Standdatum: 11. Juli 2026.

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Woltmershausen ist für viele Anwohner der beste Stadtteil Bremens – hier steht die Gemeinschaft im Vordergrund.

Bild: Radio Bremen

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574 Hausnummern, kaum Kneipen, kein Geldautomat: Auf den ersten Blick eher unscheinbar, birgt die Woltmershauser Straße für viele Bewohner einen besonderen Zauber. Warum? Eine Spurensuche.

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Die Woltmershauser Straße ist nicht nur eine Welt – sondern ganz viele verschiedene. 2,4 Kilometer zieht sie sich entlang der Weser und schlängelt sich dabei zwischen Altbauten und Lagerhallen hindurch.

Wir werden immer hierher zurückkommen. Das ist einfach irgendwie Gesetz der Natur, das gehört hier dazu.

Borahan Aravi

Besitzer eines rumänischen Feinkost-Ladens in Woltmershausen. Er Lächelt

Claudio Nitoi hat einen rumänischen Feinkost-Laden an der Woltmershauser Straße eröffnet.

Bild: Radio Bremen

Die Straße in Woltmershausen beginnt am Eisenbahn-Tunnel – lange Zeit war dies der einzige Eingang in die Gegend. Gleich zu Beginn der Straße verkauft Claudio Nitoi Lebensmittel aus seiner Heimat. Vor acht Jahren ist er aus Rumänien mit seiner Frau nach Bremen gekommen.

Vorher war er Landwirt in den Südkarpaten. Von dort holt er auch heute noch persönlich seine Waren in die Woltmershauser Straße. „Einmal im Monat fahre ich 5.000 km, 2.500 km dahin, 2.500 km wieder zurück“, erzählt Nitoi. Als Einziger in ganz Bremen versorgt er seine Landsleute mit Essen aus der Heimat. Laut Bremens Ausländerzentralregister lebten 2024 2.600 Rumänen in Bremen – im Land Bremen waren es insgesamt rund 4.000.

Information zum Thema
Was steckt hinter der Serie „Streets of Bremen“?

Was ist Bremen? Wie ist Bremen? Und wer ist eigentlich Bremen? Diesen Fragen gehen wir im Sommer mit sechs Filmen nach. Dabei zeigen wir, wie unterschiedlich und vielfältig Bremen für die Einwohner ist. Die Straßen sind die Bühnen für die verschiedenen Milieus unserer Stadt – „Streets of Bremen“ zeigt das Leben der Geschäftsleute und der Anwohner sowie deren Biografien.

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Zusammenhalt vom Kiosk bis zum Friseur

Direkt vor Nitois Geschäft hält die 24 – die Buslinie ist die zentrale Verbindung in die Stadt. Sie fährt die gesamte Woltmershauser Straße hinunter und pumpt im Sieben-Minuten-Takt Besucher und Anwohner durch den Stadtteil.

Zwei Anwohner von Woltmershausen gehen auf die Kamera zu. Sie heißen Borahan Aravi und Pascal Gierke

Borahan Aravi und Pascal Gierke sind gute Freunde, die gerne in Woltmershausen leben.

Bild: Radio Bremen

„Der Bus ist immer voll – so mittags, nachmittags, er ist immer voll. Da fahren alle hier rein“, erzählt Borahan Aravi. „Und keiner kommt wieder raus“, ergänzt Pascal Gierke. Die beiden Rapper sind an der Woltmershauser aufgewachsen. Ihr Treffpunkt war immer der Kiosk. Von ihrem Stehtisch vor der Tür haben sie die Straße gut im Blick – und den Bus.

Früher war ihre Straße mal Bremens längste Theke, berichten die zwei. 62 Kneipen soll es gegeben haben. Es gab häufig Kneipen-Schlägereien mit vielen Beteiligten, sagt Gierke – das war so Tradition. Bei verschiedenen Veranstaltungen soll es laut ihm auch Auseinandersetzungen mit Leuten aus Seehausen gegeben haben. Die Woltmershauser nennt er: „Nur Hitzköppe – wirklich nur Hitzköppe.“ Die Woltmershauser kann ein hartes Pflaster sein.

Ich glaube, dass man schnell hier abrutschen kann, ja? Hier ist auch sehr viel, wie sagt man so schön, Gesocks, auch was Drogen angeht, sage ich ehrlich. Hier gibt es viele, die…die sehen nicht mehr gut aus, sage ich offen und ehrlich, die sehen alles andere als gut aus und nicht gesund.

Borahan Aravi, Rapper aus der Neustadt

„Aus dem Nichts kannst du da alles erleben – Festnahmen. Ich bin morgens aufgestanden, gegenüber war eine dicke Razzia auf einmal, genau gegenüber. Kein Witz“, erzählt Aravi. Aus der Erde hätten sie dabei einen Tresor herausgeholt. Den hatte der Festgenommene dort in seinem Garten versteckt. Sogar mit einem Kran seien die Einsatzkräfte vor Ort gewesen, sagt Aravi.

„Einmal wurde mein Fahrrad geklaut – das habe ich dann dahinten wiedergefunden. Und das war ein Kollege von mir, der das geklaut hat, der Penner“, erzählt Gierke.

Hier kannst du auch Spaß haben und alle halten hier auch zusammen, wenn irgendwas ist.

Pascal Gierke

In der Woltmershauser trifft man sich immer wieder. Den Friseur-Salon von Herbert Pawel gibt es schon seit 38 Jahren an der Woltmershauser Straße.

Mann schaut in Kamera und lächelt. Besitzer eines Friseur-Salons in Woltmershausen

Herbert Pawel arbeitet seit 38 Jahren an der Woltmershauser Straße in seinem Friseur-Salon.

Bild: Radio Bremen

Mit 28 Jahren hat Herbert Pawel den Laden übernommen. Mittlerweile arbeitet noch eine Friseurin mit ihm im Salon – es waren auch mal acht Angestellte. Als er den Salon übernommen hat, säumten noch etliche Geschäfte die Woltmershauser Straße. Ihre Kunden: die Arbeiter der anliegenden Werften an der Weser.

Heute sind die Neptun-Werft und zahllose Läden an der Woltmershauser Straße nur noch in der Erinnerung lebendig. „Es gab ganz viele Blumengeschäfte – weil die Herren, wenn sie aus der Kneipe kamen, ja was mitbringen mussten, um ihre Frauen zu besänftigen“, erzählt Pawel. „Joar, und jetzt haben wir gar kein Blumengeschäft mehr – und von den Kneipen sind vielleicht noch eine oder zwei da. Keine Schlachtereien mehr hier und auch das ist etwas, was den Stadtteil aufweicht, weil die Leute einfach rausmüssen aus dem Stadtteil, um ihre Sachen zu kaufen und dadurch mehr Bewegung drin ist jetzt.“

Sein Geschäft schließen und die Woltmershauser Straße verlassen, will Pawel erst, wenn er tot umfällt.

Alte Straße, neue Geschichten

Mann in Anzug steht mit Stock in der Hand vor einem Bekleidungs-Geschäft an der Woltmershauser Straße

Adnan Ramazan betreibt ein Bekleidungsgeschäft an der Woltmershauser Straße.

Bild: Radio Bremen

Die Woltmershauser wandelt sich. Sie ist nicht mehr die Kneipenstraße und auch keine Einkaufsmeile mehr. Aber es sprießen auch neue Ideen und es gibt neue Geschäfte mit neuen Nachbarn. Einer von ihnen ist Adnan Ramazan. Sein Bekleidungsgeschäft an der Woltmershauser läuft – dank Social Media. Die Kunden kommen extra für ihn in die Straße. Für ihn ist die Woltmershauser Straße die beste Straße ganz Bremens.

Rund 20 verschiedene Nationen sind in der Woltmershauser Straße zu Hause. Viele verschiedene Gesichter.

Aus dem Libanon ist Mohammed Hassoun. Mit acht Jahren ist er nach Bremen gekommen. Seit 28 Jahren liefert sein Bringdienst Pizza aus der Woltmershauser in die ganze Stadt. Eine der wenigen Gastronomien in der Straße.

Mann mit Sonnenbrille und Bart schaut in die Kamera

Die Pizzeria von Mohammed Hassoun ist eine der wenigen Gastronomien an der Woltmershauser Straße.

Bild: Radio Bremen

Viele Geschichten – 574 Hausnummern. Die Woltmershauser Straße ist geprägt vom Wandel. Sie hat keine schicken Boutiquen oder Restaurants – nicht mal einen Geldautomaten. Sie hat Menschen, die miteinander groß werden und die ihre Straße hinterm Tunnel genau dafür lieben.

Quelle:
buten un binnen.

Dieses Thema im Programm:
buten un binnen, 7. Juli 2026, 19:30 Uhr