Es ist wieder so weit: Theaterneulinge, die nach einem Studium im Bereich Ballett, Orchester oder Musiktheater beim Jungen Theater Mönchengladbach erste Bühnenerfahrungen sammeln konnten, verabschieden sich. Für manche von ihnen geht es nun in die Sommerpause, andere haben anderswo ein Engagement gefunden. Für Mittwoch, 8. Juli, haben sie selbst eine 90-minütige Abschiedsvorstellung ausgearbeitet. In der ersten Hälfte präsentieren sie einzeln oder in Kleingruppen ihr Können.

Besonders beeindruckt Alexandra Huguet Gély mit ihrem Querflötensolo „Camino“. Dabei bespielt sie das Instrument auch am Rand des Mundstücks und klopft mit dem Instrument gegen den Notenständer, um weitere Klänge zu erzeugen. Demnächst wird sie im Orchester des Bayerischen Rundfunks zu hören sein. Der Sopran Jeanne Jansen und Tenor Ramon Mundin hingegen bleiben auch in der nächsten Spielzeit beim Jungen Theater.

Erkenntnisse durch die Zeit beim Jungen Theater

Zwischen den Auftritten interviewt die Leiterin Katja Bening den Theater-Nachwuchs. Mezzosopran Bettina Schaeffer gibt dabei an, durch ihren Auftritt in „Die Passagierin“ gemerkt zu haben, dass „Stücke mit aktuellerem Hintergrund auch Neulinge in die Oper locken können“. Und Bariton Jeconiah Retulla hat kein Lieblingsstück, sondern einen Lieblingsmoment in jeder Probenphase: „Wenn man sich das erste Mal im Spiegel sieht, mit Kostüm und Maske, dann lernt man seinen Charakter noch einmal ganz neu kennen.“

Musiker Aleksander Simionov spielt im Orchester das Schlagwerk und beherrscht somit besonders viele Instrumente. Das Absurdeste, das er jemals gespielt habe, sei eine Bierkiste gewesen, sagt er. Beim Abschiedskonzert des Jungen Theaters hat er sich für die Marimba entschieden. Anton Brezinka begleitet die meisten Auftritte am Klavier.

Planänderungen beim Auftritt

Der Bereich Ballett musste kurzfristig umdisponieren, weil Tänzerin Camilla Ferrari mit dem Fuß umgeknickt war. Choreograf Ryan Drobner änderte daher die Choreografie zu „Habits and Patterns“ von Loraine James, sodass Anna Jakobs und Emilio Cangá Diego auch zu zweit auftreten konnten. Für die Tänzerinnen und Tänzer ist es etwas Besonderes, bei spartenübergreifenden Auftritten zu tanzen, während Musiker und Sänger mit auf der Bühne stehen. „Dann spürt man richtig die Vibrationen der Musik“, sagt Diego.

An einem solchen Erlebnis lässt das Junge Theater die Gäste im zweiten Akt teilhaben. Gespielt werden Lieder von Johannes Brahms. Die Sängerinnen und Sänger stehen auf einem Podest, interagieren aber auch mit den Tänzern. Besonders einprägsam ist eine Szene, in der Mundin „Ein hübscher, kleiner Vogel“ singt und dabei abwechselnd mit Jakobs und Ferrari tanzen soll. Wegen Ferraris Ausfall schlüpft hier Choreograf Luca Villa selbst in ein schwarzes Kleid und tanzt die zweite Frauenrolle. Davon lassen sich Mundin und die anderen nicht aus der Fassung bringen. Am Ende des Abends sind sich die Gäste einig, eine ganz besondere Aufführung gesehen zu haben. Sie freuen sich darüber, dass so viele Talente in Mönchengladbach zu finden sind.