Stand: 11.07.2026 15:41 Uhr

Wo früher schlichte Nachkriegsbauten mit bröckelnden Fassaden standen, erinnern die Häuser heute an Unterkünfte in Skandinavien. In Wolfsburg werden derzeit Wohnblöcke aus den 1960er-Jahren modernisiert.

von Sabine Hausherr

Wer durch den Schlesierweg in Wolfsburg läuft, reibt sich möglicherweise die Augen. Warmes Holz prägt seit kurzem die Fassaden, die Farben dunkelgrün und helles Grau dominieren. Die Häuser erinnern eher an Ferienunterkünfte als an gewöhnliche Mietshäuser einer niedersächsischen Großstadt. Noch vor wenigen Monaten bot sich hier ein anderes Bild: Die Fassaden waren gelb-beige verwittert, die Balkone klein, und die Gebäude hatten den typischen Charme vieler Nachkriegsbauten. „Es ist schön zu sehen, wie sich das Quartier verändert“, sagt Hans-Dieter Brand vom städtischen Wohnungsunternehmen „Neuland“.

Vorgefertigte Fassaden aus Holz

Ein Fassadenelement hängt an einem Kran.

Die vorgefertigten Fassadenelemente aus Holz müssen vor die alte Außenwand gesetzt und angeschraubt werden.

Die „Neuland“ setzt auf ein Verfahren, das Zeit sparen und die Gebäude energetisch verbessern soll. Dafür werden vorgefertigte Holzfassaden vor die bestehenden Außenwände gesetzt. Die Elemente sind geschosshoch, rund zehn Meter lang und bereits mit Dämmwolle und den passenden Fensteröffnungen ausgestattet. Auf der Baustelle müssen die Module nur noch montiert werden. Das Ziel: Weniger Energieverbrauch und geringere Heizkosten für die Mieter. Die Dächer werden zudem erneuert und mit Photovoltaikanlagen ausgestattet. Auch Schadstoffe im Bereich der alten Fassaden und Fenster sollen im Zuge der Arbeiten beseitigt werden.

Bauarbeiten auch in den Wohnungen

Ganz ohne Eingriffe in den Alltag der Mieter geht die Sanierung allerdings nicht. Zwar werden viele Bauteile industriell vorgefertigt, dennoch müssen Handwerker auch in den Wohnungen arbeiten. „Der große Vorteil aber ist, dass die Mieter nie ohne Fenster auskommen müssen“, sagt Bauleiterin Frederike Altmeyer. Im Moment hätten manche sogar zwei. „Das alte und das neue vorgesetzte.“ Die Handwerker bauen dann im nächsten Schritt von innen die alten Fenster aus. „Die Fensterlaibungen müssen dann natürlich angepasst werden“, sagt Altmeyer. „Dadurch haben die Mieter aber eine viel breitere Fensterbank, die sie etwa für Blumen nutzen können.“

Mehr Wohnraum und größere Balkone

Ein mit Holz verkleidetes Haus mit roten Balkonen.

Die Mieter haben nun größere Balkone.

Außerdem werden die bisherigen kleinen Loggien der Wohnung zugeschlagen. Dadurch entstehen zusätzliche Quadratmeter in den Wohnungen. Als Ausgleich werden große Vorstellbalkone angebaut. Das bedeutet aber auch, dass in den Wohnungen der Boden, die Fenster und alle Fensterlaibungen angepasst werden müssen. Für die Mieter bedeutet auch das: Staub, Lärm, und sie müssen zusätzliche Termine mit den Handwerkern abstimmen.

Wohnungsunternehmen investiert 40 Millionen Euro

Insgesamt saniert die „Neuland“ 350 Wohnungen in Wolfsburg. Die Investitionskosten: 40 Millionen Euro. Wirtschaftlich sei das aber nur durch die finanzielle Förderung der Kreditanstalt für Wiederaufbau, kurz KfW, sagt Hans-Dieter Brand. „So müssen wir 1.400 Euro pro Quadratmeter ausgeben, ohne Förderung wären es 1.900 Euro“, erklärt er. Zusätzlich müsste die Neuland die Miete von 6 auf 8 Euro pro Quadratmeter erhöhen. „Wir rechnen aber mit 70 Prozent Energieeinsparung“, sagt er. „Von daher werden die Mieter deutlich geringere Heizkosten haben als bislang“, verspricht er.

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