Hackerangriff
Stand: 09.07.2026 17:00 Uhr
Die Kriminalität im Internet nimmt nicht nur in Sachsen zu. Oft ist der Schaden groß, wenn Hacker illegal auf Daten zugreifen und womöglich Geld erpressen. Aktuell beschäftigt ein Cyberangriff auf einen Webshop für Fotos, darunter für Kinderbilder, die Polizei und Staatsanwaltschaft. Betroffen sind zahlreiche Eltern und weitere Kundinnen und Kunden in Sachsen, deren Fotos eingestellt waren.
Unbekannte haben im Mai das Portal „Portraitbox“ lahmgelegt und vermutlich viele Kinderbilder gestohlen. Wie Fotografen in Sachsen berichten, hatten auch sie in der „Portraitbox“ Bilder eingestellt, darunter von Kitas, Schulen und Festen. Nach Angaben der Sächsischen Datenschutz- und Transparenzbeauftragten gingen bislang 71 Meldungen von Fotografinnen und Fotografen ein, die die Plattform genutzt haben. Wie die Behörde MDR SACHSEN auf Anfrage weiter mitteilte, sei eine Beschwerde einer betroffenen Person eingegangen.
Spezialisten für Cybercrime ermitteln
Wie das Landeskriminalamt Sachsen (LKA) MDR SACHSEN mitteilte, ist der Behörde der Hackerangriff auf die Fotoplattform bekannt. Da die Server des IT-Dienstleisters aus Nordrhein-Westfalen gehackt wurden, laufen dort die Ermittlungen. Dort hat inzwischen die die Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Cyberkriminalität in Köln den Fall übernommen. Wie ein Sprecher MDR SACHSEN sagte, wird gegen Unbekannt ermittelt.
Video:
Alltägliche Gefahr: Schutz vor Cyber-Angriffen wird immer wichtiger (6 Min)
Betroffener Fotograf: Angriff ist „Supergau“
Ein betroffener Fotograf in Nordsachsen bezeichnete den Fall im Gespräch mit MDR SACHSEN als „Supergau“. Wie der Fotograf, der anonym bleiben möchte (Name liegt dem MDR vor), berichtete, wurde zunächst eine „technische Störung“ bei Portraitbox angezeigt. Tage später habe der Betreiber einen Hackerangriff gemeldet. „Ich habe mich gleich mit betroffenen Fotografen zusammengesetzt. Keiner wusste, wie es jetzt weitergeht, ob die Firma dann pleite ist und ob und wieviel Lösegeld geflossen ist.“ Für sein Fotostudio habe es einen „kompletten Stillstand“ von mehreren Wochen gegeben. „Ausgerechnet in unserer Hauptsaison im Mai und Juni.“
Keiner wusste, wie es jetzt weitergeht, ob die Firma dann pleite ist und ob und wieviel Lösegeld geflossen ist.
Von Cyberangriff betroffener Fotograf in Nordsachsen
Große Verluste für Fotostudio
Die Folgen seien für das Fotostudio sehr aufwändig gewesen: Mehrere tausend Kunden, darunter Kitas und Schulen, hätten einzeln per Mail informiert werden müssen. Dazu habe er sich um einen neuen Online-Shop kümmern müssen. „Es war viel Arbeit und Anstrengung, die Vorschaubilder neu einzupflegen. Alle Passwörter stimmten nicht mehr.“ Auch die sächsische Datenschutzbeauftragte sei informiert worden. Die meisten seiner Kunden hätten zwar verständnisvoll reagiert, doch für ihn war es ein großes Verlustgeschäft.
Angreifer drohen mit Veröffentlichung
Auch ein Fotograf aus Leipzig konnte vorübergehend nicht auf das Bestellsystem zugreifen und informierte seine Kunden. Demnach hatten die unbekannten Angreifer die auf „Portraitbox“ gespeicherten Daten heruntergeladen und anschließend auf den Servern gelöscht. „Wir müssen Sie darüber informieren, dass die Angreifer damit drohen, die heruntergeladenen Daten zu veröffentlichen“, hieß es in der Mitteilung.
- Nachfragen, ob eigene Fotos von Datenleck betroffen sind.
- Passwort ändern und neues sicheres Kennwort wählen.
- Pishingmails ingnorieren und keine Links anklicken.
- Schäden und Kosten dokumentieren für Schadensersatzforderungen.
Quelle: Verbraucherzentrale Sachsen

Die Verbraucherzentralen helfen Betroffenen von Datenlecks dabei, Schadenersatzansprüche anzumelden. (Symbolbild)
„Keine Links anklicken“
Was können Betroffene dagegen tun? Expertin Stefanie Siegert von der Verbraucherzentrale Sachsen (VZS), rät, bei Fotografen nachzufragen, ob eigene Bilder von dem Datenleck betroffen sind. Sie empfiehlt, das alte Passwort durch ein neues und sicheres Kennwort zu ersetzen. Das sei „zwingend geboten“, wenn für „Porträtbox“ dasselbe Kennwort wie für andere Online-Konten verwendet wurde. Mails sollten auf Phishingversuche geprüft werden. „Klicken Sie nicht auf Links oder geben irgendwo Daten ein.“

Werde der Plattform oder deren technischem Dienstleister eine selbstverschuldete Sicherheitslücke nachgewiesen, könne es zu einer Haftung gegenüber den Kunden und dem Fotografen kommen, so Siegert. Das Internet nach gestohlenen Bildern zu durchforsten, sei etwa mit einer Rückwärtssuche möglich, wie sie etwa Google anbiete. „Bei Kinderbildern ist das eine sensible Sache. Das sollte man sich gut überlegen.“ Im Darknet sei eine systematische Suche gar nicht möglich.
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MDR (wim)