Ob ZDF-Programmgranden wussten, wen sie sich in der vergangenen Woche ins Morgenmagazin eingeladen hatten, oder ob es wirklich nur ein Scherz eines Praktikanten war, bleibt Social-Media-Kommentarspalten-Spekulation. Der Auftritt der Berliner Skandal-Rapperin Ikkimel sorgt seither jedenfalls für mediale Furore, und ein TikTok-Clip davon geht weltweit viral.
In der sogenannten WM-Arena der Sendung präsentierte „Ikki“, wie ihre Fans sie nennen, am vergangenen Montagmorgen den Song „Fußballmänner“, in dem sie mit überzeichneten Klischees über Männer und Fußballkultur spielt. So weit, so nah an ihrem inzwischen doch recht bekannten Oeuvre.
Das Studiopublikum schien dennoch irritiert. Ob von Ikkis knapper Garderobe oder Zeilen wie „Fußballmänner, alles Penner. Bierbauch, Bratwurst, Leckerschmecker“ ist nicht bekannt. Der Kontrast zwischen der selbstbewussten und provokanten Performance und der auffällig versteinerten Mimik der meisten Zuschauerinnen und Zuschauer sorgte jedenfalls für die gewisse, offenbar auch Sprachbarrieren sprengende Komik.
„Du bist gut genug“ die Zweite?
Inzwischen werden TikTok-Videos zum Hit, in denen offenbar nichtdeutsche Personen zu genau dem „Fußballmänner“-Sound tanzen und das Ganze unter anderem mit „idc this German girl ate“ überschreiben. Übersetzt in etwa: „Keine Ahnung, aber dieses deutsche Mädchen rockt.“
„Das ist von solch grotesker Komik!“ Ikkimel überfordert mit Fußball-Rap die Zuschauer im ZDF-MoMa
Reichlich geklickt wird dabei vor allem der vom ZDF selbst auf TikTok gepostete Clip, was auch daran liegt, dass unter anderem die US-Rapperin und Grammy-Gewinnerin Doechii ihn teilte. Seither sind darunter zahlreiche englischsprachige Kommentare zu lesen, die sich auch auf die zurückhaltenden Reaktionen des Publikums beziehen. „I don’t understand the song sounds fire why are they hating“. Zu Deutsch: „Ich verstehe den Hass nicht, das Lied klingt mega,“ heißt es da etwa.
Come to America, we appreciate you more.
US-TikTok-Kommentator über Ikkimel
Erst vergangenen Monat ging bereits ein deutscher Popsong in den USA viral. „(Du bist) gut genug“ von Kitschkrieg, Blumengarten und Shirin David entwickelte sich ebenfalls durch TikTok überraschend zu einem internationalen Hype. Viele englischsprachige Nutzer verstanden die deutsche Zeile „Du bist gut genug“ fälschlicherweise als „Doobie Scoot Canoe“ und machten daraus ein eigenes Meme.
Der Refrain wurde millionenfach für Videos genutzt und erreichte dadurch auch ein internationales Publikum, das den eigentlichen Songtext oft gar nicht verstand. Inzwischen rangierte das Lied sogar in den offiziellen Billboard-Charts 200, was zuvor nur eine exklusive Liste deutschsprachiger Songs geschafft hatte.
Hatte das ZDF doch einen Plan?
Glaubt man US-TikTok-Nutzern, die in unterschiedlichen Variationen auch Sätze schreiben wie „Come to America, we appreciate you more“ („Komm nach Amerika, wir feiern dich mehr“), hat auch „Fußballmänner“ das Potenzial.
Für das ZDF jedenfalls ging der vermeintliche Plan, ein jüngeres, online-affines Publikum zu locken, auf. Nach dem kontrovers diskutierten Auftritt hatte der Sender die Einladung verteidigt. Ihr Song „Fußballmänner“ greife „das Thema Fußball aus einer popkulturellen Perspektive auf und hat insbesondere bei jungen Menschen große Aufmerksamkeit erhalten“, sagte ein Sprecher der „Bild“. Die Sendung bilde regelmäßig gesellschaftliche und popkulturelle Entwicklungen ab, so der Sender. Der Auftritt sei im Rahmen der aktuellen Fußballberichterstattung erfolgt.
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Ikkimel, die bürgerlich Melina Gaby Strauß heißt, wurde durch provokante Texte über Partys, Drogen und Sex bekannt, die sie mit schnellen Technobeats verbindet. Entsprechend setzte sie auch im „Morgenmagazin“ auf eine bewusst überspitzte Performance. Die Moderatoren Andreas Wunn und Philip Wortmann hatten die Sängerin zuvor eingeordnet: Während einige sie als feministische Stimme feiern würden, kritisierten andere ihre Texte als „teilweise vulgären Männerhass“, erklärte Wortmann.