Beim Durchblättern der Beschlussvorlagen für den aktuellen Haupt- und Finanzausschuss konnte man denken, der Sachbearbeiter der Stadt hätte sie teilweise aus dem Archivordner des Jahres 2018 herauskopiert: TOP 6: Antrag des Fördervereins der Georg-Müller-Schule auf Nutzung des Borgers-Geländes als Schulstandort.
Da rieben sich nicht nur die elf verbliebenen Ratsmitglieder die Augen, die schon acht Jahre zuvor zum selben Thema ihre Meinung geäußert hatten. Sind wir plötzlich gefangen in einem Zeitloch? Nein, es ist nicht mehr Frühjahr 2018.
Es ist unwiderruflich 2026 und Johannes Michael Pieper, Geschäftsführer des Trägervereins der Georg-Müller-Schulen, sitzt tatsächlich in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses und erzählt, warum eine Schule mit ausschließlich christlichem Lehrpersonal, einer einheitlichen Schulkleidung und einer strengen Orientierung an der Bibel Halles Schullandschaft Mitte des 21. Jahrhunderts bereichern würde.
Nicht-Christen müssen woanders unterrichten
Bevor der Shitstorm über mich hereinbricht, stelle ich klar: Dies ist keine Kritik an Religion. Ich war selbst viele Jahre lang Messdiener und habe ein Gymnasium mit einer Konfession im Titel besucht. Religion ist eine Stütze in guten und schlechten Zeiten, aber sie sollte nicht über allem stehen. Schon gar nicht soll sie ausgrenzen, aber genau das wäre hier der Fall. Rund ein Drittel der Bevölkerung im Kreis Gütersloh gehört keiner christlichen Religionsgruppe an. Für Muslime, Buddhisten und Hinduisten bliebe die Schule zumindest als Arbeitgeber außen vor. Passt so eine Vorgabe noch ins Jahr 2026? Ich denke nicht.
Noch entscheidender wäre aber wohl die Auswirkung solch einer Einrichtung auf die Haller Schullandschaft, die bis vor Kurzem auf äußerst wackligen Beinen stand. Wie eine heilige Kuh hat man die Gesamtschule Halle ab 2022, als mit nur 52 Anmeldungen der Tiefststand erreicht wurde, gehätschelt und getätschelt. Mehrfach stand sie auf der Kippe. Erst hinterher wurde klar, wie knapp es für die Einrichtung wirklich war.
Auch aus diesem Grund stimmte der Schulausschuss-Vorsitzende Sven Wöpkemeier (CDU) im Haupt- und Finanzausschuss jetzt ebenfalls gegen den Prüfauftrag. Es sei nicht konsequent, zwecks Stärkung der Gesamtschule eine Mehrklassenbildung in Steinhagen abzulehnen und nun einen Realschulstandort in Halle zu prüfen.
Zum Ursprungstext: Problem-Grundstück Borgers-Brache: Haller Schule nimmt neuen Anlauf
Die prognostizierten Schülerzahlen lassen nicht mehr zu
Unzählige Gespräche wurden in den vergangenen Jahren mit Detmold geführt, um den Kopf immer wieder aus der Schlinge zu ziehen. Hinzu kam eine großartige Imagekampagne mit viel Engagement der Eltern, des Schulleiters Matthias Geukes samt Kollegium sowie vieler Hallerinnen und Haller, was die Schule schließlich nicht nur rettete, sondern sogar Rekordanmeldezahlen hervorbrachte.
Und nun soll plötzlich das Erreichte gefährdet werden, indem man die Weide öffnet und eine weitere Kuh mit viel Hunger auf grünes Gras dazustellt? Dabei wird das verfügbare Futter, sprich die zu verteilenden Schülerzahl, immer kleiner. Dies würde unweigerlich zu Einbrüchen an der Gesamtschule, aber auch am KGH und an den beiden gymnasialen Zweigen des Berufskollegs führen. Die Kinder werden nun einmal weniger.
Bleibt am Ende auch noch die Frage, was politische Beschlüsse überhaupt noch wert sind, wenn man das Thema einfach nach einiger Zeit wieder in die Abstimmung schickt und die Politik darüber erst ein halbes Jahr nach den wieder aufgenommenen Gesprächen in Kenntnis setzt. Wenn die Eltern der Georg-Müller-Schule weite Wege nicht abschrecken, sollten die Verantwortlichen sich einen anderen Standort suchen. In Halle ist die Schulvielfalt groß genug, mehr Konkurrenz würde hier nur zu Konflikten führen, die irgendwann nicht mehr durch Instagram-Kampagnen abwendbar wären.
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