Baustelle einer Müllverbrennungsanlage in Hamburg-Bahrenfeld.

AUDIO: Müllverwertungsanlage ZRE: Das Urteil der Wirtschaftsprüfer (1 Min)

Stand: 09.07.2026 17:00 Uhr

Beim Bau einer neuen Müllverwertungsanlage im Hamburger Stadtteil Bahrenfeld drohen Mehrkosten von mehr als einer halbe Milliarde Euro – Fertigstellungsdatum ungewiss. Wirtschaftsprüfer stellten den Verantwortlichen für das Bau- und Finanzdesaster ein vernichtendes Zeugnis aus.

Der Aufsichtsrat der Stadtreinigung sei angesichts der Verzögerungen und der absehbaren Mehrkosten „nicht angemessen und zeitnah unterrichtet“ worden, heißt es im Bericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte. So klare Worte finden Wirtschaftsprüfer selten.

Bis zu 780 Millionen Euro Kosten

Das Zentrum für Ressourcen und Energie (ZRE) wird seit April 2023 gebaut und sollte ursprünglich 2025 fertig sein. Doch das konnte nicht gehalten werden. Die am Anfang einkalkulierten Kosten in Höhe von rund 234 Millionen Euro stiegen zunächst auf 534 Millionen Euro, der Fertigstellungstermin rückte auf 2026/2027. Ende April stellte sich dann jedoch heraus, dass alles noch viel schlimmer ist: Dem am Mittwoch vom Aufsichtsrat der Stadtreinigung beschlossenen Lagebericht zufolge wird inzwischen mit Kosten von 720 bis 780 Millionen Euro gerechnet. Weitere jahrelange Verzögerungen gelten als sicher.

Fegebank: „Ärgert mich maßlos“

Die Aufsichtsratsvorsitzende und Umweltsenatorin Katharina Fegebank (Grüne) sagte am Donnerstag: „Das, was uns gestern im Aufsichtsrat von den Wirtschaftsprüfern bestätigt wurde, ärgert mich maßlos.“ Dem Aufsichtsrat seien essenzielle Informationen über Kosten und Termine über lange Zeit bis Ende vergangenen Jahres vorenthalten worden. Das sei „ein klarer Vertrauensbruch“.

Man prüfe rechtliche Schritte gegen die damals Verantwortlichen, darunter den ehemaligen Geschäftsführer der Stadtreinigung, der im Dezember in den Ruhestand gegangen ist.

CDU will Haftungsprüfung auch für Aufsichtsrat

Der CDU in der Bürgerschaft reicht das nicht aus. Sie fordert auch eine Haftungsprüfung gegen die Mitglieder des Aufsichtsrates – also auch gegen Fegebank. Es müsse geklärt werden, ob der Aufsichtsrat seinen gesetzlichen Kontrollpflichten ausreichend nachgekommen ist, sagte ein Sprecher.

Faultuerme des Klaerwerks Koehlbrandhoeft in Hamburg

Nach Kostensteigerungen bei Projekten von Hamburg Wasser und Stadtreinigung wollte die CDU vom Senat wissen, ob das Einzelfälle sind. Doch auch weitere Planungen laufen aus dem Ruder.

Baustelle einer Müllverbrennungsanlage in Hamburg-Bahrenfeld.

Beim Bau einer neuen Müllverwertungsanlage in Hamburg drohen erhebliche Mehrkosten. Umweltsenatorin Fegebank geriet deshalb in der Bürgerschaft unter Druck.

Baustelle einer Müllverbrennungsanlage in Hamburg-Bahrenfeld.

Statt der ursprünglich geplanten 234 Millionen Euro könnte die Hamburger Müllverwertungsanlage bis zu 750 Millionen kosten.