Als Han-Noah Massengo Mitte Juli 2025 seinen Fünf-Jahres-Vertrag in der Geschäftsstelle des FC Augsburg unterzeichnet hatte und dann seine kleine analoge Kamera aus der Jackentasche holte und darum bat, alles fotografieren zu dürfen, war Geschäftsführer Michael Ströll perplex: „Wir haben gedacht, was ist jetzt los. Das war total abstrus. So was hatten wir noch nie erlebt. Aber das hat schon damals gezeigt, was für ein besonderer Mensch Han-Noah ist.“

Viele FCA-Kollegen kommen zur Eröffnung der Fotoausstellung

Fast genau ein Jahr später eröffnete Ströll am Donnerstag in der Augsburger Galerie Ecke am Elias-Holl-Platz die Fotoausstellung seines Fußball-Profis. Wo sonst abstrakte Malerei oder kühle Skulpturen das Augsburger Kulturpublikum anziehen, drängen sich ungewohnte Gäste.

Noahkai Banks, Alexis Claude-Maurice, Chrislain Matsima (von links) und Jannick Keitel (rechts) feiern mit Han-Noah Massengo die Eröffnung seiner Fotoausstellung.

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Noahkai Banks, Alexis Claude-Maurice, Chrislain Matsima (von links) und Jannick Keitel (rechts) feiern mit Han-Noah Massengo die Eröffnung seiner Fotoausstellung.
Foto: Christian Kolbert

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Noahkai Banks, Alexis Claude-Maurice, Chrislain Matsima (von links) und Jannick Keitel (rechts) feiern mit Han-Noah Massengo die Eröffnung seiner Fotoausstellung.
Foto: Christian Kolbert

Mannschaftskameraden wie Chrislain Matsima, Yannick Keitel, Robin Fellhauer, Alexis Claude-Maurice oder Noahkai Banks stehen mit Fans und Kunstkritikern vor den analogen Fotografien.

Ein Foto entstand in der Toilette

Ein Bild zeigt zum Beispiel den ungeschönten Kabinenboden, übersät mit Tape-Resten und leeren Energiedrinks. Es gibt Bilder aus dem Bus, vom Trainingsalltag, aber auch von der Toilette. Vom duschenden Anton Kade, oder von Betreuer Salvatore Belardo. Massengo fotografierte überall mit seinen kleinen Analogkameras. Die Filme schickte er dann zu einem Freund nach Paris zum Entwickeln. „Ich liebe an der Analogfotografie den Prozess der Entstehung und die Inspiration“, erzählte er von seiner zweiten Leidenschaft nach dem Fußball.

Die analoge Kamera war während der Saison überall dabei

Das Fotografieren entdeckte Massengo während seiner Zeit bei Bristol City, wo er von 2019 bis Januar 2023 unter Vertrag stand. Es folgten die Stationen Auxerre, Burnley und dann Augsburg. Mit dabei: die analogen Kameras. Nach dem Freiburg-Erfolg zum Saisonstart wurde die Kamera in der Hand des kompromisslosen Mittelfeldabräumers zum festen Ritual, zum fast unsichtbaren Begleiter, der nicht voyeuristisch draufhält, sondern als empathischer Insider dokumentiert.

„Anyone knows how to say behind the scenes in German“ („Weiß jemand, wie man ‚hinter den Kulissen’ auf Deutsch sagt?“) heißt die Ausstellung. Damit hat der Franzose, der am Dienstag seinen 25. Geburtstag feierte, etwas geschaffen, das im hochglanzpolierten Millionengeschäft des modernen Profifußballs Seltenheitswert besitzt: Authentizität.

FC Augsburg vertraut Han-Noah Massengo bei der Auswahl der Bilder

Kein einziges der aus über 600 Fotos ausgewählten Bilder („Hier sind vielleicht fünf Prozent.“) wurde zensiert. Das kam Michael Ströll gar nicht in den Sinn. „Er ist ein sensibler Geist und vertrauenswürdig. Er weiß, was man zeigen kann oder auch nicht. Er konnte alles offenlegen, was er für richtig hielt.“ Der Verein unterstützte das Vorhaben von der ersten Idee an. „Han kam vor ein paar Monaten mit der Idee ein Fotobuch zu machen, zu uns und dann reifte die Idee zu einer Ausstellung“, erzählte Ströll begeistert.

Ströll: Han-Noah Massengo inspiriert seine Mitspieler

Für die Mannschaft sei solch ein Freigeist Gold wert. Massengos unkonventioneller Blick schärft das Bewusstsein seiner Kollegen dafür, den eigenen Beruf aus einer reflektierteren Perspektive zu betrachten. Ströll sagte: „Er steigt sehr tief ein, stellt Fragen wie wenig andere Spieler. Er ist ein sehr intelligenter Mensch, der über den Tellerrand hinausblickt. Er gibt der Mannschaft viel. Nicht nur auf, sondern neben dem Platz. Er inspiriert seine Mitspieler.“

Für den Franzosen ist die Fotografie nicht nur Hobby, sondern auch Mittel für eine Botschaft. „Mit diesen Bildern wollte ich die Distanz zwischen Spielern und Fans ein Stück weit verringern.“ Er zeigt diese oft abgeriegelte Welt: ungeschönt, menschlich, aber auch kunstvoll.

Jana Schwindel, Vorsitzende der KVA Die Ecke e.V. sagte dazu: „Massengos Arbeiten bewegen sich an spannender Schnittstelle zwischen dokumentarischer Fotografie und Streetfotografie.“ Er sei ein Künstler.

FCA startet am Montag wieder in das Training

Doch zuallererst ist er Angestellter beim FCA. Am Montag (14.30 Uhr) beginnt mit dem Trainingsauftakt wieder die Realität des Profialltags. Massengo hat in seiner ersten Bundesliga-Saison mit seinen Leistungen auf sich aufmerksam gemacht. Das weiß auch Ströll. „Ihn so lange wie möglich im Verein zu halten ist das Ziel, aber da darf man nicht zu romantisch und naiv sein.“ Doch er fügt an: „Han gibt uns jederzeit das Gefühl, dass er Bock hat, die Saison mit uns zu bestreiten. Von daher ist ein Wechsel gar kein Thema für uns.“

Die Ausstellung ist ab sofort in der Ecke Galerie zu sehen und noch bis Samstag, 8. August, geöffnet. Der Eintritt ist frei. Geöffnet ist die Galerie donnerstags und freitags von 12 bis 18 Uhr sowie samstags von 11.00 bis 17 Uhr. An diesem Samstag gibt Massengo außerdem von 12 bis 13 Uhr eine Autogrammstunde. Der Erlös aus dem ganzen Projekt kommt am Ende einem guten Zweck zugute.