Massendemonstrationen und Proteste gegen den ‚kulturellen Prachtbau“ auf dem Gustaf-Gründgens-Platz waren Anfang 2020 nicht mehr zu befürchten. 50 Jahre vorher indes (also 1970), als das Düsseldorfer Schauspielhaus an seinem heutigen Platz eröffnet wurde, standen die Zeichen auf Sturm: 600 Beamte, Reiterstaffel und Hundeführer boten Stadt und Land auf, versuchten die Festgäste zu schützen vor Farbbeuteln und Stinkbomben von Hunderten von Demonstranten. Es war die Zeit der 68er, deren Zorn sich entlud an der geschlossenen Kultur-Gesellschaft. Denn Karten für die ersten Vorstellungen in der organisch geschwungenen Architektur von Bernhard Pfau (im Kontrast zum benachbarten, rechteckigen Dreischeibenhaus) – von Polit-Aktivisten als „Literaturbordell“ oder „Beton-Pfannekuchen mit Schießscharten“ beschimpft – gingen nur an Prominente. Wie an den damaligen Vizekanzler Walter Scheel (FDP). Und an Honoratioren aus Düsseldorf und NRW, die bis heute mit dem Schauspielhaus das einzige Staatstheater im bevölkerungsreichsten Bundesland gemeinsam finanzieren.