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Wladimir Putin ist einer der bestbewachten Männer dieses Planeten. Sein Sicherheitsapparat wächst und wächst. Aber wer bewacht die Wächter? Das fragt sich Wladimir Kaminer.
Zum vierten Mal seit Beginn des Kriegs hat der russische Präsident den Kern seines Sicherheitsdienstes FSO erweitert. Das Zentralkomitee der Präsidentenbewachung wurde vergrößert und aufgemotzt, von 780 auf 812 Personen, berichteten die regimetreuen Medien des Landes. Die Beobachter wundern sich, warum das mitten im Sommer passiert – und nicht wie vorher am Ende jedes Jahres. Vielleicht aufgrund des fluiden Sicherheitskonzeptes, das permanent verändert und angepasst werden soll an die Erfordernisse der Zeit.
Möglicherweise haben die neuesten Ereignisse im Iran und in Venezuela dazu beigetragen, das eigene Sicherheitskonzept noch einmal zu überdenken. Die amerikanische Führung hat die Weltpolitik in ein Spiel ohne Regeln verwandelt; es scheint zu einer gefälligen politischen Geste zu verkommen, die Machthaber eines anderen Staates gezielt und direkt anzugreifen.
(Quelle: Frank May)Zur Person
Wladimir Kaminer ist Schriftsteller und Kolumnist. Er wurde 1967 in Moskau geboren und lebt seit Jahrzehnten in Deutschland. Zu seinen bekanntesten Werken gehört „Russendisko„. Kaminers aktuelles Buch ist „Das geheime Leben der Deutschen„, sein nächstes Buch „Müttertage. Geschichten von den Heldinnen des Alltags“ erscheint am 19. August 2026.
Vielleicht aber ist es im Fall Russlands dem fortgeschrittenen Alter des Präsidenten geschuldet, dessen Bedürfnis nach Sicherheit immer größer wird. Selbst ein ehemaliger Sicherheitsoffizier, betonte der Präsident immer wieder, dass die Frage der Sicherheit über alle anderen Fragen Vorrang hat. Für ein autokratisches Regime stimmt das sogar.
Denn was nützen diesem Staat wirtschaftliche oder militärische Erfolge, wenn das Oberhaupt, also der Kopf, nicht mehr da ist? Deswegen bekommen die Sicherheitsdienste in Russland immer mehr Macht, allen voran der FSO. Dazu muss man wissen, dass das Zentralkomitee der Bewachung nur die Kernabteilung des Sicherheitsdienstes ist. Es sind ausgewählte Personen, die im direkten Kontakt mit dem Präsidenten arbeiten, sein Essen vorkosten, seine Trinkflasche kontrollieren, den Koffer mit seinen Exkrementen (die persönliche Biotoilette) mitschleppen.
Absurder geht es nicht
Die anderen Abteilungen, die für Drohnen- und Raketenabwehr des Präsidenten zuständig sind, für den Schutz seiner Reiserouten und für die Logistik seiner öffentlichen Auftritte, gehören nicht zum engen Kreis. Der Gerechtigkeit halber muss an dieser Stelle gesagt werden, dass das Bedürfnis nach Sicherheit nicht nur in Russland, sondern überall auf der Welt gestiegen ist. Die Branche verschluckt unheimliche Summen, es werden keine Kosten gescheut.
Von humorigen Politologen wird es als eine humanistische Entwicklung aufgefasst: Die Wertschätzung des menschlichen Lebens ist größer geworden, die Sicherheitsexperten bieten ihre Dienste an. Dagegen ist erst einmal nichts zu sagen; natürlich ist die Sicherheit wichtig, man darf bloß sein Leben nicht allein nach den Anweisungen der Sicherheitsexperten richten, weil diese Menschen dir dein Leben zur Hölle machen können.