Stand: 10.07.2026 19:51 Uhr

Bundestag und Bundesrat haben sich mehrheitlich für die Reform ausgesprochen. Die Niedersächsische Krankenhausgesellschaft und einzelne Berufsstände befürchten fatale Folgen.

von Fritzi Blömer

Kinderarzt Sebastian Pfahl ist sprachlos. Zwei Monate harte Arbeit liegen hinter ihm, sagt er. Und mehrere Gespräche mit Bundestagsabgeordneten. Zurück bleibt das Gefühl, nicht gehört worden zu sein. Mit Praxen in Garrel und Cloppenburg ist der Kinderarzt in einer Region tätig, die jetzt schon unterversorgt ist. Die geplante Budgetierung sei für seinen Berufsstand ein großes Problem. Wenn Impfangebote heruntergeschraubt würden, könnten Krankheiten, die vorher ausgerottet waren, auf einmal wiederkommen, sagt Pfahl. „Nur weil die Kapazitäten fehlen“, beklagt er. Pfahl ist sich sicher: „Hier wurde auf Teufel komm raus gespart, ohne vorher darüber nachzudenken.“ Am Ende treffe es wieder mal die Kinder.

Psychotherapeutin sorgt sich: „Wer soll die Folgekosten tragen?“

Auch die Vechtaer Psychotherapeutin Daniela Bockhorst ist fassungslos. Es gebe jetzt schon deutlich mehr Anfragen als Therapieplätze. Dass genau in diesem Bereich gekürzt werde, mache sie schwer betroffen. Auch Psychotherapie soll laut Reform budgetiert werden. Pro Quartal gäbe es dann nur eine bestimmte Summe, die ausgegeben werden darf. Am Ende müsse sie dann entscheiden, entweder ohne Bezahlung zu arbeiten oder Patienten abzuweisen, sagt Bockhorst. „Psychotherapeuten sorgen dafür, dass stationäre Aufenthalte und Arbeitsunfähigkeiten verhindert werden“, gibt Bockhorst zu bedenken. Wie die Regierung die voraussichtlich entstehenden Folgekosten tragen will, sei ihr schleierhaft. Die Existenz ihres Berufsstandes sieht sie als bedroht an.

Gesprächsrunde

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Nachbesserungen nur ein Trostpflaster?

Die Regierung will im Bereich der Psychotherapie noch nachbessern. Laut Bockhorst sei das nur ein Trostpflaster. Dabei verursache ihr Berufsstand im Vergleich nur sehr geringe Gesamtausgaben im Gesundheitswesen. Ebenso sieht es bei Kinderärzten und auch bei den Rettungsdiensten aus. Bei den Maltesern, Johannitern und dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) ist die Reform ebenfalls mit Sorgen verbunden. Investitionen im Rettungsdienst zu deckeln, mache keinen Sinn in Zeiten, in denen Einsatzzahlen und Kosten stiegen und dringend Fachkräfte gesucht würden, heißt es von den Maltesern im Bezirk Oldenburg. Jann-Eiken Diekmann vom DRK Cloppenburg betont: Wenn Kliniken schließen, womit zu rechnen sei, dann habe das auch Folgen für die Rettungsdienste.

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Krankenhausgesellschaft fordert Nothilfeprogramm

Dass Kliniken bedroht sind, damit rechnet auch die Niedersächsische Krankenhausgesellschaft. Sie fordert die Landesregierung gemeinsam mit den Spitzenverbänden auf, kurzfristig ein Nothilfeprogramm aufzulegen. Besonders im ländlichen Raum sei durch die massiven Kürzungen mit einer schlechteren Versorgung zu rechnen. Wenn Kliniken schließen, dann werde das auch längere Wege für Patientinnen und Patienten und eine deutliche Schwächung der Notfallstrukturen bedeuten. Das Gesetz sei ein Brandbeschleuniger: Zahlreiche niedersächsische Kommunen seien mit der finanziellen Belastung zunehmend überfordert. Gleiches gelte für freigemeinnützige und private Träger. Die Kürzungen bedeuteten für die Kliniken rund 750 Millionen Euro weniger. Um das zu kompensieren, müsste man Personal einsparen. Die Krankenhausgesellschaft spricht hier von knapp 10.000 Krankenhausbeschäftigten.

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