Ein gutes Gehalt gilt für viele Menschen als Maßstab für ein gutes Leben. Doch wer schon einmal von der teuren Großstadt in eine Kleinstadt gezogen ist, weiß: Entscheidend ist nicht nur, was auf dem Konto landet, sondern auch, was davon übrig bleibt. Denn zwischen Miete und Lebenshaltungskosten zeigt sich schnell, wie unterschiedlich der Geldwert sein kann.

Während Metropolen mit hohem Gehalt locken, verschlingt der steigende Lebensunterhalt oft einen großen Teil davon. Gleichzeitig gibt es weniger prominente Regionen, in denen das verfügbare Einkommen deutlich mehr Kaufkraft entfaltet.

Eine aktuelle Auswertung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln macht diese Unterschiede nun sichtbar. Das Kaufkraft-Ranking zeigt, wo Menschen sich in Deutschland am meisten leisten können.

Wo ist das Gehalt in Deutschland am meisten wert?

Entscheidend ist laut der Studie nicht allein die Höhe des Einkommens, sondern dessen Verhältnis zu den lokalen Lebenshaltungskosten. Das IW setzt nach eigener Pressemitteilung Einkommen und regionale Preise für Konsumgüter und Dienstleistungen ins Verhältnis. So entsteht ein Wert, der die Regionen vergleichbar macht und ein genaueres Bild vom Wohlstand liefert.

Die Stadt Heilbronn liegt bundesweit nach IW-Angaben an der Spitze des sogenannten „preisbereinigten Einkommens“. Hier verfügten die Menschen im Jahr 2023 über ein reales Pro-Kopf-Einkommen von 39.424 Euro jährlich. Heilbronn sei jedoch ein Einzelfall, da hier Einnahmen aus Gewerbebetrieben eine große Rolle spielen. Die Autoren weisen darauf hin, dass der Durchschnittswert dadurch verzerrt sein kann.

Warum reicht ein hohes Gehalt allein nicht aus?

Dass ein Spitzengehalt nicht automatisch zu hoher Kaufkraft führt, verdeutlicht der Landkreis Starnberg. Dort erzielen die Menschen mit rund 44.500 Euro im Jahr zwar das höchste nominale Gehalt bundesweit, landen im Ranking aber nur auf Platz zwei. Der Grund: Das Preisniveau liegt nach IW-Information rund 14 Prozent über dem Bundesdurchschnitt.

Nach Abzug dieser höheren Lebenshaltungskosten bleiben den Bewohnern real etwa 39.200 Euro. Wie aus einer Meldung der Deutschen Presse-Agentur (dpa) hervorgeht, zeigt sich an diesem Beispiel deutlich, dass erst die Kombination aus Einkommen und Preisen über den tatsächlichen Wohlstand entscheidet.

In welchen Regionen profitieren Arbeitnehmer besonders von niedrigen Preisen?

Wie die Studie mitteilt, ist auffällig, dass viele der vorderen Plätze nicht von Großstädten, sondern von ländlichen Regionen belegt werden. So folgen hinter den Spitzenreitern unter anderem der Landkreis Rhön-Grabfeld und Neuwied, wie das IW mitteilt.

PlatzLandkreis/StadtPreisbereinigtes Pro-Kopf-Einkommen
1

Heilbronn 39.424 2

Landkreis Starnberg 39.224 3

Landkreis Rhön-Grabfeld 38.479 4

Landkreis Neuwied 37.441 5

Landkreis Miesbach 37.078 6

Landkreis Erlangen-Höchststadt 36.804 7

Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge 36.385 8

Hochtaunuskreis 36.080 9

Landkreis Mainz-Bingen 35.814 10

Kreis Olpe 34.437

Diese Regionen profitieren häufig von vergleichsweise niedrigen Lebenshaltungskosten. Laut dem Kölner Institut liegt das Preisniveau in Rhön-Grabfeld beispielsweise sieben Prozent unter dem Bundesdurchschnitt. Die dpa spricht in diesem Zusammenhang von „Hidden Champions“ – Regionen, die nicht zu den klassischen Wohlstandszentren zählen, aber dennoch eine hohe reale Kaufkraft aufweisen. Nach IW-Angaben sind folgende Faktoren für eine hohe Kaufkraft relevant:

  • moderates Preisniveau, insbesondere bei den Mieten
  • solide, teils überdurchschnittliche Einkommen
  • geringere Lebenshaltungskosten im Alltag

Warum schneiden Großstädte im Kaufkraft-Ranking schlechter ab?

Am unteren Ende des Rankings finden sich vor allem Städte mit strukturellen Problemen oder besonders hohen Kosten. So bildet Offenbach am Main laut der Studie das Schlusslicht. Auch Städte im Ruhrgebiet wie etwa Gelsenkirchen oder Duisburg schneiden schwach ab, hier vor allem wegen niedriger Einkommen.

PlatzLandkreis/StadtPreisbereinigtes Pro-Kopf-Einkommen
391

Halle (Saale) 24.184 392

Freiburg im Breisgau 23.949 393

Frankfurt (Oder) 23.940 394

Bremerhaven 23.477 395

Ludwigshafen am Rhein 23.144 396

Herne 23.082 397

Kaiserslautern 23.070 398

Duisburg 22.236 399

Gelsenkirchen 21.469 400

Offenbach am Main 21.430

Doch auch wirtschaftsstarke Metropolen landen weiter hinten. Großstädte wie Hamburg, Frankfurt am Main oder Berlin erreichen ebenfalls hintere Plätze, so das IW. Dies hat allerdings einen anderen Grund: Hohe Mieten und Lebenshaltungskosten zehren die vergleichsweise hohen Einkommen auf.

Gehalt- und Preisvergleich: Auf welcher Grundlage hat die IW-Studie gerechnet?

Um die Kaufkraft vergleichbar zu machen, hat das IW laut dem Kurzbericht zur Studie zwei Datensätze zusammengeführt: zum einen das verfügbare Einkommen je Einwohner aus der amtlichen Statistik, zum anderen regionale Preisunterschiede. Die berechneten Daten beziehen sich dabei auf das Jahr 2023.

Für die Berechnung nutzt das IW einen eigenen Preisvergleich, der im Jahr 2025 gemeinsam mit dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung erstellt worden ist. Daraus ergibt sich ein sogenanntes preisbereinigtes Einkommen. Erst die Berücksichtigung dieser Faktoren würde nach Angaben der Studienautoren Christoph Schröder und Jan Wendt zeigen, wie viel Geld den Menschen tatsächlich zur Verfügung steht.

Wie unterscheiden sich die Bundesländer laut der IW-Studie?

Auch im Vergleich der Bundesländer zeigen sich deutliche Unterschiede. An der Spitze liegt Bayern, wo hohe Einkommen auf moderat hohe Preise treffen. Dahinter folgen unter anderem Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg, teilt das IW mit.

Am unteren Ende steht die Bundeshauptstadt Berlin. Dort treffen die zweithöchsten Preise auf vergleichsweise geringe Einkommen. Auch Hamburg fällt deutlich zurück, trotz hoher Gehälter, die durch das hohe Preisniveau relativiert werden.