Trotz dieser schwierigen Ausgangslage stellt sich der Oberliga-Rückkehrer sportlich bemerkenswert auf. Mit Mihai-Vladut Bitez und Caleb Kakra Awuah wechseln zwei ausgewiesene Torjäger zum Bekkamp. Beide sind klassische Mittelstürmer, unterscheiden sich aber in ihrem Spiel und könnten sich dadurch hervorragend ergänzen. Trainer Baris Saglam bekommt ein Angriffsduo, das in den vergangenen Jahren zusammen Tore beinahe am Fließband produziert hat.
Bitez erreicht sein großes Ziel
Besonders viel Geschichte steckt im Wechsel von Bitez. Der 33-Jährige war in der vergangenen Saison das Maß der Dinge unter den Torjägern der Landesliga Hansa. Für den Rahlstedter SC erzielte er laut FuPa-Datenbank 36 Treffer in 25 Spielen. Insgesamt sind dort für den beidfüßigen Angreifer 188 Einsätze und unglaubliche 210 Tore hinterlegt.
Dabei hatte sein Weg in die Oberliga zwischenzeitlich wie eine Enttäuschung ausgesehen. Ein geplanter Wechsel zum SC Vorwärts/Wacker Billstedt platzte. Bitez machte im FuPa-Gespräch aber deutlich, dass er seinen Plan deshalb nicht aufgeben werde: „Ich habe mir gesagt, dass ich ab Sommer in die Oberliga wechseln und dort weiter versuchen möchte, meine Tore zu erzielen.“
Nach der Absage erklärte er: „Leider haben sie mir abgesagt, aber ich werde nicht aufgeben, einen anderen Verein zu finden und dort zu spielen.“ Nun hat Bitez dieses Ziel erreicht. Statt bei Vorwärts/Wacker geht der Landesliga-Torschützenkönig bei Concordia erstmals in der Oberliga auf Torejagd.
Awuah bringt bereits Oberliga-Erfahrung mit
Awuah kennt die Oberliga dagegen bereits. Der Angreifer lief zuletzt für HT 16 auf und erzielte in der vergangenen Saison sechs Tore in 21 Einsätzen. Seine besondere Stärke zeigte sich vor allem in den Jahren zuvor, als er einen erheblichen Anteil am sportlichen Aufstieg des ältesten Sportvereins der Welt hatte.
In den Spielzeiten 2023/24 und 2024/25 traf Awuah in der Landesliga 51-mal in 54 Partien. Insgesamt kommt er auf 116 Tore in 162 Einsätzen. Diese Zahlen zeigen, dass auch er weit mehr als eine gewöhnliche Ergänzung für Concordias Offensive ist.
Der 28-Jährige bringt Körperlichkeit, Abschlussqualität und die Erfahrung einer kompletten Oberliga-Saison mit. Während Bitez nun erstmals den Schritt in Hamburgs höchste Spielklasse wagt, weiß Awuah bereits, welche Intensität und welche Widerstände ihn dort erwarten.
Saglam sieht in beiden keine unbeweglichen Strafraumstürmer. Im Gespräch mit Transfermarkt erklärte der Trainer, dass Concordia zwei klassische Neuner bekomme, die zugleich am Kombinationsspiel teilnehmen könnten. Genau das passe zur mutigen Spielidee des Aufsteigers.
Saglam setzt auf das Kollektiv
So beeindruckend die individuellen Torquoten sind, Saglam will den Fokus nicht allein auf seine beiden neuen Angreifer richten. „Wir leben vom Kollektiv und haben unsere Stärken auch darin, dass wir das Miteinander immer wieder in den Vordergrund rücken und auch fördern“, sagte der Trainer zu TM.
Bitez sei ein wichtiger Spieler, benötige aber wie jeder Torjäger die entsprechenden Zuspiele. Im Training habe sich die Abschlussstärke des neuen Duos bereits gezeigt: „Wir haben schon im Training gesehen: Wenn sie die Möglichkeit haben, machen sie die Dinger auch rein.“
Für Concordia eröffnet die Kombination viele Möglichkeiten. Bitez bringt eine seit Jahren konstante Torquote und enorme Erfahrung mit. Awuah ist jünger, körperlich präsent und kennt die Oberliga. Beide können im Zentrum spielen, sollen aber nicht nur auf den letzten Kontakt im Strafraum reduziert werden.
Qualität trotz schwieriger Bedingungen
Dass Concordia Spieler dieser Qualität verpflichten kann, ist angesichts der wirtschaftlichen Situation bemerkenswert. Nach dem sportlich verdienten Aufstieg fehlten zunächst die Mittel für Meldegebühren, organisatorische Kosten und die Anforderungen des Oberliga-Spielbetriebs. Eine Spendenaktion aus dem Mannschaftsumfeld sollte helfen, den Startplatz überhaupt wahrnehmen zu können.
Auch die Mannschaft trägt den gemeinsamen Weg mit. Saglam bedankte sich gegenüber Transfermarkt ausdrücklich bei den Spielern, die trotz der Widerstände und besonderen Herausforderungen finanzielle Abstriche gemacht hätten. „Wir haben uns gesagt, dass wir das, was wir uns aufgebaut haben, möglichst gemeinsam weiterentwickeln wollen. Und da steht das Monetäre erstmal im Hintergrund.“
Genau in diesem Spannungsfeld liegt die besondere Geschichte des Oberliga-Aufsteigers. Concordia ist finanziell nicht auf Rosen gebettet und bleibt auf Hilfe, Zusammenhalt und kreative Lösungen angewiesen. Sportlich gelingt es dem Klub dennoch, einen Kader zusammenzustellen, der nicht nur auf Klassenerhalt hoffen muss.
Der Aufsteiger bleibt damit ein schwer einzuschätzendes Team. Saglam selbst bezeichnet seine Mannschaft als „Überraschungsei“. Klar ist allerdings schon jetzt: Bekommt das neue Sturmduo die benötigten Zuspiele, besitzt Concordia im Kampf um den Klassenerhalt eine Waffe, die nicht viele Konkurrenten vorweisen können.
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