginn der Schulferien. Die Mitarbeiterinnen der Stadtbibliothek nehmen dann während der regulären Öffnungszeiten zwischen 10 und 12 Uhr sowie zwischen 15 und 18 Uhr Anmeldungen entgegen. Ein späterer Einstieg ist jederzeit möglich.
Verantwortliche in Werther hoffen auf große Resonanz
Die Teilnahme ist kostenlos und möglich als Einzelperson oder in einer Gruppe bis fünf Personen – Alter egal. Im vergangenen Jahr haben mehr als 170 Leser mitgemacht. Mit einer ähnlich hohen Resonanz rechnen Johanna Meyer und Julia Sandmann auch dieses Jahr.
Teilnehmende bekommen nach ihrer Anmeldung von den Mitarbeiterinnen der Stadtbibliothek ein Logbuch ausgehändigt. Das funktioniert wie ein Lesetagebuch und enthält Platz zum Notieren von Lieblingsbüchern, Platz zum Einkleben von coolen Leseorten und zum Verfassen einer eigenen Kurzgeschichte.
Wer im Logbuch mindestens drei Stempel für Bücher, Hörbücher oder eine Veranstaltung der Bibliothek gesammelt hat, erhält eine Urkunde. Außerdem vergibt die Stadtbibliothek vier Oskars an herausragende Teilnehmer und Teilnehmerinnen: für das kreativste Logbuch, das schönste Lesebild, die meisten gelesenen Bücher und die schönste selbstverfasste Geschichte. Die Preisverleihung findet am Freitag, 4. Dezember, ab 15.30 Uhr im Haus Werther statt. Während der Feier tritt Felix Wohlfahrt mit der Zaubershow „Simsalabuch“ auf.
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