Verl. Die deutsche Tierrechtsorganisation PETA kritisiert einen für den Samstag, 11. Juli, geplanten Wettflug des Regionalverbandes 250 „Ostwestfalen“ im Verband deutscher Brieftaubenzüchter und hat das Veterinäramt des Kreises Gütersloh aufgefordert, „die tierschutzwidrige Wettflugveranstaltung zu untersagen“. Namentlich angesprochen wird in der Pressemitteilung die Reisevereinigung Verl-Bornholte.

Der Verein stellt nach eigenen Angaben aber lediglich 270 von insgesamt rund 1.500 Vögeln, die am Samstag im luxemburgischen Ort Mondercange auf einen rund 317 Kilometer weiten Heimflug geschickt werden. Für solche Veranstaltungen tun sich stets mehrere Vereine zusammen; in diesem Fall versenden Vereine aus Gütersloh, Rheda-Wiedenbrück, Rietberg, Delbrück und Verl ihre Brieftauben gemeinsam in einem Spezialtransporter.

PETA kritisiert, die Vögel würden „bewusst von ihren Partnern oder Kindern getrennt. Somit ist für die treuen Tiere nicht Ehrgeiz die Motivation zur Heimkehr, sondern die Sehnsucht nach ihrem Heimatschlag und ihrem Partner.“ Außerdem stürben viele Tauben auf den anstrengenden Flügen an Dehydration, Hunger, Erschöpfung oder Verletzungen. PETA fordert ein Verbot von Taubenwettflügen in Deutschland.

Auch die aktuellen Temperaturen sind für PETA ein Problem

In einem Schreiben an das zuständige Veterinäramt des Kreises Gütersloh appelliert die Tierrechtsorganisation, „die tierschutzwidrige Veranstaltung, besonders aufgrund der aktuellen Temperaturen, zu untersagen“. Taubenwettflüge widersprächen dem Tierschutzgesetz. Dieses verbiete es, Tieren Leistungen abzuverlangen, die ihre Kräfte übersteigen. PETA zitiert eine Studie, die bei Taubenwettflügen die Verlustraten mit durchschnittlich 53 Prozent pro Saison beziffert.

Der Kreis Gütersloh bestätigt den Eingang des PETA-Schreibens. Die Anzeige werde in Abstimmung mit dem Land geprüft. Nach NW-Informationen sind wortlautgleiche Briefe auch an andere Kreisverwaltungen versandt worden, unter anderem an den bayerischen Landkreis Kissingen. Stets ist einer der an den Wettflügen beteiligten Vereine namentlich herausgehoben.

Norbert Henkenjohann, Vorsitzender der in der PETA-Mitteilung angesprochenen Reisevereinigung Verl-Bornholte, widerspricht. Der kritisierte Wettflug sei der vorletzte der Saison und „nichts Besonderes. Die Tauben sind schon längst eingeflogen.“

Taubenzüchter widersprechen den PETA-Angaben

Der Großteil der Tiere werde nicht vom Partner getrennt „und Junge haben die Tauben zu dieser Zeit auch nicht“. Während des Transportes würden die Vögel optimal versorgt. „Kein Züchter hat ein Interesse daran, dass es seinen Tieren schlecht ergeht“, so Henkenjohann.

Vor der Fahrt würden die Tauben im Transporter mit Wasser versorgt. Die Fahrt finde nachts statt, damit der Auflass früh morgens bei angenehmen Temperaturen erfolgen kann. „Bei einem Zwischenhalt und bei der Ankunft werden die Tauben wieder mit Wasser versorgt.“ Betreut würden die Vögel von einem zertifizierten Flugleiter.

Die von PETA genannte Verlustrate bestätigt Henkenjohann nicht. Pro Saison gingen den Taubenzüchtern nach seiner und der Erfahrung anderer fünf bis zehn Prozent der Vögel verloren. „Das größte Problem für Tauben sind Greifvögel.“