„Weit draußen im Meer lebte ein Fisch. Doch kein gewöhnlicher Fisch, nein. Er war der allerschönste Fisch im ganzen Ozean. Sein Schuppenkleid schillerte in allen Regenbogenfarben.“ Und deshalb wurde er von allen bewundert. So beginnt das Bilderbuch „Der Regenbogenfisch“ des Schweizer Autors und Illustrators Marcus Pfister. Es ist ein Klassiker, der 1992 erschien und sich rund 30 Millionen Mal verkaufte. Der Kinderchor der evangelischen Kirchengemeinde Cronenberg-Küllenhahn führt die Geschichte am Dienstag, 14. Juli, als Musical auf.
Für Kantor Martin Stürtzer, der den Chor leitet, geht es in der Geschichte um Freundschaft und die Erkenntnis, dass Teilen glücklich machen kann. Kinderliedermacher Detlev Jöcker hat aus dem Abenteuer ein Mini-Musical gemacht. Nach „Das Schneckenhaus“ probt Martin Stürtzer mit Kindern zwischen vier und elf Jahren also erneut eine Tiergeschichte. Eine, die in den Tiefen des Ozeans spielt.
Seit einem halben Jahr schwimmen die jungen Sängerinnen und Sänger mit dem Regenbogenfisch durch die Meere. Buchstäblich. „Unsere Chorproben sind lebendig, wir sitzen da nicht im Kreis“, betont der Leiter. Die Folge: Auch er habe „sehr gute Laune, wenn ich mit den Kindern arbeite. Mich reizt das, weil ich im Chor am meisten Kontakt mit Menschen habe und ein unmittelbares Feedback bekomme. Es gibt Kantoren, die damit zufrieden sind, ein Barock-Oratorium aufzuführen.“ Spöttisch gesagt: „Das kann jeder.“ Aber etwas mit Kindern zu erschaffen, sei herausfordernder. Es verpflichte zum Beispiel dazu, sehr präzise zu arbeiten. „Die Kinder würden mir aufs Dach steigen, wenn ich nichts vorbereitet hätte.“
Hinzu kommt die lockere Atmosphäre: „Man muss berücksichtigen, dass die Kinder nach der Schule oder der Kita zu den Proben gehen, mit Erlebnissen also schon vollgepackt sind. Da rennen wir zur Abwechslung auch mal eine Runde um die Kirche.“ Wie sich die Geschichte auf der Bühne gestaltet, basiere nicht allein auf einem Textheft: „Die Kinder sind immer beteiligt und bringen ihre Ideen ein.“ Dies gelte auch für Choreografien und Lieder: „Wenn wir merken, dass wir noch eine zusätzliche Strophe brauchen, dann denken wir uns gemeinsam was aus.“
Dazu entwarfen sie Kostüme – von den Fischen, dem Oktopus, dem Seestern. Das Bühnenbild sei minimalistisch, sagt Stürtzer, „wir sind ja nicht das Opernhaus“. Dafür komme Licht und Videoprojektion zum Einsatz, um das Meer im Zentrum Emmaus lebendig werden zu lassen.
Zunächst sei nur eine Aufführung geplant, „aber wenn es ein riesiger Hit wird, haben wir nichts dagegen, es noch einmal auf die Bühne zu bringen“, kündigt Stürtzer an.
Schon jetzt weist er darauf hin, dass nach den Sommerferien eine neue Chorrunde auf die Teilnehmer warte – und ein neues Stück. Die Proben beginnen am 8. September. Eine verbindliche Anmeldung sei nicht nötig, „aber wenn man mir vorher Bescheid sagt, wäre das hilfreich“. Voraussetzungen, um beim Kinderchor der Gemeinde mitzumachen, gebe es nicht. „Es ist ein offenes Angebot für alle. Wir sind eine inklusive Gruppe mit Kindern von der Förderschule bis zum Gymnasium – und es ist toll, zu sehen, wie alle aufeinander achtgeben.“ Der Kantor betont, dass es sich nicht um eine Singschule handle, „es gibt auch kein Vorsingen“. Gleichwohl bestehe der Anspruch, „dass etwas Anständiges dabei herauskommt“ und dass regelmäßiges Erscheinen wichtig sei.
Die Geschichte „Der Regenbogenfisch“ ist so liebevoll, dass sie in diesem Jahr auch in einer Produktion der Augsburger Puppenkiste ins Kino kommt. Als Kinostart ist der 19. November 2026 angegeben, Schauspieler wie Jannik Schümann, Bjarne Mädel und Andrea Sawatzki leihen den Tieren ihre Stimme. Dabei wird auch offenkundig: Freundschaft bildet den Kern der Erzählung, aber der „Regenbogenfisch“ passt in die heutige Zeit: Es geht um Eitelkeit, Stolz, soziale Ausgrenzung und die Frage, ob man seine Einzigartigkeit buchstäblich abgeben muss, um akzeptiert und integriert zu werden. Das zeigt auch die Bandbreite der Lieder: Sie reicht von Titeln wie „Ich bin der schönste Fisch im Meer“ bis zur Ballade „Traurig bin ich und allein“ – begleitet von Martin Stürtzer am Klavier.
Der Kinderchor der evangelischen Kirchengemeinde Cronenberg-Küllenhahn führt das 30-minütige Musical „Der Regenbogenfisch“ am Dienstag, 14. Juli, um 16 Uhr auf. Schauplatz ist das Zentrum Emmaus an der Hauptstraße 39 in Wuppertal-Cronenberg. Einlass ist dort ab 15.30 Uhr, der Eintritt ist frei.