Erst vor einigen Monaten hatte die Toilette ein neues Antlitz erhalten. Ein Wimmelbild einer typischen Kiez-Szene wurde im Dezember darauf angebracht, designt von einer Künstlerin. Doch jetzt ist die Toilette geschlossen – schon seit Monaten. Hintergrund sind Meinungsverschiedenheiten zwischen der Stadt und dem Betreuer der Anlage. Jetzt soll die Toilette sogar verschwinden.

Schon im Oktober hat das Unternehmen, das für die Betreuung und Reinigung der Eco-Toilette zuständig ist, nach Angaben der Stadt die Arbeit eingestellt. „Als Grund wurde der Wegfall des eingesetzten Subunternehmers genannt“, heißt es von der Verwaltung auf eine Anfrage der SPD/Volt-Fraktion in der Bezirksvertretung 3. Gleichzeitig habe das Unternehmen die Fortführung der Leistung „von einer erheblichen Erhöhung der Vergütung abhängig“ gemacht. Nach Ansicht der Stadt bestehe dafür jedoch keine vertragliche Grundlage, eine Einigung habe nicht erzielt werden können. Rechtliche Schritte wird die Stadt aber nicht einleiten, wie ein Sprecher auf Anfrage erklärte.

Und der Zustand der nun unbetreuten Toilette hat sich wohl dramatisch verschlechtert. „Aufgrund starker Verschmutzungen und missbräuchlicher Nutzung wäre zur Sicherstellung eines nutzbaren Zustands eine Verdoppelung der täglichen Reinigung erforderlich gewesen“, schreibt die Verwaltung in ihrer Antwort. Dadurch wären demnach zusätzlich jährliche Kosten in Höhe von rund 60.000 Euro entstanden. In den vergangenen Jahren kostete die Reinigung rund die Hälfte davon.

Und jetzt? Soll die Toilette sogar ganz verschwinden, der Abbau befinde sich aktuell in Planung, heißt es von der Verwaltung. Trotzdem wird ein Bedarf für eine Toilette in der Gegend auch von der Verwaltung weiterhin gesehen.

Die autarke Toilette – heißt: Sie ist nicht an die Kanalisation angeschlossen – wurde 2022 nicht zufällig an diesem Ort installiert. Die Idee stammte von der Bürgerinitiative Mintrop-Kiez. Diese hatte beobachtet, wie Menschen ihr Geschäft regelmäßig zwischen den Autos in den umliegenden Straßen verrichteten. Das Toilettenhäuschen war damals für die Nutzenden der anliegenden Notschlafstelle an der Graf-Adolf-Straße gedacht und sollte möglichen Konflikten zwischen Wohnungslosen und Anwohnern vorbeugen. Tatsächlich habe sich die Situation mit der Toilette deutlich verbessert, wie Omid Gudarzi, Sprecherin der Initiative, sagt, mit der Außerbetriebnahme aber auch wieder verschlechtert.

Das Entstehen neuer Probleme will die Stadt aber verhindern, auch wenn eine neue Toilette nicht vorgesehen ist. Stattdessen sei beabsichtigt, eine Toilettenanlage in der Notschlafstelle an der Graf-Adolf-Straße für wohnungslose Menschen zugänglich zu machen. Gudarzi sagt dazu: „Wir sind enttäuscht, können aber auch verstehen, dass es keinen Betreiber gibt und die Kosten zu hoch sind. Wenn guter Ersatz gefunden wird, sind wir zufrieden.“