Früherer Herthaner

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Dennis Jastrzembski befindet sich nach einer Saison in Österreich auf Vereinssuche. Im Interview mit Transfermarkt betont der 26 Jahre alte Offensiv-Allrounder, für alle Richtungen offen zu sein und spricht zudem über seine bisherige Laufbahn, den Umgang mit schwierigen Situationen, sein Profidebüt und warum Pál Dárdai eine große Rolle für ihn spielt.
Transfermarkt: Herr Jastrzembski, Sie sind offiziell seit Anfang Juli vertragslos. Wann wurde Ihnen klar (gemacht), dass es in Graz nicht mehr weitergeht und welche Gründe waren ausschlaggebend?
Dennis Jastrzembski: Ehrlich gesagt wurde es mir am Mannschaftsabend erst klar, als ich das Abschiedstrikot bekommen hatte, da ich von niemandem eine Nachricht beziehungsweise Information bekommen hatte.
Transfermarkt: Bei Sturm Graz II kamen Sie, nachdem die Unterschrift dort Anfang September erfolgte, auf 24 Spiele und erzielten dabei drei Tore. Wie bewerten Sie Ihre Saison in Österreich?
Jastrzembski: Persönlich bin ich sehr froh darüber, dass ich viel Spielpraxis bekommen habe, sodass ich wieder auf meine Spiel-Fitness zurückgekommen bin. Die Liga und Taktik ist etwas anders als in Deutschland, aber alles in allem würde ich sagen, dass es ein schönes Erlebnis war, weil dort weniger Einfluss und Stress von außen auf einen zukommt.
Vertrauen für Jastrzembski bei Klubsuche „sehr wichtig“
Transfermarkt: Aktuell sind Sie auf Vereinssuche – Sie haben aber schon gesagt, dass Sie sich alle Anfragen anhören werden. Welches Land, welche Spielklasse, welche Perspektive würde Sie denn reizen? Und welche Faktoren sind Ihnen generell wichtig?
Jastrzembski: Sehr wichtig wäre mir, das Vertrauen zu bekommen und dass ich in guten Händen bin, sodass ich 110 Prozent geben und mich wohlfühlen kann. Wünsche über eine Spielklasse oder welches Land habe ich nicht. Ich komme aus Kiel – Holstein Kiel als Verein im Norden wäre natürlich ein Traum, weil dort meine Heimat ist. Fortuna Düsseldorf ist mir auch im Herzen geblieben, deshalb sehe ich das auch als realistische Alternative an, da der Verein und die Fans wissen, was ich kann und was ich für den Verein geleistet habe. Deutschland, der skandinavische Fußball, aber auch Österreich habe ich lieben gelernt.
Transfermarkt: Sie haben sich einen Namen gemacht, die ersten Vereine haben ihr Interesse bekundet. Das Passende war bisher aber noch nicht für Sie dabei. Warum?
Jastrzembski: Wie gesagt, für mich spielt der Wohlfühlfaktor eine große Rolle, aber natürlich auch die Spielidee des Trainers und was der Verein mit mir plant. Ich bin jemand, der sein Herz auf dem Platz lässt und alles dafür tut, dass man gemeinsam Erfolge feiert.
Zeit in Polen für Jastrzembski lehrreich gewesen
Transfermarkt: Den Fußball haben Sie schon von verschiedenen Seiten kennengelernt. In Polen waren Sie eineinhalb Jahre in der höchsten Spielklasse aktiv, für Slask Wroclaw erzielten Sie drei Tore in 50 Partien. Wie würden Sie Ihre Zeit dort beschreiben?
Jastrzembski: Meine Zeit dort würde ich als sehr gut beschreiben, weil ich viel mitnehmen und lernen konnte. Die Spielpraxis war sehr wichtig, ich war in der Zeit leider noch etwas jünger – wäre ich in dem jetzigen Alter dort, wäre ich erfahrener in jeglichen Situationen und würde bestimmt viel mehr auf mich aufmerksam machen können.
Transfermarkt: Welche Erfahrungen waren für Sie bei Ihrer ersten Auslandsstation besonders wichtig und haben Sie im Nachhinein geprägt?
Jastrzembski: Es war ein ganz anderer Fußball und der Spielstil war komplett anders als in Deutschland. Deshalb war es für mich die größte Erfahrung und Veränderung, die ich aber erleben musste. Dadurch habe ich bei vielen Spielsituationen anders reagiert und musste im Kopf klar bleiben.
Jastrzembski war bei Fortuna Düsseldorf mit Jokerrolle zufrieden
Transfermarkt: In Polen sind Sie 2023/24 noch in die Saison gestartet, als das Angebot von Fortuna Düsseldorf kam. Mit welchen Zielen kehrten Sie nach Deutschland zurück?
Jastrzembski: Ich kam voller Begeisterung und Vorfreude zurück nach Deutschland. Es war damals wie heute mein klares Ziel, mich in Deutschland durchzusetzen.
Transfermarkt: In Ihrer ersten Saison gelang dies nicht ganz und Sie liefen in 20 Zweitliga-Spielen für die Fortuna auf. Woran lag es Ihrer Meinung nach?
Jastrzembski: Ich bin völlig zufrieden gewesen mit meiner Situation als Joker, da mein Konkurrent Christos Tzolis war und er zu einem meiner besten Freunde wurde. Wir haben uns super verstanden und der Zusammenhalt in der Mannschaft war auch super. Jeden Einsatz, den ich bekommen habe, habe ich versucht zu nutzen und habe alles gegeben. Die Wertschätzung habe ich immer von der Mannschaft und von den Fans bekommen.
Transfermarkt: In der Saison 24/25 kamen Sie dort, auch aus Verletzungsgründen, gar nicht zum Einsatz, lediglich im DFB-Pokal wurden Sie eingewechselt. Für die Spielzeit 25/26 wurde mit Ihnen gar nicht mehr geplant. Wie erging es Ihnen?
Jastrzembski: Ich habe mir in einem Spiel meine Schulter ausgekugelt und hatte jeden Monat häufiger das Problem, dass sie wieder ausgekugelt wurde. Leider zog sich das ein Jahr lang, sodass es nicht mehr anders ging und ich operiert werden musste. Natürlich kam ich kaum mehr zum Einsatz, aber trotzdem wollte ich für die Mitspieler da sein und habe alles im Training gegeben. Positives Feedback habe ich von vielen Seiten bekommen, ob ich spiele oder nicht kann ich leider nicht entscheiden, deshalb spielten mein positives Mindset und der Zusammenhalt in der Mannschaft eine große Rolle für mich.
Transfermarkt: Welche Konsequenzen haben sich dadurch ergeben, wie sind Sie damit umgegangen?
Jastrzembski: Es war schwierig, etwas zu finden und es wurde auch nicht mehr so nett reagiert, aber eine große Rolle spielte Ísak Jóhannesson für mich, da er immer für mich da war und wir sehr gute Freunde geworden sind.
Jastrzembski hat mit Dárdai „bis heute noch guten Kontakt“
Transfermarkt: Ab dem höheren Jugendalter haben Sie bei Hertha BSC gespielt und dort sämtliche U-Mannschaften durchlaufen. Wer war in Berlin Ihr größter Förderer, an welche sportlichen Erlebnisse denken Sie gerne zurück?
Jastrzembski: Ich würde sagen, alle Trainer spielen eine große Rolle bei der Entwicklung. Pál Dárdai war mein erster Trainer in der U15 und unter ihm durfte ich auch mein Profidebüt geben. Es war eine große Ehre und bis heute habe ich noch guten Kontakt zu ihm, da er immer für mich da war und ich mit Palkó und Márton auch zusammengespielt habe. Jörg Schwanke brachte mir Disziplin und Mentalität bei, es waren tolle Jahre mit ihm und Andreas Thom war dazu unser Stürmer-Trainer. Michael Hartmann brachte uns Kreativität und Lockerheit bei, sodass wir unter ihm auch Deutscher Meister wurden.
Transfermarkt: In der Hauptstadt durften Sie Ihr Erstligadebüt feiern. Was ist Ihnen da besonders in Erinnerung geblieben?
Jastrzembski: Besonders haften bleibt natürlich das Debüt als Profi. Hertha BSC wird immer in meinem Herzen bleiben, weil ich meine ganze Jugend in Berlin verbracht habe. Pál Dárdai spielt für mich eine große Rolle und ist ein ganz wichtiger Faktor, da er mich mit seiner Mentalität und Art an meinen Vater erinnert.
Transfermarkt: Bei Hertha hat es für den großen Durchbruch aber nicht gereicht. Woran lag es?
Jastrzembski: Es lag an verschiedenen Meinungen, genau ins Detail möchte ich da nicht gehen. Was ich aber sagen kann und möchte, ist, dass ich sehr traurig über meinen Abschied war.
Transfermarkt: Sie wurden von dort zum SC Paderborn ausgeliehen, mit dem Sie dann aus der Bundesliga abgestiegen sind. Ganz ehrlich: Wie nahe ging Ihnen das und wie haben Sie das verarbeitet?
Jastrzembski: Natürlich war es sehr schade, aber jede Erfahrung war wichtig für mich. Man kann nicht nur Erfolge sammeln, sondern man muss auch Niederlagen mitnehmen, um erwachsener zu werden.
Jastrzembski über seine Schnelligkeit und ein ganz besonderes Spiel
Transfermarkt: Ihr großes Faustpfand sind Ihr Antritt und Ihre Schnelligkeit – wie oft trainieren Sie das und was ist Ihre gemessene Höchstgrenze?
Jastrzembski: Ich habe das Glück, dass ich damit geboren wurde. Bei Sturm Graz war es das erste Mal, dass wir es gezielt jedes Training geübt haben und ich somit eine Höchstgeschwindigkeit von 37,31 km/h im Spiel gegen FC Lieferring erreichen konnte.
Transfermarkt: Sie haben schon einige Partien absolviert. Aber gibt es dieses eine besondere Spiel, bei dem Sie, wenn Sie darüber nachdenken, Gänsehaut bekommen?
Jastrzembski: Für mich war es das Spiel gegen Kaiserslautern mit Fortuna Düsseldorf. Wir lagen 0:3 hinten und haben noch 4:3 gewonnen. Ich spielte zwar keine Minute, aber ich hatte das Gefühl, als wäre ich auf dem Platz gewesen.
Transfermarkt: Was machen Sie, wenn Sie nicht auf dem Fußballplatz stehen?
Jastrzembski: Ich verbringe meine Zeit gern am Wasser, gehe spazieren oder treffe mich mit Freunden und meiner Familie.
Transfermarkt: Bitte erzählen Sie uns abschließend ein besonderes Erlebnis aus Ihrem Sportlerleben.
Jastrzembski: Ich habe nicht dieses eine Erlebnis im Kopf. Oft denke ich aber daran, wie es angefangen hat. Ich wurde in der Kreis-Auswahl aussortiert, aber habe weiter hart gearbeitet und schaffte es bis zur U-Nationalmannschaft und in die 1. Bundesliga.
Interview: Sven Bauer (Lapdog)
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